Neue Platten: Otto A Totland – „Pinô“

Von Klaus von Frieling, 29. Januar 2014

Otto A Totland - Pinô (Sonic Pieces)Otto A Totland – „Pinô“ (Sonic Pieces)

8,8

Ein leises Rauschen. Dann hört man einen vorsichtigen Klavieranschlag. Nicht nur den Ton des Instruments, sondern auch den Anschlag der Saite, das Knarzen der Mechanik, das Berühren der Tasten. Im Hintergrund werkelt jemand, man hört entferntes Vogelgezwitscher und auch das Atmen des Klavierspielers. Das ist in diesem Fall nicht Nils Frahm. Allerdings ist es sein Klavier, auf dem „Pinô“ entstanden ist, in seinem Durton-Studio, aufgenommen und auch gemastert von ihm. Eingespielt und komponiert hat die 18 Miniaturen der Norweger Otto A Totland, die eine Hälfte des Duos Deaf Center. Die andere, Erik K Skodvin, betreibt u. a. das Label Miasmah, das eng mit Sonic Pieces verbunden ist, auf dem nicht nur „Pinô“ jetzt erscheint, sondern das auch vor ziemlich genau fünf Jahren mit der wunderbaren und großartigen „Wintermusik“ von eben Nils Frahm startete.

Wer die Musik Nils Frahms liebt, wird auch die Otto A Totlands mögen. Wo der Berliner allerdings aus einer betörenden Innerlichkeit immer wieder elegant in die Minimal Music driftet, sehr fingerfertig und komplex, dabei gleichzeitig unberechenbar und abwechslungsreich, und bei Bedarf auch mal heftiger werden kann, widmet sich der Norweger ganz den kleinen Geschichten. Wer Überraschungen sucht, muss woanders hingehen. Totland spielt mit seinen feinen Ideen, ja, er umspielt sie. Aber eben nie besonders lange. Es sind manchmal wie von leichter Hand hingeworfene Fragmente, aus denen sich zarte Melodien ergeben. Oder eben auch nicht, wie z. B. in „Flomé“, bei dem man sehnsüchtig auf eine Hookline wartet, die aber einfach nicht auftauchen will. So bleibt das Stück leicht befremdlich irgendwie in der Luft hängen, aber da hängt es ganz gut.

Andere Stücke sind konkreter, spannen gleich die Flügel aus und bieten ein so betörendes Bild, dass man sich wünscht, der Moment möge noch viel länger verweilen. Dazu gehört definitiv das Titelstück, aus dem andere vielleicht ein schwelgerisches Opus gemacht hätten. Totland lässt es jedoch einfach fließen und hört nach 2 Minuten und 46 Sekunden auf. Dabei hat man von der Melodie noch lange nicht genug, könnte sich eine Entwicklung in diese oder jene Richtung vorstellen, eine kleine Nuance hier, ein Abschweifen dort, und dann in einem fabelhaften Bogen zurück zum Ursprung. Aber nein. Gleiches gilt für „Ro To“, das so süß und lecker ist, das es ein Verlangen nach mehr, viel mehr auslöst. Aber auch hier ist nach knapp zweieinhalb Minuten Schluss. Oder „North Way“, das einen schon nach 2 Minuten und 14 Sekunden entsetzt zurücklässt: Das kann es doch nicht gewesen sein! Die folgenden Stücke „Julie“ und „Frost“ sind ebenso erhaben und die einzige Entschädigung für die Kürze des vorher Gehörten: Die nächste Melodie wird anders sein, aber nicht weniger schön. Und das ist kein schwacher Trost, sondern ein tolles Versprechen. Ein paar schwarzweiße Tasten, eine Idee – voilà!

Label: Sonic Pieces | Kaufen

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