Terence Etc. – „Vortex“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Vortex“ von Terence Etc., das unser ByteFM Album der Woche ist.

Terence Etc. – „Vortex“ (Brainfeeder)

Es gibt auf diesem Planeten so einige Künstler*innen, deren Skillset fast schon unfair anmutet. Die in mehr als nur einer Disziplin dominieren. Menschen wie Donald Glover, der im gleichen Atemzug unter seinem Künstlernamen Childish Gambino ein audiovisuelles Meisterwerk wie „This Is America“ veröffentlichen und als Showrunner und Hauptdarsteller mit „Atlanta“ eine der besten Fernsehserien der Gegenwart kreieren kann. Oder Daveed Diggs, der mit seiner Band Clipping. Synapsen sprengenden Noise-Rap fabriziert und parallel dazu auf dem Broadway als Darsteller im Erfolgsmusical „Hamilton“ Tony-Awards einheimst.

Oder eben Terence Nance. Der in Texas geborene Künstler erregte zuerst 2012 als Regisseur Aufmerksamkeit, mit seinem Spielfilm „An Oversimplification Of Her Beauty“, der auf dem renommierten Sundance Filmfestival seine Premiere feierte. 2018 folgte die preisgekrönte Serie „Random Acts Of Flyness“, bei der Nance Regie führte und auch diverse Hauptrollen spielte. Letztere ist bis dato sein Meisterstück, zu gleichen Teilen eine Sketch-Show und ein collagenartiger Fiebertraum über den alltäglichen Horror des afroamerikanischen Lebens in den USA (ein beispielhafter Sketch zeigt eine Werbung für den fiktiven Service „Rent a white witness“, mit dem von der Polizei bedrohte Afroamerikaner*innen einen weißen Zeugen mieten können). Neben diesen Werken arbeitet Nance als Musikvideo-Regisseur für Acts wie Earl Sweatshirt. Und dann ist er natürlich zu allem Überfluss auch noch Musiker.

Multidisziplinäre Dominanz

Und nicht einfach irgendein Musiker, sondern ein extrem guter – wie „Vortex“, sein unter dem Künstlernamen Terence Etc. veröffentlichtes Debütalbum, demonstriert. Nances Film- und Fernseharbeiten zeigen einen Künstler, der in alle Richtungen gleichzeitig denkt. Und genauso verhält es sich mit seiner Musik. „Vortex“ beginnt mit einem Afrobeat und R&B fusionierenden Titeltrack, mit Zeilen wie diesen: „Had a dream and in it / Used our mouths for smiling / Had the bodies speaking.“ Die Körperlichkeit im Text findet sich in der experimentellen Tanzwütigkeit des Albums wieder: Songs wie „In Contemplation Of Clair’s Scent“ oder „Dragon“ erinnern mit ihren stetig zwischen Jazz, Electronica und HipHop mutierenden Fundamenten an die Tracks von Nances Labelchef Flying Lotus – nur mit etwas mehr Afrobeat-Vibes. Fast schon folkige Balladen wie „I Miss Things I Never Had“ komplettieren das Stil-Schleudertrauma. Alles auf „Vortex“ bewegt sich, alles tanzt. Das ist bewundernswert – und auch ein bisschen unfair.

Veröffentlichung: 19. August 2022
Label: Brainfeeder

Bild mit Text: „Ja ich will Radiokultur unterstützen“ / „Freunde von ByteFM“

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