LeRoy – „Bambadea“ (Rezension)

Cover des Albums Bambadea von LeRoyLeRoy – „Bambadea“ (Schamoni Musik)

Veröffentlichung: 2. Dezember 2016
Web: LeRoy auf Facebook
Label: Schamoni Musik

6,0

Erst „Skläsh“, dann „Bambadea“ – Leo Hopfinger alias LeRoy findet seine Albumtitel nicht im Duden, er schafft sie sich selber. Und so entstehen lautmalerische Neologismen, die das Gefühl und den Klang von LeRoys Alben aufsaugen und transportieren. Diese Sog-Bewegung geht aber in zwei Richtungen, denn die Stücke auf „Bambadea“ setzen sich aus Klangfetzen zusammen, die nicht nur der Gegenwart entspringen.

Hört man den 34 Minuten Soundscape zu, die LeRoy auf seinem zweiten Album geschaffen hat, gewinnt man den Eindruck, dass man in ein und demselben Moment Signale von ganz unterschiedlichen Frequenzen aufnimmt. „Bambadea“ anzuhören ist wie vor einem dieser alten, so eleganten wie monströsen Radios zu sitzen und mit dem Regler auf allen Wellen von links nach rechts und wieder nach links zu schieben. Sehr treffend das Wort „Klangsurfer“, mit dem LeRoy im Pressetext umschrieben wird. Seinen Songs wohnt Nostalgie inne – sie werden heimgesucht vom Klang des Vergangenen.

So verweben sich auf „Bambadea“ Fetzen von Downbeat, psychedelischem Pop, balearischem House und Trip-Hop. Slide-Gitarre trift Bolero-Beat, Kinderstimmen treffen gecroonte Hooklines. Das passiert in „Happened From The Void“, der meditativ zwischen völliger Gelöstheit und Melancholie hin- und hergleitet. Dass sich Modem-Klänge, gespenstisch schweifende Synths und Melodien, die von der Südsee künden, ganz wunderbar zu einem Fernweh evozierenden Track verschmelzen lassen, zeigt „Coral Girl“.

Schade ist nur, dass LeRoy bei seiner eklektischen Klangakrobatik kurzweilig bleibt. Prägnanz in allen Ehren, aber die meisten Songs auf „Bambadea“ verweilen ein bisschen zu sehr im Skizzenhaften – sie wirken, wie es dem Erinnern auch eigen ist, sehr verklärt und verhangen.

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