Jane Weaver – „Flock“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Flock“ von Jane Weaver, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Jane Weaver – „Flock“ (Fire Records)

Wenn ein*e Künstler*in nach fast 30 Jahren im Business behauptet, das Album geschaffen zu haben, das sie oder er „schon immer machen“ wollte, dann sollte man zuhören. Genau das sagt Jane Weaver über ihr neuestes Werk „Flock“. Die 1972 in Liverpool geborene Musikerin startete ihre Karriere in den 90er-Jahren, als Teil der Band Kill Laura. Am Ende des Jahrzehnts war die Gruppe aufgelöst – und Weaver startete eine bis heute andauernde Solokarriere. Alleine ließ sie den Britpop ihrer ersten Band zurück, um elektronischere, psychedelischere Pfade zu erkunden. Auf LPs wie „The Silver Globe“ oder „Modern Kosmology“ spielte sie abenteuerlustigen Synth-Pop, mit einem Bein in der Disco, mit dem anderen im Krautrock (speziell für letztere Kategorie erfolgte 2017 der Ritterschlag in Form einer Zusammenarbeit mit Malcom Mooney, Originalsänger der Kraut-Pioniere Can).

Funkelnde Avantgarde, verknoteter Pop

„Flock“ wirkt nicht wie die durch Weavers eingangs zitiertes Statement implizierte radikale Neuerfindung. Stattdessen scheint ihr achtes Soloalbum wie eine Zelebrierung von all dem, was ihre Musik besonders macht. „Heartlow“ eröffnet das Album mit motorisiertem Post-Rock aus der Stereolab-Schule, verziert mit dem wunderbar unaufgeregtem Gesang, den Weaver seit ihrem ersten Solo-Outing „Like An Aspen Leaf“ perfektioniert hat. „The Revolution Of Super Visions“ ist mit seinen schmierigen Fuzz-Gitarren und seinem jede Mikrosekunde auskostendem Groove nicht nur der Song mit dem meisten Funk, sondern auch einer der eingängigsten.

Den Pop kontrastiert Weaver wie immer mit Avantgarde-Exkursionen, wie die formlos funkelnde Ambient-Meditation „Flux“ oder die mit Synthesizer-Chaos und dissonanten Chor-Harmonien flirtende Kraut-Expedition „Modern Reputation“. Die besten Momente dieses Albums sind die, in denen diese beiden Pole – Pop und Experiment – nahtlos ineinander verschmelzen. Im Titeltrack kreisen polyphon verstrickte Flöten im eine himmlische Hookline. „Pyramid Schemes“ ist eine unheilige Allianz von Chickenscratch-Gitarren und geisterhaft verhalltem Gesang. Funk, der wirkt, als wäre er in den Katakomben einer Kathedrale aufgenommen. Der pulsierende Elektro-Pop des Abschlusssongs „Solarised“ mündet in abstrakte New-Age-Synths. An diesen Schnittstellen zwischen Eingängigkeit und Avantgarde strahlte Weavers Musik schon immer am stärksten – und noch nie so sehr wie auf diesem Album.

Veröffentlichung: 5. März2021
Label: Fire Records

Bild mit Text: Förderverein „Freunde von ByteFM“

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