Pink Shabab – „Ema By The Sea“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Ema By The Sea“ von Pink Shabab

Pink Shabab – „Ema By The Sea“ (Karaoke Kalk)

Liest man beim Plattenstöbern auf einem LP-Rücken den Namen Joseph Carvells, dann sollte man sich auf etwas gefasst machen. Der Brite gilt als einer der vielbeschäftigsten Bassisten der avantgardistischen Pop-Musik, der mit seinem Instrument bereits Platten von abenteuerlichen ExzentrikerInnen wie Little Annie, Laetitia Sadier oder Baby Dee veredelte. Auch der hektische Indie-Pop seiner Hauptband Batch ist alles andere als konventionell, konstant gegen die Hookline schwimmend.

Doch Carvell führt ein heimliches Doppelleben. Nachts, in der Sicherheit seines Schlafzimmers, produziert er nämlich anschmiegsamen Retro-Pop. Der Deckname: Pink Shabab. Die Mission, die er auf seinem Debütalbum „Ema By The Sea“ antritt: Mit seinem Bass selbst die größten MelancholikerInnen auf die Tanzfläche zu ziehen.

Avantgardist auf Abwegen

Dem grellen Neon-Pink des Album-Artworks entsprechend bedient sich Carvell auf „Ema By The Sea“ ausgiebig an der Sound-Ästhetik der 80er-Jahre. „If Only I Could Hold You One More Time“ entführt einen gleich zu Beginn der LP in die New-Wave-Plastik-Disco, während die schimmernden Synthesizer in „Tried To Tell You“ sich nahtlos in den „Miami-Vice“-Soundtrack einfügen könnten. Carvell zelebriert hier jedoch keine aufgeblasene Nostalgie-Party. Stattdessen serviert er die Retromanie mit fast schon vornehmer Zurückhaltung. Alles glitzert geschmackvoll, aber nicht aufdringlich, vom Drumcomputer bis zur Querflöte.

Das Einzige, was nicht vornehm und zurückhaltend klingt: die Grooves. Carvell schüttelt allerlei schelmische Bass-Lines aus seinem Viersaiter. Immer wenn die Synthesizer in verträumte Melancholie abschweifen, zieht einen das Low-End wieder auf den Boden. „Last Of The Boys“ ist unverschämt tanzbarer Robo-Funk, irgendwo zwischen „Another One Bites The Dust“ und John Maus. Die Ein-Ton-Bass-Line in „Tried To Tell You“ lässt den Puls direkt höher schießen. Wenn dann noch in „Let Me Explain“ die Cowbell loslegt, dann macht das einfach nur Spaß.

Veröffentlichung: 29. November 2019
Label: Karaoke Kalk

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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