Olden Yolk – „Living Theatre“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Living Theatre“ von Olden Yolk

Olden Yolk – „Living Theatre“ (Trouble In Mind)

Ein Sitar-Drone schwebt im Raum, dazu verhallte Klavier-Akkorde. Man scheint fast schon Räucherstäbchen zu schnuppern, als das meditative Klanggebilde innerhalb der ersten Zeilen von Shane Butler in sich zusammenbricht: „I saw police there / I saw bodies there.“ Denn anstatt von transzendentalen Erfahrungen bei der Meditation zu handeln, thematisiert der Opener des neuen Olden-Yolk-Albums „240 D“ Polizeigewalt. Und was es mit einem macht, wenn man diese Form des Machtmissbrauchs einmal beobachtet oder wahrgenommen hat. Irgendwie dämmert es der HörerIn: Das hier ist alles weniger sonnig als es zunächst klingt.

Diese Erkenntnis geht auch mit der Entstehungsgeschichte von „Living Theatre“, Olden Yolks Zweitlingswerk, Hand in Hand. Zwar war auch das 2018 erschienene, selbstbetitelte Debüt der Psych-Folk Gruppe aus New York kein Happy-Hippie-Blumenkranzflechten – aber dennoch schimmerte eine aufmunternde Wärme durch die Songs des Kreativduos Caity Shaffer und Shane Butler. Nach einem Jahr auf Tour, ohne festen Wohnsitz setzten sich die beiden einen strikten Plan: Innerhalb von drei Monaten sollte ihr zweites Album entstehen. Im Sommer, in einem Raum ohne Fenster, geschützt vor Ablenkung und Sonnenlicht. Die noble Blässe als Songwriting-Motor. Kurz bevor die Band ins Studio ging, starb Butlers Vater. Wer jetzt eine Platte im Stile von The Cures „Disintegration“ erwartet, steht aber trotzdem unter dem falschen Sonnenschirm. Dennoch hat das Verbunkern etwas mit der Musik von Olden Yolk gemacht.

Happy-Hippie-Blumenkranzflechten & Halbschatten-Folk

Aus der ursprünglichen Nachbarschaft zu Butlers Hauptband Quilt und anderen, eher sonnigen Folk-Rock Bands à la Kevin Morby, Woods, Allah-Las und Konsorten ist ein Faible für Nachtschattengewächse wie The Velvet Underground geworden. „Violent Days“ bietet sich da als Hörbeispiel an: Der Track beginnt zunächst mit wellenartigen Synth-Flächen, wird dann aber durch eine klirrende Gitarre in eine melancholisch-düstere Stimmung getrieben. Dazu Lyrics von Butler, die von Monotonie und Einsamkeit künden während im Hintergrund ein Saxofon gegen die Wehmut anschreit. Das spukige Instrumental „Meadowlands“ passt mit seinen zitternden Gitarren ebenfalls zu den bis dato unbekannten, gedämpfteren Facetten im Sound von Olden Yolk.

Doch die guten, alten Folk-Rock-Gassenhauer können sich Shaffer und Butler immer noch aus den Hemdsärmeln schütteln. „Cotton And Cane“ überzeugt mit treibendem Refrain, gelungenem Harmoniegesang und Storytelling. „Grand Palais“ beginnt trotz kratziger Gitarren und tanzendem Bass erst gemächlich, um dann im Refrain zu einer Ode an die Neugier und Entschleunigung aufzubrechen. Shaffer trumpft auf ihrem Solo-Stück „Distant Episode“ auf. Mit großer Sanftheit manövriert sie ihre Stimme zwischen Geigen, Cello und hallgetränkten Fender Rhodes durch den Track. Und da zeigt sich die Stärke von „Living Theatre“: Olden Yolk verstehen es, persönliche Tragödien und melancholische Stimmungen in Songs zu pflanzen, die auch ohne Sonnenplatz Trost und Restwärme spenden können. Richtige Halbschattengewächse eben.

Veröffentlichung: 17. Mai 2019
Label: Trouble In Mind

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