Kniefall vor dem Publikum – Rainbow Arabia in Hamburg

Es war kalt an diesem Dienstagabend in Hamburg. Dabei hatte der Frühling doch gerade erst begonnen … Aber so ist der April eben – ein ständiger Wechsel aus Wärme, Kälte, Sonne, Wolken und Regen. Ein solch schmuddeliger Abend wäre Grund genug gewesen, die heimische Stube nicht zu verlassen. Für diejenigen, die das Rainbow-Arabia-Konzert am 12.04. in einer ganz anderen Stube, nämlich der Hamburger Astra-Stube besucht haben, hat es sich aber doch gelohnt, aus dem Haus zu gehen.

Dabei ging es zunächst eher verhalten los. Nachdem das Publikum lange auf die Band gewartet hatte, währenddessen aber sehr gut von dem auflegenden DJ unterhalten wurde, betraten Tiffany und Danny Preston, ein gemeinsam unter dem Namen Rainbow Arabia musizierendes Ehepaar aus Los Angeles, gegen halb elf die Bühne und legten ohne viel zu sagen los. Danny stellte sich hinter seine Keyboards und Synthesizer und startete sein elektronisches Rhythmusgerüst, das den gespielten Stücken Rainbow Arabias als Basis diente. Tiffany spielte dazu auf ihrer – passend zum im Bandnamen enthaltenen Regenbogen – mit kleinen bunten Konfettischnipseln beklebten Gitarre oder auf einer Melodica, schüttelte Schellenkränze oder pfiff in eine Pfeife. Heraus kam der mit Einflüssen aus dem arabischen, afrikanischen und karibischen Raum kombinierte Dance-Pop, der uns im Februar schon so sehr begeisterte, dass wir das aktuelle Rainbow-Arabia-Album „Boys And Diamonds“ zu unserem Album der Woche machten. Doch zu Beginn des Auftritts war das nichts Spannendes, nichts Besonderes und nur mäßig packend.

Dem Publikum gefiel es dennoch. Von Anfang an war eine sehr positive Stimmung in dem kleinen, überschaubaren, aber gut gefüllten Club zu spüren, die sich von den Zuschauern auch sofort auf die Band übertrug. Sängerin Tiffany gab bereits nach dem ersten Lied die Aussage „You are so lovely“ von sich, die im weiteren Verlauf in verschiedenen Variationen noch oft wiederholt werden sollte. Im Gegensatz zu sonst oft halbherzig gemeinten Sympathiebekundungen der Musiker gegenüber dem Publikum kamen diese Äußerungen aber von Anfang an authentisch rüber, was nicht nur die im Zuschauerraum anwesenden Personen „lovely“ erschienen lies, sondern – spätestens nach drei gespielten Liedern – auch die Band.

Vielleicht haben Rainbow Arabia die Gabe, ihre Konzerte dramaturgisch perfekt zu gestalten, vielleicht war es auch nur ein Effekt des einen speziellen Abends, jedenfalls hat sich das Konzert von Song zu Song zu einem letztlich sehr guten, intensiven Erlebnis entwickelt. Tiffany hatte sichtlich ihren Spaß, sprang wild auf der Bühne herum, sang inbrünstig ins Mikro und lag zwischenzeitlich sogar auf dem Bühnenboden. Rainbow Arabias Dance-Pop wurde von Stück zu Stück einnehmender, was nicht zuletzt an der Präsenz der Sängerin lag. Eine Trennung zwischen Publikum und Band war irgendwann nicht mehr zu spüren. Sonst verehrt das Publikum ja oft die Band, in diesem Fall beruhte das auf Gegenseitigkeit, die Band verehrte auch ihre Zuhörer. Die Krönung ereignete sich gegen Ende des Sets, als Tiffany ihrer Verehrung des Publikums freien Lauf lies, sich unter selbiges mischte, zwischen den Personen tanzte und schließlich vor den Leuten auf die Knie fiel.

Als der letzte Ton verklungen war, konnte man kaum glauben, dass das Ganze nach den anfänglichen Zweifeln doch schon vorbei war. Es hätte gut gepasst, hätte das Ehepaar Preston den Schlusspunkt gesetzt, indem es einfach keine Zugabe spielte, da das Aufhören auf dem Höhepunkt ja das Schönste ist, doch gegen den begeisterten Applaus war nichts zu machen. Tiffany und Danny betraten die kleine Bühne noch ein zweites Mal und zeigten, dass sie den ohnehin schon gelungenen Abschluss sogar noch überbieten konnten. Sie vermittelten dem Publikum, dass sie leider keine Lieder mehr haben, die sie spielen könnten, sorgten aber gleich darauf für Versöhnung, indem sie eine Improvisation begannen. Tiffany gab ihren Schellenkranz und ihre Pfeife an die Besucher in der ersten Reihe weiter, Danny sagte: „Let’s see what my casio says.“ Und das Casio war positiv gestimmt und gab tolle Töne von sich. Doch auch diese Töne waren jäh wieder verflogen und so entließen Rainbow Arabia ihre Zuhörer mit dem Gefühl in die Nacht, dass das Konzert doch etwas zu schnell vorüber ging.

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