Little Simz – „Grey Area“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Grey Area“ von Little Simz

Little Simz – „Grey Area“ (Age 101)

„Me again / Allow me to pick up where I left off“. Das sind die elf Worte, mit denen Simbi Ajikawo alias Little Simz ihr drittes Album „Grey Area“ eröffnet. Auch wenn man noch nie zuvor auch nur einen Ton der Londoner Rapperin gehört hat, sollten diese Wörter allein klarmachen, dass hier etwas Großes folgen wird. Begleitet wird dieser lyrische Dampfhammer von einer knurrenden Bassline und Querflöten, die wie auf Krawall gebürstete Schlangen aus den Boxen zischen. „I‘m Picasso with the pen“, rappt sie wenige Sekunden später in ihrem messerscharfen Flow. Little Simz ist zurück – und sie ist hungrig.

In den drei Jahren, die seit ihrem letzten Album „Stillness In Wonderland“ ins Land gezogen sind, ist Ajikawos Karriere nahezu explodiert. Genre-Giganten wie Kendrick Lamar und Dizzee Rascal nannten sie eine der größten neuen HoffnungsträgerInnen des HipHop. Damon Albarns Gorillaz featureten sie auf ihrer „Humanz“-Tour. Doch wie es der faustische Pakt mit dem Rampenlicht so will, kommt mit dem Karriere-Boost auch neuer, ungeahnter Druck. Ajikawo war eigentlich immer eine Künstlerin, um die es nie lange still war: In ihrer verhältnismäßig kurzen Karriere veröffentlichte die 25-Jährige bereits zwei LPs, vier Mixtapes und sieben EPs. Doch der stressige Tour-Alltag zwang sie zu ihrer ersten wirklichen kreativen Pause.

Die triumphale Rückkehr der Simbi Ajikawo

Wer Zweifel daran hegte, ob Ajikawos lang erwartetes drittes Album dem Hype gerecht werden könnte, wurde bereits im vergangenen Jahr eines Besseren belehrt. Die ersten Singles von „Grey Area“ waren ein spektakuläres Showcase für ihre Durchschlagskraft – so spektakulär, dass drei dieser Singles nun auch direkt das Album eröffnen. Nach dem muskulösen Start „Offence“ folgt das nicht weniger mächtige „Boss“, in dem Simz schnell klar macht, wie sie mit den großen Erwartungen umgeht: „Hype shit never hype bitch / Know now that you‘re dealing with a crisis“. Nach diesen beiden musikalischen Kraftbeweisen folgt die smoothe Neunzig-Grad-Wendung „Selfish“, in dem Gast-Musikerin Cleo Sol die anschmiegsame Hook singt.

Umso beeindruckender, dass „Grey Area“ nach diesem Start von null auf hundert nicht die Puste ausgeht. Auch wenn sie die eigene Depression analysiert („Pressure“), Traumata mit institutionellem Rassismus reflektiert („101 FM“) oder im Duett mit Michael Kiwanuka zu früh verstorbenen Ikonen Jimi Hendrix und Amy Winehouse Tribut zollt („Flowers“) – Simz hält das Energielevel stets auf einem schwindelerregend hohen Niveau. Dieses Album ist mehr als nur eine Rückkehr – es ist ein Triumph.

Veröffentlichung: 1. März 2019
Label: Age 101

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