Fionn Regan – "The Shadow Of An Empire"

Other TruthFionn Regan – „The Shadow Of An Empire“
VÖ: 19.02.2010
Web: www.myspace.com/fionnregan
Label: Cooperative Music
Kaufen: ”iTunes"

„And now for something completely different.“ Dieser, aus den Episoden von Monty Python’s Flying Circus berühmte Satz, verband das „Hinterher“ mit dem „Vorher“ insbesondere dann, wenn diese beiden eigentlich nichts miteinander verband. Im Falle des irischen Musikers Fionn Regan ist das „Vorher“ sein in 2006 erschienenes Debüt-Album „The End Of History“ – ruhig erzählte Balladen, mit akustischer Gitarre und sanfter Stimme dargebracht. „The End Of History“ hat die letzten dreieinhalb Jahre sehr gut überstanden, klingt beim aktuellen Hördurchgang fast noch besser und überzeugender als seinerzeit bei Veröffentlichung.

Kommen wir jetzt zu etwas völlig anderem. „I have a violent demeanour“ singt Fionn Regan, und man mag es in Kenntnis von „The End Of History“ kaum glauben – „I have a violent demeanour. So tie me to a chair ‚til it’s out of my system, ‚til it’s out of my system.“ Vielleicht hat sich etwas aufgestaut, vielleicht musste es tatsächlich ‚mal heraus. Fionn Regan hat jedenfalls den Stöpsel eingestöpselt, nicht nur seine Gitarre elektrifiziert, sondern irgendwie auch seine Stimme, denn die Sanftheit ist einer leichten Aggressivität und Dringlichkeit gewichen.

„The Shadow Of An Empire“ heißt das „Hinterher“ im Falle Fionn Regans, und zweite Alben gelten ja allgemeinhin als etwas schwierig. Die Schwierigkeiten bestanden für den 28-jährigen Iren aber hauptsächlich darin, dass die amerikanische Plattenfirma Lost Highway Records mit den Aufnahmen zu diesem Album nicht zufrieden war. Es wurde „angeregt“, Regan solle doch etwas aufnehmen, das geeigneter sei für den Markt, in dem Lost Highway Records operiere. Man trennte sich, doch der Ire musste auf die bereits gemachten Aufnahmen verzichten.

Fionn Regan begann von vorn und nahm das Album – diesmal ohne Beeinflussung von außen – mehr oder weniger unter Live-Bedingungen auf. Das nun auf dem englischen Label Heavenly Recordings veröffentlichte Ergebnis wirkt daher ziemlich unmittelbar. Regan paart seinen Folk mit einer Art Rockabilly, aber „Folkabilly“ wird trotzdem nicht daraus. Dies könnten gewöhnliche Rocksongs sein, die Songwriter-Qualitäten des Iren machen jedoch mehr daraus, verpassen den Songs Haken und Ösen. Da stört dann selbst die klischeehafte, dylan’esque Mundharmonika in „Little Nancy“ nicht weiter, weil der Song selbst gar nicht klischeehaft, sondern eher nachdenklich wirkt – und bei Anklängen an Bob Dylan oder gar Johnny Cash fragt man sich, welches Problem Lost Highway Records eigentlich hatte.

Vielleicht liegt es daran, dass „The Shadow Of An Empire“ eben nur vordergründig rockig ist; Regans nachdenklicher Folk ist unterschwellig vorhanden und tritt auf manchen Songs, insbesondere aber auf „Lines Written In Winter“ dann doch offen zutage. Und vielleicht sind es die Texte, die hier und da durchaus persönlich, häufig aber auch ironisch und sarkastisch sind. „You talk to Jesus in a photo booth. He wants your bank details, date of birth, confess the truth.“, heißt es beispielsweise in „Violent Demeanour“.

Man mag bedauern, dass es hier kein „Snowy Atlas Mountains“ oder „Noah (Ghost In A Sheet)“ gibt, aber dafür bekommt man eben „Violent Demeanour“, „Coat Hook“ oder auch „Lord Help My Poor Soul“. Die beiden Alben „The End Of History“ und „The Shadow Of An Empire“ nehmen einander nichts weg. Sie können mit all ihren Qualitäten wunderbar nebeneinander existieren, denn trotz aller Unterschiedlichkeit tragen beide Fionn Regans eindeutige Handschrift. Und so entpuppt sich „The Shadow Of An Empire“ in dieser Form als unerwartetes Vergnügen. Das schwierige zweite Album? Für Fionn Regan offenbar doch kein so großes Problem. „And now…“

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    Die Schule der Zuversicht : ByteFM Magazin
    Feb 23, 2010 Reply

    […] Der Guardian bespricht derweil Fionn Regan und sein neues Album “The Shadow Of An Empire”, das auch im ByteFM Magazin von Hermann Nanno Becker rezensiert wurde. […]

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