Neue Platten: Hanni El Khatib – „Moonlight“

Cover des Albums Moonlight von Hanni El KhatibHanni El Khatib – „Moonlight“ (Innovative Leisure)

7,4

Wenn man sich Hanni El Khatibs Website anschaut, ein Tumblr-Blog, bei dem sich der Mauszeiger in eine kleine Schlange verwandelt, bestückt mit einer Menge Retro-Fotos und Old-School-Cartoons neben den Musikvideos und Bildern der Band, kommt einem unwillkürlich das Bild von dem jungen, in San Francisco aufwachsenden Skaterboy Hanni El Khatib in den Sinn.

Heute ist ebendieser Mitbesitzer und In-House-Art-Director des in Los Angeles angesiedelten Indie-Labels Innovative Leisure, auf dem auch sein neues Album „Moonlight“ erscheint. Seine Skaterwurzeln hört man Hanni El Khatib immer noch an, und das ist auch gut so, auf „Moonlight“ zeigt sich der binationale Musiker (philippinisch/palästinensisch) aber auch offen gegenüber neuen Sounds.

„Moonlight“ startet direkt mit dem gleichnamigen Hit, in dem bereits der vielfältige Sound des Albums anklingt. Der Song wird getragen von einem coolen Laid-Back-Rhythmus, unterstrichen von dem repetitiven E-Gitarren-Thema, das im Refrain von verzerrten E-Bass-Sounds begleitet wird. In der Strophe treten dann hallende E-Piano-ähnliche Synthie-Klänge hervor, die dem Ganzen einen sphärischen Sound verleihen. Später im Song klingen die Instrumente kurz aus, um Platz zu machen für ein verzerrtes E-Gitarren-Solo in bestem Garage-Stil, im Hintergrund setzen die Instrumentals und schließlich der Gesang wieder an und Hanni El Khatib stimmt noch ein letztes Mal den Refrain an.

Nach dem grandiosen Titeltrack geht es mit „Melt Me“ weiter, einem energetischen Garage-Rock-Stück, bei dem man den Einfluss von Dan Auerbach, der das vorherige Album „Head In The Dirt“ produziert hat, immer noch mitschwingen hört. Ähnlich gestaltet sich auch der Rest des Albums, der klassische, sommerliche und Sommerhit-taugliche Garage-Rock-Sound, der das ganze Album prägt, wird zwischendurch durch den Einsatz eher rockuntypischer Elemente erweitert, wie in „Chasin’“, in dem ein Bläsersound eingesetzt wird.

Die Protagonisten in den Songs von „Moonlight“ sind rastlos, fordernd, suchend und manchmal auch melancholisch und zurückgezogen, wie in „Mexico“. Das Thema, mit der Gefahr von Verletzungen (psychisch wie physisch) zu leben, findet sich im Cover (eine Schlange, die sich um den Arm wickelt und zubeißen will, nur aufgehalten von einer bloßen Hand, die sie packt) und in vielen der elf Songs, wie zum Beispiel dem anfangs erwähnten „Moonlight“, wieder.

Der hoch emotionale letzte Song „Two Brothers“, ein Liebesbekenntnis an einen verstorbenen Bruder, der grandios instrumentiert wurde mit orchestralen Arrangements, die an die von Sébastien Tellier erinnern, zeigt dann noch einmal, wie gut Hanni El Khatib es schafft, für sich eigentlich untypische Einflüsse in seiner Musik zu verarbeiten.

Diese neuen Einflüsse hätten gerne noch mutiger und zahlreicher eingesetzt werden können. Auf „Moonlight“ hat sich Hanni El Khatib dazu entschieden, seinen Sound im sicheren Rahmen zu erweitern – eine legitime Wahl, die ihm neue Hörer einbringen wird, ohne die Fans der ersten beiden Alben zu verschrecken, die aber auch kein wirklich nennenswertes Wagnis darstellt.

Label: Innovative Leisure
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