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Algiers

Algiers sind eine 2007 gegründete US-amerikanische Rockband aus Atlanta. Die Gruppe besteht aus Franklin James Fisher (Gesang, Gitarre, Klavier u. a.), Ryan Mahan (Bass, Synthesizer u. a.), Lee Tesche (Gitarre) sowie dem ehemaligen Bloc Party-Drummer Matt Tong. Im Jahr 2015 veröffentlichten Algiers ihr selbstbetiteltes Debütalbum.

Die von der Band selbst als „Post-Worldbeat“ bezeichnete Musik weist Merkmale unterschiedlicher Genres auf: Während Fishers virtuoser Gesang an Soul und Gospel erinnert, ist die instrumentale Begleitung häufig geprägt von Störgeräuschen und experimentell-elektronischen Klängen wie im Noise-Rock oder Post-Punk üblich oder von Industrial-typischer Brachialität. Ihre Texte sind systemkritisch und handeln von Themen wie Rassismus und den Schattenseiten des Kapitalismus. So werden beispielsweise im Titeltrack zu ihrem Album „The Underside Of Power“ Parallelen zwischen den Black Panthers der 1960er-Jahre und der gegenwärtigen Black-Lives-Matter-Bewegung hergestellt. Benannt hat sich die Gruppe nach der Hauptstadt Algeriens, die in den 1950er- und 60er-Jahren Schauplatz für postkoloniale Aufstände gegen die französischen Kolonialherren war.

„The Underside Of Power“, das zweite Studioalbum von Algiers, erschien im Jahr 2017 über das US-amerikanische Independent-Label Matador Records und wurde von MusikkritikerInnen sehr positiv aufgenommen. Als Produzent fungierte unter anderem Adrian Utley von der Band Portishead.


Alice Coltrane

Alice Coltrane (*1937 in Detroit als Alice McLeod) war eine US-amerikanische Jazz-Musikerin, Arrangeurin und Komponistin. Die Harfenistin und Pianistin veröffentlichte Alben als Bandleaderin zwischen 1968 und 1978, arbeitete mit ihrem Mann, dem Saxofonisten John Coltrane und nahm später spirituelle Musik auf. Sie starb 2007 in Los Angeles. Sie ist die Mutter des Saxofonisten Ravi und des DJs Oranyan Coltrane.

Alice Coltrane studierte klassische Musik, aber auch Jazz unter Bud Powell. Sie wurde Teil der Detroiter Jazz-Szene als Pianistin und Bandleaderin. In den frühen 1960er-Jahren lernte sie Saxofon-Ikone John Coltrane kennen, den sie 1965 heiratete. Das spirituelle Interesse des Paares an indischer Philosophie schlug sich auch musikalisch nieder; zunächst gemeinsam, als Alice in Johns Band einstieg; nach dessen Tod auch auf Solo-Alben wie „Ptah, El Daoud“ (1971), auf dem Coltrane unter anderem mit Joe Henderson and Pharoah Sanders arbeitete.

Ab den 1980er-Jahren nahm Alice Coltrane im von ihr gegründeten Ashram Meditationsmusik auf, die in Teilen 2017 kommerziell als „The Ecstatic Music of Alice Coltrane Turiyasangitananda“ erschien. Unter anderem Paul Weller und Flying Lotus zollten ihr musikalischen Tribut.

 


Allah-Las

Allah-Las sind eine vierköpfige Garage-Rock-Band, die 2008 in Los Angeles gegründet wurde. Die Gruppe besteht aus Miles Michaud (Gesang, Gitarre), Pedrum Siadatian (Gesang, Gitarre), Spencer Dunham (Gesang, Bass) und Matthew Correia (Gesang, Percussion). Ihr selbstbetiteltes Debütalbum erschien 2012.

In ihrer Musik beziehen sich Allah-Las auf unterschiedliche Genres, die in den 1960er-Jahren aufgekommen waren. Kalifornischer Psychedelic-Pop sind dabei ebenso wichtige Einflüsse wie R&B, Soul und der Folk des Greenwich Village in New York. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Sound, der die simpleren Produktionsbedingungen der 60er-Jahre imitiert und deshalb stets roh und ungeschliffen klingt. Trotz der eindeutigen Bezugnahme zu der Musik dieser Ära sind die musikalischen Einflüsse der Allah-Las vielfältig, was sich unter anderem auf ihrer EP „Covers #1“ aus dem Jahr 2017 widerspiegelt. Hier interpretierte die Band jeweils einen Song von George Harrison, den New Yorker Punk-Pionieren Television, der Folk/Country-Musikerin Kathy Heideman sowie der 90er-Alternative-Rock-Gruppe Further.

Im Jahr 2019 steuerten die Allah-Las fünf Stücke zu dem Soundtrack des von ihrem Label Mexican Summer co-produzierten Surfer-Films „Self Discovery For Social Survival“ bei.


Allie

Allie - mit bürgerlichen Namen Florian Boss -  brachte 2010 mit „Mimi King“ sein erstes Album heraus. Darauf bewahrt ein ruhiger bis dramatischer Seifenpopsound seine sanfte Stimme vor dem Zerbrechen. Mit seiner Interpretation von „The Power of  Love“ demonstriert Allie, das er hinsichtlich Musikproduktion genau weiß, was er will. Und er lässt etwas Sufjan-Stevens-Melancholie aufblitzen. Cloud Pop nennt Allie seinen Stil. Neben mehreren Alben hat der Berliner auch Musik für Filme komponiert.


Alt-J

Alt-J sind eine seit 2007 bestehende britische Experimental-Rock-Band aus Leeds, England. Ihre Mitglieder sind Joe Newman (Gesang, Gitarre, Bass), Gus Unger-Hamilton (Keyboard, Gesang) und Thom Sonny Green (Schlagzeug). Ihr kritisch wohlgelittenes Debütalbum „An Awesome Wave“ erschien 2012 über Infectious Music. 

Alt-J wurde im Jahr 2007 von vier Studierenden der Leeds University gegründet. Der Bandname steht für die Tastenkombination, die auf der Tastatur mancher Computer ein Dreieckssymbol ergibt. Der Durchbruch der Gruppe erfolgte unmittelbar nach der Veröffentlichung von „An Awesome Wave“ im Jahr 2012: Für ihr von einem elektronischen Indie-Pop- bzw. Folktronica-Sound geprägtes Debüt erhielt die Gruppe den renommierten Mercury Prize für das Album des Jahres. ByteFM Moderator Patrick Ziegelmüller widmete sich der Platte in einer Ausgabe seiner Sendung Sunday Service. Nach dem Ausstieg des Bassisten Gwilym Sainsboury veröffentlichten Alt-J im Jahr 2014 den nicht minder erfolgreichen Nachfolger „This Is All Yours“. Die Deutschlandtermine der dazugehörigen Tour wurden von ByteFM präsentiert. 

Für ihr drittes Album „Relaxer“ aus dem Jahr 2017 griffen Alt-J teilweise zu ungewöhnlichen Maßnahmen. So wurde beispielsweise der Song „Pleader“ in einer Kathedrale aufgenommen - inklusive des dazugehörigen Kinderchors sowie der Kirchenorgel. Auf der Neuinterpretation des Traditionals „House Of The Rising Sun“ sind zwanzig klassische Gitarren zu hören.


Altin Gün

Altin Gün sind eine Psychedelic-Pop-Band aus Amsterdam mit Einflüssen türkischer Melodik. Bassist Jasper Verhulst castete via Inserat eine Band, bestehend aus Erdinc Yildiz Ecevit (Saz, Keyboard, Gesang), Sängerin Merve Dasdemir, Gino Groeneveld (Percussion), Ben Rider (Gitarre) und Nic Mauskovic (Schlagzeug).

Ein Konzert mit Jacco Gardner in Istanbul begeisterte Jasper Verhulst derart für den türkischen Rock-, Psychedelic- und Funksound der 1970er-Jahre, dass er sich auf die Suche nach musikalischen MitstreiterInnen machte. 2017 erschien die Single „Tath Diller Güler Yüze“, Ende März 2018 folgte Altin Güns Debütalbum „On“. Visuell spielt die Gruppe mit Versatzstücken türkischer Tradition und 1970er-Jahre-Bildästhetik. Klanglich beziehen Altin Gün sich auf Groove-Musik und türkischen Pop der 70er-Jahre; der Gesang ist in türkischer Sprache.

Die Band berschreibt sich als „türkische Psych-Folk-Band aus Amsterdam“, erweiterte ihren Klang aber nach dem Debüt um Synthesizer, 80er-Disco-Elemente und 80er-Reggae der Ausprägung „Lovers Rock“.


Amanda Palmer

Amanda Palmer ist eine US-amerikanische Sängerin, Pianistin und Songwriterin aus New York, die sowohl als Solomusikerin als auch als Mitglied des Punk-Cabaret-Duos The Dresden Dolls bekannt ist. Ihr erstes Soloalbum „Who Killed Amanda Palmer“ erschien 2008.

Zusammen mit dem Drummer Brian Viglione gründete Palmer im Jahr 2000 The Dresden Dolls. Aus Angst, die Presse würde ihre Musik aufgrund des teilweise düster klingenden Sounds sowie der exzentrischen Bühnenoutfits „Gothic“ taufen, nannte Palmer die Mischung aus Piano- und Schlagzeug-basierter Rockmusik und Theater „Brechtian Punk Cabaret“. Die Band konnte eine treue Fangemeinde für sich gewinnen und landete mit „Coin-Operated Boy“ und „Girl Anachronism" zwei Hits, bevor sie sich im Jahr 2008 offiziell auflöste. Amanda Palmer ist seitdem insbesondere als Solomusikerin erfolgreich. In ihren humorvollen bis depressiven Texten setzt sie sich mit Themen wie persönlichen Sinneskrisen und sexueller Selbstbestimmung auseinander, erzählt Geschichten aus ihrer Zeit als „lebende Statue“ und Stripperin und kritisiert politische Ereignisse wie den Brexit und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten.

Amanda Palmer veröffentlichte ihr drittes Studioalbum „There Will Be No Intermission“ im Jahr 2019. Es wurde, wie bereits der Vorgänger „Theatre Is Evil“ aus dem Jahr 2012, über Crowdfunding finanziert.


Amyl & The Sniffers

Amyl & The Sniffers sind eine australische Musikgruppe, die im Jahr 2016 um Frontfrau Amy Taylor gegründet wurde. Die Besetzung der Punkband rekrutiert sich aus drei Mitbewohnern der Sängerin: Bryce Wilson (Schlagzeug), Dec Martens (Gitarre) und Gus Romer (Bass).

Um noch im Gründungsjahr die erste EP „Giddy Up“ aufzunehmen, begnügten sich Amyl & The Sniffers mit zwölf Stunden Studiozeit und ungefähr drei Akkorden. So geht man mit der für das Genre nicht untypischen Attitüde „Instrument kann ich nicht, aber Musik will ich machen, also los geht's“ an die Sache heran. Musikalisch kann das an einen Flashback in die Hochzeit des Punk-Rock Ende der 1970er-Jahre grenzen, aber deutlich hörbar sind auch Einflüsse von Garage-Rock (so referenziert die Band auch ihre Landsleute Cosmic Psychos). Überhaupt nennen Amyl & The Sniffers Stilrichtungen und KünstlerInnen sehr unterschiedlicher Couleur als Inspiration, in etwa AC/DC, Nancy Sinatra, Dolly Parton und zeitgenössischen HipHop.

Im Jahr 2018 hat das Label Damaged Goods die beiden EPs „Big Attraction“ (2017) und „Giddy Up“ im Doppelpack veröffentlicht.


And The Golden Choir

And The Golden Choir ist das Soloprojekt von Tobias Siebert, der unter anderem als Sänger und Gitarrist bei der Post-Punk-Band Klez.e, deren Platte „Desintegration“ von The Cure inspiriert ist. Siebert ist zudem Mitbegründer des Loob-Labels und Produzent von Bands wie Me And My Drummer und Hundreds über Slut und Marcus Wiebusch bis hin zu Phillip Boa And The Voodooclub bekannt ist.

„Another Half Life" heißt das Debütalbum von And The Golden Choir, das Siebert im Januar 2015 veröffentlicht hat. Das Album bietet eine bunte Mischung an Indiepop, Folk und gospelartigen Chorkompositionen mit breiter Instrumentierung, dessen Songs von And The Golden Choir in seinem Kreuzberger Studio eigenhändig aufgenommen und eingesungen wurden. Mit seinem zweiten Album „Breaking With Habits" nimmt Siebert Abstand von seinem sehr analogen Ansatz und lässt auch digitale Komponenten wie Drumcomputer und Samples in seinen Kompositionen zu.

And The Golden Choir lebt und arbeitet in Berlin.


Anderson .Paak

Anderson .Paak ist ein Sänger, Schlagzeuger, Rapper und Produzent aus Kalifornien. Der Künstler wurde am 8. Februar 1986 als Brandon Paak Anderson in Oxnard geboren. Bevor er 2014 mit „Venice“ sein Debütalbum als Anderson .Paak veröffentlichte, war er unter dem Namen Breezy Lovejoy aktiv.

In seiner Musik vermischt Anderson .Paak Elemente aus HipHop, R&B, Funk, Soul und Rock. Parallel zum Gesang bedient .Paak oftmals auch die Drums. 2015 rekrutierte Dr. Dre ihn als Mitmusiker für dessen Comeback-Album „Compton“ – und verhalf ihm damit zu seinem kommerziellen Durchbruch. 2016 veröffentlichte .Paak seine zweite LP „Malibu“, 2018 folgte das nach seinem Geburtsort benannte „Oxnard“ – auf dem hochkarätige Gast-Musiker wie Kendrick Lamar, Q-Tip, Khadja Bonet und Snoop Dogg zu hören waren.

Neben seinen Solo-LPs ist Anderson .Paak oft selber als Feature- oder Session-Musiker aktiv. Der gut vernetzte Musiker spielte unter anderem auf Songs von Flying Lotus, Mac Miller oder Macklemore & Ryan Lewis.


Andreas Dorau

Andreas Dorau (*19. Januar 1964) ist ein Sänger und Filmemacher aus Hamburg. Seine Musik bedient sich bei zahlreichen Genres wie Synth-Pop, Schlager, Sunshine-Pop, Krautrock, House und Garage-Rock.

Aufgrund seines Überraschungs-Hits „Fred vom Jupiter“ wird er oft der Neuen Deutschen Welle zugerechnet. Noch als Schüler, im Alter von 15 Jahren, nahm er zusammen mit seiner Begleitband Die Marinas im Rahmen einer Projektwoche das Stück auf. Die Schallplattenveröffentlichung der Aufnahme im Jahr 1982 wurde Verkaufsschlager, der knapp die deutschen Top 20 verfehlte. In den 1990er-Jahren hatte Andreas Dorau einige Mini-Hits. „Girls In Love“ erreichte in Frankreich sogar Platz 9 der Hitparade. 2017 erfüllte sich Andreas Dorau einen Traum und schaffte mit seinem zehnten Album "Die Liebe und der Ärger der Anderen" erstmals den Sprung in die Albumcharts.

Andreas Dorau lernte das Gitarrespielen von Holger Hiller von Palais Schaumburg. 1982 trat er mit Albert Oehlen unter dem Titel Evergreens of Psychoterror auf. Dorau schrieb zeitweise für das Musikmagazin Sounds, studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München und lebt heute in Hamburg.

 


Andreas Spechtl

Andreas Spechtl werden viele als Sänger und Gitarrist der Band Ja, Panik kennen, welche seit 2005 für ihre diskursive, intelligente Rockmusik voller Sprachspiele auf Deutsch und Englisch bekannt ist. Seit einiger Zeit ist Andreas Spechtl auch als Kollaborateur diverser Berliner Formationen und KünstlerInnen aktiv (Die Türen, Der Mann, Christiane Rösinger, GOA mit Rabea Eradi und Chris Imler) und hat mehrere Soloalben veröffentlicht.

Sein erstes Werk „Sleep“ gestaltet sich als introspektive Zeitlupen-Dub-Platte, auf der Andreas Spechtl den eigenen Geist im Schlafwandel erkundet. Im November 2017 erschien sein Album „Thinking About Tomorrow, And How To Build It“, eine Platte voller Dub- und Clubmusik. Die Songs hat Andreas Spechtl in der iranischen Hauptstadt Teheran aufgenommen. Der Einfluss von Teheran wird in der Musik durch persische Saiten- und Blasinstrumente deutlich.


Andrew Weatherall

Andrew Weatherall (6. Mai 1963 – 17. Februar 2020) war einer der einflussreichsten englischen Produzenten, Djs und Remixer der 1990er. Remixe für die Happy Mondays, New Order und St. Etienne machten ihn zu einer der wichtigsten Figuren der britischen Rave-Szene ab ca. 1989, bevor er 1991 als Produzent das etwas schwachbrüstige Songmaterial, das Primal Scream für „Screamadelica“ geschrieben hatten auf eine neue Ebene der Dancefloor-Extase hob.

1993 gründete Andrew Weatherall mit Jagz Kooner und Gary Burns die Sabres of Paradise, ein experimentelles Dance-Projekt, das sich von Acid House langsam in Richtung Dub bewegte und trotz seiner relativen Sperrigkeit kleinere Chart-Erfolge für sich verbuchen konnte. Als viertes Mitglied stieß Keith Tenniswood hinzu, mit dem Weatherall nach dem Ende der Sabres of Paradise 1996 Two Lone Swordsmen gründete, die – wie die Sabres zuvor – beim renommierten Elektronik-Label Warp erschienen.

Als DJ war Andrew Weatherall dafür bekannt, sich in seinen Sets nie von Genregrenzen irritieren zu lassen. Tracks, die für andere unvereinbar schienen, waren für ihn alle letztlich das Gleiche: ein Mittel zur Alltagsflucht. Am 17. Februar 2020 starb Andrew Weatherall an einer Lungenembolie.


Andy Shauf

In der kanadischen Kleinstadt Saskatchewan konnte sich Andy Shauf schon als Kind im Musikgeschäft der Eltern an allerlei Instrumenten austoben. Als Künstler wechselt der Singer-Songwriter zwischen Gitarre, Klarinette, Klavier und Synthesizer. Mit dem Song „Jenny Come Home“ gelang ihm 2015 der Durchbruch im kanadischen Radio. Seine teils behutsamen, teils nüchternen Balladen lassen nur erahnen, was Andy Shauf für ein großer Musiknerd ist.


Die Anfänge des HipHop

Die Anfänge des HipHop, der Beginn dieser noch immer einflussreichsten Jugendkultur, können nicht auf einen Urknall, eine Geburtsstunde festgelegt werden. Sprechgesang über funky Tunes gab es schon vor den New Yorker Block-Partys in den 70ern, die als Wiege des Genres gelten. Aber aus diesen Underground-Nächten entstand eine neue Kultur. Mit eigenen Codes und Formeln und einem kreativen Potential, das noch immer nicht aufgebraucht ist. Es war eine Zeit, als findige DJs begannen, zu scratchen und Funk-Breaks zu isolieren. Als eloquente Ansager*innen über diese Musik reimten. Heute würde man sagen: MCs rappten über Breakbeats. Doch das Vokabular war gerade erst im Entstehen begriffen. Musikalische Zeugnisse aus dieser Zeit gibt es wenige. Beginnen wir daher bei bedeutenden Tracks der HipHop-Antike: der Old School.


The Sugarhill Gang: „Rapper's Delight“ (1979)

Am 16. September 1979 erschien „Rapper's Delight“ von The Sugarhill Gang. Über dem Basslauf von Chics Disco-Hit „Good Times” eine schnell und rhythmisch gesprochene Zeile: „Hip-hop, hippie to the hippie, to the hip-hip-hop and you don't stop”. Der Begriff „Rap” wurde mit diesen Worten vom New Yorker Block-Party-Slangausdruck zum Teil des Mainstream-Wortschatzes. Produzentin Sylvia Robinson hatte die Band zusammengestellt, um eine Platte im Stil der Underground-Partykultur zu machen. Viele MCs sahen Rap als spontane Live-Geschichte, weshalb Robinson Schwierigkeiten hatte, Rapper zu casten. Der Basslauf des bekannten Chic-Songs wurde nachgespielt – Sampler waren noch unerschwinglich – und The Sugarhill Gang rappte dazu. Keineswegs „authentisch” also, aber ein Meilenstein.

Kurtis Blow: „The Breaks“ (1980)

Kurtis Blow (eigentlich Kurtis Walker) hatte Ende 1979, gerade 20-jährig, bereits einen Hit mit „Christmas Rappin”, kurz nach dem Erfolg von „Rapper's Delight”. Doch seine große Nummer landete er ein halbes Jahr später, im Juni 1980: „The Breaks” wurde als erster Rap-Song mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Der Titel spielt auf die instrumentalen „Breaks” auf Funk-Platten an, die frühe DJs isolierten und aneinanderreihten, da sie merkten, dass das Publikum an diesen Stellen besonders intensiv tanzte. Kurtis Blow benutzt das Wort, beziehungsweise gleichklingende Wörter wie „Brakes” in den sechseinhalb Minuten des Songs über achtzigmal. Bitte mitzählen.

Grandmaster Flash & The Furious Five: „The Message“ (1982)

Ein ungemein wichtiges Stück für die Anfänge des HipHop war „The Message“ von Grandmaster Flash & The Furious Five. Die Crew war bereits seit Mitte der 70er in der Block-Party-Szene bekannt und brachte mit „The Message“ eine politische Dimension auch in den „warenförmigen“ HipHop und in die Charts, die auch das in der Szene übliche Ausmaß übertraf. Zuvor waren die Veröffentlichungen des Genres vor allem freundlich prahlende Party-Raps gewesen. „The Message“ beschäftigte sich hingegen mit der Armut in den Innenstädten der USA. Dieses politische Bewusstsein sollte in den Folgejahren zu einem entscheidenden Element des HipHop werden. Produziert wurde der Track übrigens wieder von Sylvia Robinson, die auch The Sugarhill Gang im Studio betreut hatte. Ihre Idee war es auch, einen politischen Rap-Song zu machen; die Band hatte Bedenken und weigerte sich zunächst.

Afrika Bambaata: „Planet Rock“ (1982)

„Planet Rock“ von Afrika Bambaata war 1982 ein weiterer Meilenstein der Anfänge des HipHop. Der Song basiert auf einem Sample des Stückes „Trans Europa Express“ der deutschen Elektronikpioniere Kraftwerk. Die Verbindung zwischen der afroamerikanischen Musikszene New Yorks und experimentellem europäischen Pop war – zumindest für das weiße Mainstreampublikum – überraschend. „Planet Rock“ gilt heute als erster Schritt in Richtung des Genres, das später „Electro“ heißen sollte. Das Sample war zunächst nicht mit Kraftwerk abgeklärt. Nach einem Treffen gab die Band ihre Erlaubnis, unter der Bedingung einen Dollar für jede verkaufte Single zu erhalten.

Run-D.M.C.: „It’s Like That“ (1983)

„It’s Like That“ von Run-D.M.C. war einer der ersten Tracks der sogenannten „New School“ des HipHop, die sich durch einen härteren, minimalistischern Sound und politischere Lyrics auszeichnete. „It’s Like That“ erschien 1983 und handelt von Arbeitslosigkeit und Geldproblemen in der Hood. Produzent Larry Smith hatte den Teenagern zunächst den Text abgekauft, um ihn mit Kurtis Blow aufzunehmen, ließ sich von ihnen aber überreden, ein Demo mit ihnen selbst aufzunehmen. Dieses Demo überzeugte Smith offenbar und der Track wurde die erste Single von Run-D.M.C., die später zusammen mit Aerosmith mit dem Song „Walk This Way“ einen weltweiten Crossover-Erfolg hatten.


Angel Olsen

Angel Olsen ist eine US-amerikanische Singer-Songwriterin und Gitarristin, die 1987 in St.Louis geboren wurde. Im Jahr 2011 veröffentlichte sie ihre erste EP „Strange Cacti“. Ihr Debütalbum „Half Way Home“ erschien 2012. Seit 2014 veröffentlicht Olsen ihre Musik über das US-amerikanische Independent-Label Jagjaguwar.

Angel Olsen vermischt in ihrer Musik Einflüsse aus Folk, Country, Indie-Rock und Grunge. Als charakteristisch gelten dabei ihre dunkle, brüchige Stimme und ihre aufwändigen Arrangements, bei denen verhallte Gitarren, Streicher, Mellotron und Synthesizer zum Einsatz kommen. In ihren Lyrics befasst sie sich sowohl mit intimen Themen wie Liebeskummer und ihrer komplizierten Familiengeschichte – Olsen wuchs bei einer Pflegefamilie auf – als auch mit Gesellschaftlichem. So nahm sie auf ihrem dritten Album „My Woman“aus dem Jahr 2016 verschiedene Frauenrollen ein. Angel Olsen hat mit zahlreichen anderen Indie-MusikerInnen zusammengearbeitet, darunter Alex Cameron, Bonnie „Prince“ Billy, Marissa Nadler und Cass McCombs.

Im Oktober 2019 veröffentlichte Angel Olsen mit „All Mirrors“ ihr viertes Studioalbum. Es handelt davon, sich selbst als Gegenüber zu sehen und war Album der Woche bei ByteFM.


Animal Collective

Animal Collective sind eine 2003 gegründete US-amerikanische Avant-Pop-Band aus Baltimore. Ihre Mitglieder sind David „Avey Tare“ Portner (Gesang, Gitarre, Synthesizer u. a.), Noah „Panda Bear“ Lennox (Gesang, Drums u. a.), Josh „Deakin“ Dibb (Gitarre, Synthesizer, Sequencer u. a.) und Brian „Geologist“ Weitz (Elektronik, Samples u. a.). Ihr Debütalbum „Spirit They’re Gone, Spirit They’ve Vanished“ veröffentlichten sie 2000 als Avey Tare And Panda Bear. 

Die späteren Mitglieder von Animal Collective lernten sich in ihrer Kindheit kennen und fingen – verbunden durch eine gemeinsame Liebe zu Bands wie Pavement – früh an, miteinander zu musizieren. Was als Lo-Fi-Indie-Rock begann, wurde über die Jahre elektronischer und experimenteller. Psychedelic- und Krautrockbands wie Silver Apples und Can inspirierten die Musiker dazu, sich mit analogen Synthesizern und Haushaltsgeräten auszustatten und damit ausufernde Jamsessions zu veranstalten – teilweise unter dem Einfluss von psychoaktiven Substanzen. Ihr Sound ist seither eine Kombination aus diversen experimentellen und psychedelischen Stilen und eingängigeren Folk- und Pop-Elementen. Im Jahr 2000 traten Avey Tare und Panda Bear zum ersten Mal geschminkt und maskiert auf, was sich seither zu einem Markenzeichen von Animal Collective entwickelt hat. 

Painting With“, das achte Studioalbum von Animal Collective, war im Februar 2016 ByteFM Album der Woche. Mit „Bridge To Quiet“ veröffentlichte die Gruppe 2020 eine vier Song starke EP.


Anna Aaron

Anna Aaron ist Singer-Songwriterin und Pianistin und wurde 1985 als Cécile Meyer in Basel geboren. Ihre erste EP „I’ll Dry Your Tears Little Murderer“ wurde 2007 veröffentlicht und von Sophie Hunger entdeckt, die die Nachwuchskünstlerin an ihr Label „Two Gentlemen“ vermittelte.

Über dieses veröffentlichte Anna Aaron 2011 ihr erstes Album „Dogs in Spirit“, für das sie unter anderem mit dem Basler Pop-Preis ausgezeichnet wurde. Drei Jahre später folgte „Neuro“, das wie sein Vorgänger recht folky, emotional und in weiten Teilen melancholisch bis düster klingt. Nach der Trennung von ihrem Label, welche die Musikerin nach eigenen Aussagen in eine tiefe emotionale Krise stürzte, wurde es für einige Jahre still um sie.

2019 dann die große Überraschung: Anna Aaron meldete sich mit dem Album „Pallas Dreams“ zurück und kang ganz anders, als man das im Vorfeld vermutet hätte: sehr elektronisch und relativ positiv. Die Singles und die dazugehörigen Musikvideos im artifiziellen Look mit feministischer Attitüde lassen auf eine tief greifende persönliche und  künstlerische Entwicklung schließen.


Anna Meredith

Anna Meredith ist eine britische Musikerinund Komponistin, die am 12. Januar 1978 in London geboren wurde und mit ihrer Familie zwei Jahre später in die Nähe von Edinburgh an der schottischen Ostküste zog. An der Universität von York studierte sie Musikwissenschaften und bekam 2008 von der BBC den Auftrag Musik für „Last Night Of The Proms“ zu komponieren. Für ihre Arbeit als klassische Musikerin und Komponistin erhielt Anna Meredith mehrere Preise.

2016 veröffentlichte Anna Meredith nach einigen EPs „Varmints“, ihre erste LP mit elektronischer Musik auf dem Label Moshi Moshi. Das Album wurde mit dem „Scottish Album Of The Year“-Preis ausgezeichnet und war in den Jahrescharts von unter anderem Pitchfork und The Wire vertreten.

2018 schrieb Anna Meredith den Soundtrack zu dem Film „Eighth Grade“ des US-amerikanischen Regisseurs Bo Burnham. Ihr zweites Studioalbum „Fibs“ (2019) führt die Musik ihres Debüts nahtlos weiter, öffnet sich dabei aber stärker dem Pop.

 


Anna St. Louis

Anna St. Louis ist eine amerikanische Folk-Musikerin. Sie wuchs in Kansas City im Bundesstaat Missouri auf und lebt mittlerweile in Los Angeles. Bevor St. Louis sich auf den Folk fokussierte, spielte sie in Kansas City in den DIY-Punkbands Bloodbirds, Hairy Belafonte, Torben und Crap Corps.

Mit ihrem Umzug nach Los Angeles widmete sich Anna St. Louis vornehmlich dem Folk. Dort begann die vormalige Bassistin Gitarre zu spielen und Songs zu schreiben - auch weil sie in der neuen Umgebung zunächst nur wenige Freunde hatte. Nach einem Album mit Demosongs und einer EP, erschien 2018 ihr Debütalbum „If Only There Was A River“. Produziert wurde das Album u. a. von Kyle Thomas von der Band King Tuff und Kevin Morby.  

Die Songs von Anna St. Louis basieren auf ihrem warmen Gesang und Gitarrenspiel. Ergänzt wird die Musik von klassischen Folkelementen wie Slideguitar und Violine.


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