M.I.A. – "Maya"

VÖ: 09.07.2010
Web: http://www.myspace.com/mia
Label: Xl/Beggars

Schon im Vorfeld der Veröffentlichung von M.I.As drittem Album, das nach ihrem Rufnamen „Maya“ benannt ist, sorgte die britisch-tamilische Künstlerin mehrfach für medialen Wirbel. Erst kürzlich mit ihren Verschwörungstheorien zu Social Networks wie Facebook und Myspace. Und natürlich mit dem Schockervideo zur Single „Born Free“, das von Youtube entfernt wurde und genau dadurch noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zog. Als hätte sie dies genauso geplant, verdecken auf dem Albumcover die Balken von Youtube Playern M.I.A.s Gesicht. Alles Teil einer großangelegten Promokampagne? Der erste Track des neuen Albums schließt thematisch jedenfalls gleich daran an. „iPhone connected to the internet connected to the government“ heißt es darin.

Die Kritik an der Überwachung im Netz wird auf dem restlichen Album aber nicht konsequent weitergeführt. Kämpferisch präsentiert sich M.I.A nach wie vor.

Insgesamt hat sich an ihrem Sprech-Sing-Sang wenig verändert. Einfache Melodien, die an Kinderabzählreime erinnern, leicht verständliche Texte mit eindeutigen Statements. Einzig, dass ihre Gesangsparts mittels Vocoder verzerrt wurden ist neu.

Viel interessanter als M.I.As Stimme ist aber deren musikalische Untermalung. Zahlreiche Samples lassen Bilder im Kopf des Zuhörers entstehen. Da gibt es Motorsägengeräusche und unheimliche Kinderstimmen („Steppin Up“), klirrende Eiswürfel(„Teqkilla“), Flugzeuge und verfremdete indische Gesänge („Story To Be Told“), Gospel-Loops („Tell Me Why“) sowie heulende Sirenen („Space“).

Dazu wummern fette Beats, die sich Synthesizer Sounds verzahnen. „Maya“ ist weniger HipHop-lastig als die Vorgängeralben „Arular“ und „Kala“. Eine Unmenge an Stilen wird hier bunt zusammengemischt, sogar einen Reggae-Track findet man auf dem Album:
„It Takes A Muscle”, nach der Vorlage des holländischen One-Hit-Wonder namens Spectral Display.

Die Stromgitarren von „Born Free“ hat Iggor Cavalera von Sepultura beigesteuert, zitiert aus dem Song „Ghost Rider“ von der Synthpunk-Band Suicide von 1977. Bei all den starken Nummern verwundert nur, warum ausgerechnet „XXXO“ als nächste Singleauskopplung auswählt wurde. Einer der schwächsten Songs des Albums, aber vermutlich auch einer der massenkompatibelsten. Mit getunter Stimme singt M.I.A. „You want me to be somebody who I‘m really not“. Vielleicht darf man das als Kommentar für diese kommerzielle Anbiederung verstehen.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 15 und 17 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Den Anfang macht am Montag Oliver Stangl. Die ausfürhliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten. Neuland wird am Sonntag von 16 bis 18 Uhr wiederholt.

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Diskussionen

0 Kommentare
  1. posted by
    Kreuzwortfeuer
    Jul 8, 2010 Reply

    Viva la Revolucion oder doch nicht? Kritisches zu M.I.A. und Maya:

    http://kreuzwortfeuer.wordpress.com/2010/07/08/the-music-aint-supposed-to-stand-still-xxxo/

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