"Entweder. Oder." – das MS Dockville Kunstcamp

http://msdockville.de/
Antje Sauer | MS Dockville

Ab dem 26. Juli 2012 findet auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg im Rahmen des „MS Dockville Sommer für Musik und Kunst“ das öffentliche Kunstcamp statt. Im Vorlauf des Musikfestivals wohnen Künstler unterschiedlicher Disziplinen aus ganz Europa wie in einem Dorf zusammen und entwickeln gemeinsam Kunstarbeiten zum diesjährigen Metathema „Entweder. Oder.“ In Form von Workshops, Gesprächsrunden, Konzerten auf Open-Air-Bühnen und Performances werden die daraus entstandenen Arbeiten der Öffentlichkeit präsentiert. „Entweder. Oder.“ – der MS-Dockville-Sommer lebt von seinen unterschiedlichen Kategorien, die in diesem Jahr auf den Kopf gestellt werden. Ein Beitrag von Vanessa Wohlrath

 

Reiherstieg Hauptdeich – ein weites Brachgelände an der Elbe in Wilhelmsburg, Hamburg. Darauf zu finden: ein großes altes Laborgebäude und – ein Haufen Künstler!

Für das Kunstcamp, das im Vorlauf und auch während des alljährlichen MS Dockville Festivals stattfindet, ziehen zahlreiche Kreative und Laien auf das Festival-Gelände und wohnen für einige Wochen zusammen. Eine Grenzerfahrung, in der Kunstvermittlung eine besondere Rolle nimmt.

Dorothee Halbrock: Beim Kunstcamp steht vor allem bildende und auch perfomative Kunst im Vordergrund. Es gibt zum Beispiel partizipative Projekte, wo man Stahlkonstruktionen mit aufbauen kann, Klang mit den Installationen machen kann. Es gibt Workshops, Gespräche, etc. Es ist aber nicht so, dass jeder hinkommt und sich einen Pinsel nimmt und mitmalt.

Dorothee Halbrock gehört zur künstlerischen Leitung des MS Dockville Kunstcamps. Sie hatte die Idee, gemeinsam mit anderen Festival-Initiatoren einen Ort zu schaffen, an dem Künstler und auch Nicht-Professionelle aus aller Welt zusammen leben und arbeiten können – mit Erfolg! Seit 2010 findet das Kunstcamp offiziell im Rahmen des MS Dockville Sommer für Musik und Kunst statt – ein Prozess, der auf Open-Air-Austellungen und -Bühnen gefeiert wird.

Besonders eindrucksvoll ist der Vogelball, ein bunter Maskenball mit Verkleidungs- und Schminkmöglichkeiten und besonderen Rauminstallationen, die das Vogelthema aufgreifen.

Dorothee Halbrock: Es war so eine Grundtendenz oder eine Grundidee, dass man mal eine Veranstaltung macht, wo man besonders queere Künstler auch supportet und da finde ich das Vogelthema ein sehr schönes, da es sehr extrovertiert einerseits ist, andererseits auch der Vogel mit seiner polymorphen Sexualität auch als Sinnbild dafür steht. Andererseits finde ich diese Maskerade eine schöne Idee. Und wir hatten letztes Jahr das Thema „Flaum – ein Festivalraum“. Da hatten wir natürlich durch den haptischen Aspekt auch noch mal darauf hingearbeitet.

Neben Rauminstallationen zum Spielen, Fliegen und Verkriechen, bietet der Vogelball auch Nester für Lesestoff und Musik. Justus Köhncke, der Disko-DJ und Grenzgänger aus Köln, ist dieses Mal live auf dem Vogelball zu erleben.

Durch Maskerade Grenzen verschwinden lassen – das ist eine der Hauptintentionen des Vogelballs. In diesem Jahr wird dieses Vorhaben zum Thema des MS-Dockville-Sommers. „Entweder. Oder.“ lautet das Konzept, das Kategorien verwirrt und vermischt:

Dorothee Halbrock: Einerseits, vom Metakonzept her, ist es ja quasi schon ein Entweder/Oder, wenn man sagt, Künstler und Publikum vermischen sich, Positionen werden unklar. Wir haben eine kritische Kunstvermittlung, die das auch stärkt. Andererseits gibt es dann Kunstprojekte, die das umsetzen. Zum Beispiel Installationen, die man durch Perspektivenwechsel, also durch unterschiedliche Positionen im Raum, anders wahrnehmen kann. Es gibt die Bearbeitung vom Grenzthema im Sinne von Grenzen in der EU zum Beispiel. Wir haben genderübergreifende Performance etc.

An seine Grenzen geht das Kunstcamp auch selbst, wenn seine Kunstinstallationen und -projekte schließlich während des Musikfestivals auf die Festivalbesucher treffen.

Dorothee Halbrock: Es ist ganz spannend, auch Publikum zu erreichen, das überhaupt nicht auf so etwas vorbereitet sind. Da gibt es ganz tolle Irritationen und auch Interaktionen, die man so nicht erwartet. Andererseits ist es eben das Problem, dass der Fokus auf den Bühnen liegt und man merkt, dass Leute oft daran vorbeiziehen, ohne es zu bemerken.

Gemeinsam Kunst produzieren und leben – das ist Aufgabe und Ziel des MS Dockville Kunstcamps. Wenn Musikschaffende auf Künstler treffen, dann wird Kunst greif- und erlebbar. Für Dorothee Halbrock ist dieses Erlebnis mehr als ein kreativer Spielplatz:

Dorothee Halbrock: Jedes Jahr – ich mache es jetzt im sechsten Jahr – und es ist jedes Jaher wieder total spannend und neu. Ich erlebe ganz viele Menschen, die über die Jahre immer wieder kommen und die ich immer nur im Sommer sehe und bei denen ich echt extreme Veränderungen mitbekomme. Die sich auch in ihrer persönlichen Laufbahn sehr verändern mit dem Kunstcamp. Und das bekommen wir eigentlich auch immer als Feedback, dass es ein sehr kommunikativer und inspirierender Ort ist.

Das MS Dockville Kunstcamp und Musikfestival wird präsentiert von ByteFM:

Kunstcamp (öffentlich) – Donnerstag, 26.07. bis Sonntag, 05.08.2012
Musikfestival – Freitag, 10.08. bis Sonntag, 12.08.2012

Weitere Informationen zum MS Dockville Sommer für Musik und Kunst finden sich unter msdockville.de.

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