Mark Lanegan & Duke Garwood – „With Animals“ (Album der Woche)

Mark Lanegan & Duke Garwood – „With Animals“ (Album der Woche)

Mark Lanegan & Duke Garwood – „With Animals“ (Heavenly Recordings)

Auf „Silence Yourself“, dem Debütalbum der britischen Band Savages, gibt es einen Moment, der die Platte von „sehr gut“ zu „fantastisch“ aufwertet. Nach zehn sehr aggressiven Post-Punk-Nummern wechselt die Band im letzten Song „Marshall Dear“ in eine melancholische Noir-Stimmung. Zum Ende dieser tiefschwarzen Ballade ertönt plötzlich ein Bassklarinetten-Solo, dessen wunderschöner und zugleich tieftrauriger Klang nach knapp 40 Minuten Gitarren-Noise wie ein Balsam für die Seele wirkt. Ein reinigender Abschluss eines brutalen Albums. Der Mensch hinter diesem Solo heißt Duke Garwood, der sich für „With Animals“ wieder mit dem kooperationsfreudigen Mark Lanegan zusammengetan hat.

Auch Mark Lanegans Stimme kann wie ein Balsam wirken – allerdings mehr wie eines, mit dem man einen frisch Verstorbenen einreiben würde. Immer wenn der US-amerikanische Musiker, dessen Karriere als Frontmann der Grunge-Pioniere Screaming Trees begann, singt, schwingt ein Hauch von Apokalypse und Tod durch den Raum. Mit seinem Organ vereint er die biblische Gravitas eines Leonard Cohen mit dem teuflischen Geheul eines Tom Waits.

Was passiert, wenn diese beiden Künstler aufeinandertreffen, konnte man bereits im Jahr 2013 auf ihrem gemeinsamen Album „Black Pudding“ beobachten. Damals schuf Garwood, der bei diesem Duo für die Instrumentals verantwortlich war und ist, staubige Bastard-Songs aus Delta-Blues und Folk-Rock, über die Lanegan seine Weltuntergangspoesie ausbreiten konnte. „With Animals“, ihre nun erscheinende, zweite Zusammenarbeit auf Albumlänge, ist ein ganz anderes Biest geworden.

Downtempo-Apokalypse

„Save Me“ eröffnet die Platte mit einer pulsierenden, elektronischen Bass-Drum. Nach und nach gesellen sich wabernde Mellotron-Sounds hinzu, die mal dissonant, mal harmonisch um den Beat kreisen. Und über allem schwebt Lanegans Gesang: „Come on nightime children / Sing your own harmony“, singt er, teils flüsternd, teils flehend. Auch in den anderen Songs von „With Animals“ sind die Gitarren in die zweite Reihe gerückt, stattdessen dominieren schleppende Donwtempo-Beats und atmosphärische Orgel-Klangflächen. Das einzige, was unverändert klingt, ist Lanegans unverkennbare Stimme. In Songs wie „My Shadow Life“ oder „Scarlett“ klingt das fast so, als würden Boards Of Canada Nick Cave remixen.

Auch wenn Garwood und Lanegan in manchen Songs wieder den alten Blues auspacken („Desert Song“, „Ghost Stories“), klingt er minimalistischer und düsterer als vorher. „Die Platte ist organisch gewachsen“, sagt Garwood über den Entstehungsprozess dieses Albums. „Wir sind nur die Gärtner der akustischen Gefühle.“ Dem Sound dieses Albums nach scheint dieser Garten kein besonders hoffnungsvoller Ort zu sein. Seinem faszinierendem Sog kann man sich jedoch beim Hören dieser Platte kaum entziehen.

Veröffentlichung: 24. August 2018
Label: Heavenly Recordings

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Diskussionen

2 Kommentare
  1. posted by
    Mark Lanegan & Duke Garwood – „With Animals“ (Album der Woche) | News
    Aug 22, 2018 Reply

    […] Mark Lanegan & Duke Garwood – „With Animals“ (Album der Woche) […]

  2. posted by
    Jack Steam
    Nov 18, 2019 Reply

    Blues is not dead – it just souns different today

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