Neue Platten: CSS – "Planta"

CSS - Planta (SQE)CSS – „Planta“ (SQE)

4,5

CSS – oder auch „Cansei De Ser Sexy“ – steht für „tired of being sexy“. Aha! Es heißt, der Satz stamme von Beyoncé, die der Presse mitteilen wollte, dass sie es satt habe, immer sexy sein zu müssen. Nochmals aha!

Wieso gerade dieses Zitat von der Band als Name auserkoren wurde, bleibt ungeklärt. Vielleicht wollte sie ein Zeichen setzen, denn man muss nicht dem Motto „Sex Sells“ folgen, um erfolgreich zu sein. Möglicherweise gefällt der Band aber auch einfach der Klang der portugiesischen Übersetzung. (An dieser Stelle bitte einmal laut vorlesen, das R genüßlich rollen. Klingt gut, oder?)

Cansei De Ser Sexy gibt es jedenfalls nun schon zehn Jahre. 2003 lernten sie sich über diverse Social-Media-Kanäle und Clubbesuche in São Paulo kennen. Obwohl zu diesem Zeitpunkt keiner so wirklich ein Instrument beherrschte, machten sie gemeinsam Musik und traten schon sehr bald in den Clubs von São Paulo auf. Sie entledigten sich des Drucks, erstklassige Musiker sein zu wollen und taten das, was sie wollten. Frei von starren Ansprüchen an Perfektion, machten sie sich an die Arbeit und hatten vor allem eines: Spaß. Das hört man der ersten LP „Cansei De Ser Sexy“ auch an. Die erste internationale Singleauskopplung „Let’s Make Love And Listen To Death From Above“ gefiel und setzte sich als hartnäckiger Ohrwurm fest.

Die LPs „Donkey“ (2008) und „La Liberación“ (2011) folgten und waren mehr oder weniger erfolgreich. Nach dem steilen Aufstieg durch ihr Debütalbum stellte sich eine gute Konstante ein. Die Autodidakten lieferten keine großen Überraschungen, doch sie blieben ihrem Sound treu. 2011 verließ Adriano Cintra die Band. Nach dem Verlust des Songwriters und Kopf der Band wurde es zwei Jahre still um CSS. Mit „Planta“ erscheint nun das vierte Album. Erstmals nahmen sie nicht in ihrer Heimat auf, sondern gingen für einige Zeit nach Los Angeles um dort mit Dave Sitek zu arbeiten.

Der Titel „Planta“ (dt. „Planze“) entspringt der Idee, dass, wer etwas pflanzt, nie genau weiß, was am Ende tatsächlich dabei herauskommt. Nach diesem Überraschungsprinzip funktioniert auch die LP. Die Qualität der Tracks ist sehr durchwachsen. Es sind Reggae-Vibes, aber auch mal Punkelemente zu hören – ein Versuch, CSS einen neuen Klang zu geben. Der alte, typische „Dancy-Pop-Rock“-Sound, der die Band ausmacht, bleibt nur in einigen wenigen Songs erhalten.

„Hangover“ ist ein Song mit Reggae-Anleihen, irgendwie erinnert das Ganze an Santigold oder eine softe Version von M.I.A. Bei „Girlfriend“ und „Sweet“ gibt es reichlich Bass und in den Mittelteil der Platte viele Parallelen, nur leider kein Highlight. Man merkt, es wurde experimentiert, Neues ausprobiert – man wollte überraschen. Doch leider passen die Einzelteile nicht so richtig zusammen. Wer das Album jedoch bis zum Ende durchhört, wird belohnt! Das Tamburin, die treibende Melodie und der Gesang von Lovefoxxx auf „Faith In Love“ harmonieren sehr gut.

Wer auch dem nichts abgewinnen kann, der guckt sich einfach nur das hübsche Cover an. Das ist nämlich inspiriert von einem Porträt Audrey Hepburns des Künstlers Richard Avedon.

Label: SQE | Kaufen

Das könnte Dich auch interessieren:



Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.