Lassie Singers – „Die Lassie Singers helfen Dir“ (Album der Woche)

Bild des Albumcovers von „Die Lassie Singers helfen Dir“ von Lassie Singers, das unser ByteFM Album der Woche ist.

Lassie Singers – „Die Lassie Singers helfen Dir“ (Columbia)

Da zum Jahresende traditionell wenig neue Musik veröffentlicht wird, nutzen wir die Chance, den Blick nach hinten zu richten: Statt neuer Langspieler stellen wir wegweisende Alben vor, die 2021 ein Jubiläum gefeiert haben. In dieser Woche ist es „Die Lassie Singers helfen Dir“, das in diesem Jahr 30 Jahre alt geworden ist.

Eine kurze Auflistung von all dem, was Christiane Rösinger, Almuth Klotz und Kathrin von Witzleben nicht sind – oder auf jeden Fall nicht waren: Sie sind keine Teenies. Keine Oldies. Sie sind keine Groupies, nicht bei der Navy und Acid-Babies sind sie auch nicht. Keine Models und auch keine Trottel. Sie sind weder Jane noch Wilma Feuerstein. Und auch zu „Bambi“ sagen sie nein. Was wollen sie denn sein? Das beantworten sie im „Lassie Song“, dem zentralen Stück des Debütalbums ihrer gemeinsamen Band: „Ich will ein Lassie Singer sein!“

Die in diesem Absatz angerissene textliche Schrägheit reicht noch nicht aus, um die wunderbare Seltsamkeit von „Die Lassie Singers helfen Dir“ einzufangen. Dazu muss man noch mindestens wissen, dass oben genannte Auflistung über die Akkorde und die Melodie vom Radio-Gassenhauer „Joker“ der Steve Miller Band erklingt. Und dass nur wenige Sekunden vor dem „Lassie Song“ Rösinger, Klotz und Witzleben noch einen Einstürzende-Neubauten-Song in einen schunkeligen Schlager verwandelt haben. Und dann hat man noch gar nicht über die Originalkompositionen auf diesem Album gesprochen.

Kompromisslos selbstbewusst

Doch gehen wir ein paar Jahre zurück: Klotz und Rösinger gründeten die Lassie Singers im Jahr 1988 im damaligen West-Berlin. Anfangs war Funny von Dannen noch Bandmitglied, der sich kurze Zeit später als humoristischer Liedermacher selbstständig machte (wobei zwei Lieder aus seiner Feder trotzdem auf „Die Lassie Singers helfen Dir“ zu hören sind). Schnell gesellten sich weitere Mitstreiter*innen dazu, wie Witzleben, Gitarrist Herman Hermann und Schlagzeuger Heiner Weiß. Parallel dazu brachte sich im Norden die Hamburger Schule in Stellung. Doch während die hanseatischen Kolleg*innen in klassischen (und größtenteils männlichen) Bandformationen arbeiteten, gestalten die Lassie Singers ihre Lieder als dreistimmige Frauenchöre, getragen von rumpeligen Gitarren-Pop-Instrumentals.

Im Gegensatz zur weit verbreiteten Melancholie auf den Hamburger-Schule-Aufnahmen herrscht auf „Die Lassie Singers helfen Dir“ eine andere Grundstimmung: Trotz. Ob im lakonischen Abgesang an einen Exfreund im musikalisch an den Jangle-Pop der frühen R.E.M. erinnernden Opener „Mein Freund hat mit mir Schluss gemacht“ oder im Spießerfantasien einreißenden Mersey-Beat-Schunkler „Warum nette Mädchen niemals glücklich werden“. Und im Trotz finden die Lassie Singers – neben wunderschönen Pop-Momenten – auch viel Komik. Allein das macht „Die Lassie Singers helfen Dir“ besonders: Es ist ein wirklich witziges Pop-Album – und wie oft gibt es so etwas schon?

Der Trotz kulminiert in „Wir wollen gar nicht besser sein“, in dem sie ihre Außenwirkung schonungslos reflektieren. „Nach dem Konzert sind die Manager still / Keine Firma, die uns haben will / Die einen sagen: ‚Ihr müsst noch viel üben’ / Die anderen sagen: ‚Ihr macht kein Vergnügen‘“, singen sie da. Dass mit dieser eigenwilligen Musik nicht viel Geld zu machen ist, ahnten die Lassie Singers also. Nach drei ebenso großartigen wie kommerziell nur mäßig erfolgreichen LPs und zahlreichen Personalwechseln lösten sie sich 1998 auf. Da diese Welt nicht gerecht ist, wurden sie nie reich. Aber das war vermutlich auch nie das Ziel dieser Band, die keine Kompromisse einging. Und so konterten sie die Kritik der Musikbusiness-Entscheidungsträger*innen im typischen Lassie-Singers-Style: „Wir wollen nämlich gar nicht besser sein / Hauptsache wir können immer schrein’ / So sind wir und so bleiben wir / Und wenn’s Euch nicht passt, was wollt Ihr hier?“

Veröffentlichung: 1991
Label: Columbia

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Mathias Roy
    Dez 20, 2021 Reply

    Danke für den Blick zurück! Ich habe sie damals im Konzert gesehen und das war so richtig klasse! Für mich ein sehr wichtiges Album mit wunderbaren Liedern, die mir so manches Mal durchs Leben geholfen haben – und nicht nur mir!

  2. posted by
    Matthes
    Dez 21, 2021 Reply

    Am 01.Januar gehen wir zur Roesinger /Sargnagel-Gala! Die Lassie Singers helfen mir nämlich immer noch…

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