Neue Platten: La Sera – "Sees The Light"

(Hardly Art)(Hardly Art)

8,3

Nach dem selbst betitelten Debüt vom letzten Jahr sieht der Abend nun das Licht auf dem neuen Album von La Sera, dem Nebenprojekt der Vivian-Girls-Bassistin Katy Goodman. Wird auch Zeit! Denn „Sees The Light“ kommt gerade recht nach der Zeitumstellung. Da nun die Abende länger werden und die Tage wärmer, können wir alle so einen in Albumform gepressten, warmen Wirbelwind gebrauchen, auch um die Wartezeit auf das hoffentlich nicht enttäuschende zweite Best-Coast-Album zu verkürzen.

Gleich beim ersten Track schmeichelt sich die Stimme von „Kickball“ Katy (die so dermaßen samtig ist, da sind diese roten Absperrdinger im Eingangsbereich richtig teurer Hotels nichts dagegen) in unsere Ohrmuscheln, wo sie das Trommelfell über die nächste halbe Stunde massieren wird. „U-hu-huuuuuss“ und „Ah-hah-hahahaaaaaaaasss“ im Falsett an jeder Ecke. Doch gerade als ich denke, das hier ist ein Sure Shot, aufbauend auf den Blaupausen der ersten Platte (die in erster Linie perfekt zum sommerlichen Dösen in der Hängematte war), kommt „Please Be My Third Eye“ – locker der beste neue Song, den ich dieses Jahr gehört habe. Mit polterndem E-Bass, bei dem man fast Angst bekommt, dass gleich die Saiten von der Brücke springen, schleift uns Frau Goodman durch diesen Zweieinhalbminüter, der mehr Endorphine freisetzt als es eine Tafel Milkaschokolade je könnte.

Es stört mich gar nicht, dass sich „Sees The Light“, wie zu erwarten war, sowohl den Sound als auch die Texte betreffend auf dem durch Katys Hauptband, Best Coast und Konsorten abgesteckten Terrain bewegt (im Klartext: Fuzzy-buzzy-wahzy-Gitarren, 60s-Surf-Anklänge, die bereits erwähnten Sha-la-las und Lyrics, die stellenweise wie direkt aus dem Tagebuch einer 15-Jährigen entnommen sein könnten), denn erstens finde ich das eh alles toll und zweitens gibt es auf dieser Platte neben „Please Be My Third Eye“ genug andere Perlen (z. B. die Frühe-90er-Indie-Rock-Nummer „Break My Heart“ oder „Real Boy“, das klingt, als wäre es am Strande Honululus aufgenommen worden) – diesmal auch ein paar mehr, auf denen „Kickball“ Katy ihrem Spitznamen Ehre macht, wodurch „Sees The Light“ insgesamt weniger dösig wirkt als sein Vorgänger. Keine Sorge, das hier ist dennoch kein Parforceritt, auch auf Entschleunigung versteht sich Frau Goodman immer noch sehr gut.

Bei „Sees The Light“ ist wie schon beim Debüt von La Sera zwar nicht jeder Schuss ein absoluter Volltreffer, doch ein fluffiger Soundtrack zum Eisschlecken in den nächsten Monaten ist dieses Album allemal. Dann halt dich mal ran, Bethany.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    UliE
    Jul 17, 2013 Reply

    Wunderbare Songs…super, im offenen Cabrio (Smart) in München zu fahren und die Musik zu hören 🙂

    Uli

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