Klangpionier Klaus Schulze ist tot

Foto des deutschen Musikers und Produzenten Klaus Schulze, der im Alter von 74 Jahren gestorben ist.

Er prägte mit seinen Produktionen die elektronische Musik, nun ist er 74-jährig gestorben: Klaus Schulze (Foto: Island Records)

Der deutsche Musiker, Komponist und Pionier der elektronischen Musik Klaus Schulze ist tot. Dies gaben sein Label SPV und sein Sohn Maximilian Schulze bekannt. Demnach starb er 74-jährig zwar nach langer Krankheit, für sein Umfeld dennoch überraschend. Der auch als „Godfather Of Techno“ bezeichnete Musiker war Mitbegründer der sogenannten Berliner Schule und gilt als einer der Wegbereiter elektronischer Musik überhaupt.

Der am 4. August 1947 in Berlin geborene Schulze spielte Ende der 60er-Jahre Schlagzeug bei Tangerine Dream. Er gründete dann wenig später zusammen mit Manuel Göttsching und Hartmut Enke die Band Ash Ra Tempel. Alsbald wandte er sich aber eigenen Kompositionen zu, wohl unter anderem deshalb, weil er von der ausufernden Diskussionskultur innerhalb seiner Bands genervt war, die ihn vom eigentlichen Spielen abhielt. Seine erste Solo-Veröffentlichung war die 1972 erschienene LP „Irrlicht“. Ein bemerkenswertes Debüt, auf dem er Orgelklänge und verfremdete Orchester-Aufnahmen zu einem mystischen Proto-Ambient-Sound verband.

Umtriebige Solo- und Produzentenkarriere

Nach ersten Erfolgen als Solo-Musiker gründete er 1978 mit dem Musik-Journalisten Michael Haentjes das Label Innovative Communication. Bei IC fungierte er als Produzent und brachte Platten von Ideal, Peter Seiler, DIN A Testbild und vielen anderen heraus. Immer wieder komponierte Schulze auch Filmmusik, wie für den 1977er Pornofilm „Body Lust“ oder den 1984 erschienenen Psychothriller „Angst“.

Zeit seines Lebens veröffentlichte Schulze Dutzende Soloalben, darunter mit „Dig It“ (1980) das erste vollständig digital produzierte Album überhaupt. Einige, für den Mainstream etwas zugänglichere Veröffentlichungen erfolgten unter dem Namen Richard Wahnfried, eine Anspielung auf den Komponisten Richard Wagner, den Schulze zu seinen wichtigsten Einflüssen zählte. Mitte der 80er-Jahre adaptierte er vermehrt neue musikalische Produktionsmittel und -techniken wie digitales Sampling und MIDI. Auf seinem 1976 erschienenen Album „Moondawn“ arbeitete er erstmals mit einem Moog-Synthesizer. Sein komplexes, modulares System nutzte Schulze noch bis Mitte der Nullerjahre. Es wechselte auf einer Auktionsplattform im Internet den Besitzer.

„Wir waren schockiert und traurig über die Nachricht von Klaus Schulzes plötzlichem Tod“, so SPV-Chef Frank Uhle. Schulze sei „einer der einflussreichsten und wichtigsten Komponisten der elektronischen Musik“ gewesen. „Seine stets fröhliche Natur, sein innovativer Geist und sein beeindruckendes Gesamtwerk bleiben unauslöschlich in unseren Erinnerungen verwurzelt.“

Schulze hatte offenbar bis zuletzt noch an Projekten gearbeitet, stand aber zuletzt 2010 in Japan als Musiker auf der Bühne. Für Juni 2022 war eine neue Platte mit dem Titel „Deus Arrakis“ angekündigt, eine Anspielung auf den Wüstenplaneten im Science-Fiction-Roman „Dune“ von Frank Herbert.

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