Altbekanntes von Film School


Liegt es am eigenen Alter, dieses Gefühl, dass es in der Musik nicht wirklich etwas grundlegend Neues mehr gibt? Schließlich ist die Berechtigung zur Teilnahme an Kaffeefahrten für „Senioren ab Fünfzig“ schon in wenigen Jahren erreicht. Die Querverweise und Referenzen häufen sich, statt Erneuerung heißt das Zauberwort jetzt Konsolidierung.
Da passt die Musik von Film School wunderbar in die Zeit, denn die Band um Greg Bertens aus San Francisco versteht etwas von Referenzen. Schlichen sich beim Hören ihres selbstbetitelten Albums aus dem Jahr 2006 unweigerlich The Cure in den Sinn, so ließ sich beim Nachfolger „Hideout“ eine musikalische Nähe zum Shoegaze und/oder My Bloody Valentine nicht leugnen.

Zwar ist in der Pressemitteilung zu dem dieser Tage erschienenen vierten Album „Fission“ zu lesen, dass Film School sich nunmehr auf neue Territorien begeben (Pressemitteilung eben…), tatsächlich bewegt die Band sich im Raum-Zeit-Kontinuum des Shoegaze jedoch nur ein kleines Stückchen voran, ca. „the scene that celebrates itself“ (Lush et al.), falls das noch irgendjemandem etwas sagt. Bei aller Anlehnung an schon bekannte Sounds können Film School dennoch für sich in Anspruch nehmen, dass ihre eigenen vier Alben sich nicht allzu ähnlich sind. Dies mag in den ersten Jahren Folge einer gewissen Fluktuation im Line-Up der 1998 gegründeten Band gewesen sein, deren einzige Konstante Sänger und Gitarrist Greg Bertens war. Aber auch insoweit scheint sich ein Konsolidierungsprozess vollzogen zu haben, denn auf „Fission“ geht nun dasselbe Quintett zu Werke wie auf „Hideout“ – neben Bertens also Lorelei Plotczyk (Bass/Gesang), Dave Dupuis (Gitarre), Jason Ruck (Keyboards) und James Smith (Drums).

Diese Stabilität mag Film School die Gelegenheit gegeben haben, die Leichtigkeit des Seins zu entdecken. Denn auch wenn sich hier und da vereinzelt Anklänge an Joy Division oder The Jesus And Mary Chain finden mögen, wirkt „Fission“ im Ton spürbar zurückhaltender und freundlicher als sein Vorgänger. In jedem der zwölf Songs gibt es schöne, eingängige Melodien, und zudem entpuppt es sich als Vorteil, dass Lorelei Plotczyk nun deutlich stärker am (harmonischen) Gesang beteiligt ist. So gesehen ist der Titel des Albums, „Fission“ – also Spaltung, fast ein Witz, denn so homogen wie hier haben Film School auf keinem der vorherigen Alben geklungen.

Sehr Hörer-freundlich ist das angenehm gleichbleibende Niveau der Songs (es gibt also keine Veranlassung zum „Skippen“), aber falls Anspiel-Tipps vonnöten sind, sollen „When I’m Yours“, „Time To Listen“, „Waited“, „Meet Around 10“ und „Nothing’s Mine“ hier ruhig ausdrücklich erwähnt werden. In Letzterem singt Lorelei Plotczyk zwar „Everything’s fine cause nothing’s mine“, aber ganz so arg ist es nun auch nicht. Zwar revolutionieren Film School die Musikwelt auch dieses Mal wieder nicht, dafür erweisen sie sich auf „Fission“ erneut als sympathische Bewahrer des Guten, und das ist wertvoller als mancher ach so innovative Act, den man dann doch ganz schnell wieder vergisst.

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    Sep 8, 2010 Reply

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