Georg Kreisler gestorben

(Wikimedia Commons)

Mit Georg Kreisler verliert die Welt einen gnadenlos-bissigen Satiriker, der sich als bekennender Anarchist Zeit seines Lebens kritisch zu Missständen in Gesellschaft oder auch im Kulturbetrieb äußerte. Er hinterlässt ein umfassendes Werk, das beinahe unüberschaubar erscheint. Über 1000 Lieder soll er geschrieben haben, dazu kommen zahlreiche Bücher, Theaterstücke, Opern und Musicals. Nur seine Biografie schrieb er nicht selbst, sondern überließ es den Hamburger Journalisten Hans-Juergen Fink und Michael Seuffert – natürlich mit seiner Mitarbeit – sein Leben zu dokumentieren. Dieses Leben war ähnlich ereignisreich wie sein Werk und lässt sich natürlich nicht von seinem Schaffen trennen. Kreisler war ein im geographischen Sinne Heimatloser. Er bezeichnete die Kunst als sein Zuhause. Das hängt natürlich mit seiner Lebensgeschichte zusammen.

1922 in Wien geboren, musste er aufgrund seiner jüdischen Abstammung nach dem „Anschluss“ Österreichs im Jahre 1938 in die USA emigrieren. Bis 1955 blieb er dort und war während des zweiten Weltkriegs auch als Soldat der amerikanischen Armee in Europa stationiert. Gemeinsam mit Marcel Prawy unterhielt er damals die anderen Soldaten mit Klavierstücken. In den USA traf er nach Kriegsende auch Charlie Chaplin, der zwar generell seine Filmmusik selbst komponierte, aber keine Noten schreiben konnte. So hat Chaplin angeblich die Melodien zu seinem Film Monsieur Verdoux Kreisler vorgepfiffen, die jener dann auf Notenpapier niedergeschrieben hat. Als er mit seinen überaus kritischen Liedern in den USA auf Unverständnis und Misserfolg stieß, ging er zurück nach Wien, wo er sich zuerst dem „Namenslosen Ensemble“ rund um Helmut Qualtinger und Gerhard Bronner anschloss. Deren Kabarett war ihm allerdings zu angepasst und nicht aggressiv genug, weshalb es ihn bald weiter nach München zog. In der Folge lebte u.a. in Berlin, Basel und Salzburg.

In den letzten Jahren distanzierte er sich zusehends von seinen frühen Werken als Chansonier, der mit seinen satirischen Liedern auf dem Klavier die Leute zum Lachen brachte. Er wendete sich vermehrt ernsthafteren Genres zu, wollte vermutlich nicht mehr auf die Rolle des Lustigen reduziert werden, fühlte sich deswegen lange Zeit auch verkannt. Dafür sprechen auch die Auszeichnungen, die ihm erst sehr spät zu Teil wurden. Bis zuletzt war er übrigens US-amerikanischer Staatsbürger, weil die österreichische Republik nie auf die Idee kam, ihm die Staatsbürgerschaft zurückzugeben. Was ihm bis zu seinem Tod blieb, war eine Grundhaltung, die sich durch sein Gesamtschaffen zieht: eine fortwährende, unversöhnlich-kritische Auseinandersetzung mit dem, was er mit Missfallen beobachtete. Er selbst sagte mal: „Man schreibt ja böse Lieder, damit man etwas ändert – damit es sich zum Guten kehrt.“

Georg Kreisler verstarb am Dienstag, den 22. November, im Alter von 89 Jahren in Salzburg. Im ByteFM Magazin erinnert Ruben Jonas Schnell an sein musikalisches Schaffen.

http://www.youtube.com/watch?v=aT928WUh5QU

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