Die Türen – „Exoterik“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Exoterik“ von Die Türen

Die Türen – „Exoterik“ (Staatsakt)

Sonnige Surfrockgitarren für den Welthundetag und ausufernde Spacerock-Jams für den lieben Gott – die Türen sind zurück und scheinen für alles gerüstet zu sein. Die wandelbare Haus- und Hofband des Berliner Labels Staatsakt hat sich für ihren neuen Streich „Exoterik“ besonders ins Zeug gelegt und einen 19 Titel umfassenden Rundumschlag aus den ekstatischen Leibern gejammt.

Den ersten Hinweis auf die neue Krautigkeit gab bereits die im November veröffentlichte Single „Miete Strom Gas“, die sich mit stoischem Mantra den an für sich recht uninspirierenden Nebenkosten widmet. Und plötzlich klingt das zwischen druckvollem Drumming, oszillierenden Synths und knarzigen Gitarren nach catchy Hausverwaltungshymne.

Sloganhafter Diskurspop und Psych-Dub-Monster

Irgendwas Unaussprechliches hat sich da während der Aufnahmen im Gasthof zur Eisenbahn im brandenburgischen Ringenwalde zwischen Maurice Summen, Ramin Bijan, Gunther Osburg, Andreas Spechtl und Chris Imler ereignet. Das gleichnamige Instrumental „Gasthof zur Eisenbahn“ lässt mit seinen Ambientflächen, verhallten Percussions und sanft-sägenden Synths auch nur unvollständig auf etwas Mystisches schließen. „Information“ hingegen evoziert erst mal Heiterkeit: pluckernde Synths, funkig-klirrende Gitarren, ein ansteckender Groove und Roboterstimmen. Wenn da nicht über allem der bedrohliche Slogan „Information ist der Unterschied / Der soziale Unterschiede macht“ thronen würde. Der fasst enorm griffig die Machtverhältnisse im Informationszeitalter und Web 4.0 zusammen. Ob die Jagd nach dem Datengold nun anzufechten ist oder nicht, lassen Die Türen in dem pulsierenden Stück offen.

Generell brauchen Die Türen auf „Exoterik“ oft nicht mehr als Ein- bis Zweizeiler, um den Zeitgeist zu bannen oder Stimmungen zu transportieren. Sie haben ihren textlastigen Diskurspop zugunsten ausufernder Stücke, auf den Slogan reduziert. Pate dafür steht unter anderem „Keine Angst“, ein kraut-hypnotisches Mantra, das im letzten Drittel kurz in Schieflage gerät, um aus der Furchtlos-Trance zu erwachen. Das dreiteilige Psych-Dub-Monster „Exoterik“ verzichtet in seiner Gesamtlaufzeit von circa 20 Minuten bis auf die Zeile „Lass uns Rasen mähen“ und sphärischem Falsett komplett auf Gesang.

„Exoterik“ ist der Versuch, das esoterische Erlebnis der Albumaufnahme – mit oder ohne Räucherstäbchen – äußerlich zugänglich und erlebbar zu machen. Letztlich ist dieses herrlich größenwahnsinnige Album nur ein weiteres behelfsmäßiges Zeichensystem im Spannungsfeld von Psychedelic, Kraut, Dub und Post-Punk, das sich der großen Herausforderung stellt – wie die Band so schön sagt – der Netto-Erfahrung der Aufnahme so viel Brutto des Erlebten wie nur möglich mitzugeben. Und weil Die Türen das in einer äußerst abwechslungsreichen und einnehmenden Weise machen, ist das ein sehr guter Deal.

Veröffentlichung: 25. Januar 2019
Label: Staatsakt

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