08.11.: Vom Futter der Angst

Heute in der Presseschau: Angst in all ihren angstmachenden Facetten. Angst vor der Apokalypse, Angst vor der Pleite, Angst vor der Einsamkeit, Angst vor der Angst. Nicht das schönste Thema für so einen Novembermontagmorgen, aber da müssen wir jetzt durch!

Den Anfang macht Mr. Brian Eno, auf Grund seines neuen Albums „Small Craft On A Milk Sea“ derzeit ein viel gefragter Mann. Im Interview mit der SZ gibt er sich jedoch zunächst wortkarg; wichtige Themen werden eingegrenzt, indem die unwichtigen ausgegrenzt werden: „Sie wollen nicht dazu befragt werden, wie Sie einer der bedeutendsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte wurden?“ – „Nein“. „Auch nicht über Roxy Music, zu deren Urbesetzung Sie gehörten?“ – „Nein“. „Nicht über Ambient-Musik, die Ihnen ihren Namen verdankt?“ – „Nein“. Nein Nein Nein. Soviel Neins am Beginn eines Interviews, das macht Mut. Schießlich kommt das Gespräch doch noch in Fahrt: Um die Zukunft soll es gehen, und um die fatalen Auswirkungen von Angst: „Die Angst füttert sich sozusagen selbst. Indem man an die Apokalypse glaubt, macht man sie wahrscheinlicher – weil man sich entsprechend verhält.“

Ach ja, die Apokalypse. Kommt sie eines Tages, nutzt einem auch das ganze Geld nicht mehr, das man tag seines Lebens angehäuft hat. „Was kostet die Welt“ heißt passenderweise der neue und zweite Roman von Nagel, mit dem er gerade auf Lesereise durch Deutschland tourt, und in dem die Sorge um das liebe Geld, bzw. was fängt man damit an, eine nicht unwesentliche Rolle spielt.
In einer „ganz komischen Art von Armut und Reichtum zusammen“ habe Nagel jahrelang selbst gelebt, wie er im Interview mit jetzt.de erzählt. „Ich hab in einer Band gespielt und habe in tollen Hotels gewohnt, man hat mir applaudiert. Und ich wusste gleichzeitig nicht, wie ich die Miete für die nächsten drei Monate zahlen sollte“. Trotzdem besitzt er eine Gelassenheit bezüglich der Angst um die finanzielle Sicherheit. Und findet das ganz gut so.

Auch er hat kürzlich ein neues Album veröffentlicht: Ray Davies von den Kinks. Im Gegensatz zu Brian Eno redet er ganz gerne über die Vergangenheit, z.B. wie er mit Alex Chilton im Duett gesungen oder mit seinem Bruder Dave den Heavy Metal erfunden hat. Und auch er macht sich Sorgen: „Wissen Sie, was mir tatsächlich Angst macht? Der Mensch, der in den Achtzigern erfunden wurde, der vor dem Computer sitzt, vor einem Ausschnitt dieser Welt, die auf dem Bildschirm abgebildet wird. Der einsamste Mensch der Welt“.
Das komplette Interview findet sich auf Welt Online.

Angst war auch ein wesentliches Thema in der Kunst von Christoph Schlingensief. Am Wochenende gab es auf der Berliner Volksbühne eine Gedenkfeier für den verstorbenen Künstler. U.a. berichten die Welt und die taz.

Sorgen darf man sich derzeit auch um Lily Allen. Nachdem die Sängerin in der letzten Woche eine Fehlgeburt erlitten hatte, wurde sie am Wochenende mit einer Blutvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert, berichtet der NME. Sie befinde sich aber schon wieder auf dem Weg der Besserung – zumindest was das physische Befinden angeht.

Zum Schluss noch eine Nachricht, die keine Angst und Sorge, sondern eher Freude verbreitet: Pulp werden im nächsten Jahr einige Festivals in Urbesetzung spielen, berichtet ebenfalls der NME. Allerdings sind die eher im europäischen Ausland angesiedelt. Und wer an dieser Stelle die Ergebnisse der MTV Europe Music Awards vermisst, den verweisen wir gerne zur bunten Bildergalerie von Spiegel Online.

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