Neue Platten: The Black Seeds – "Dust And Dirt"

(Proville)(Proville)

7,5

„Out Of Light“ verschlägt einem fast die Sprache. Wo ist der Reggae geblieben? Der erste Track auf dem neuen Black-Seeds-Album „Dust And Dirt“ kommt erst mal sphärisch und trippy statt groovy daher. Er verspricht frischen Wind und mehr Keyboards als man das von der neuseeländischen Band gewohnt sein mag. Aber die Black Seeds sind trotzdem ihrem Stilmix treu geblieben und verweben in ihren Liedern Reggae mit Elementen aus Funk, Soul und Dub.

Obwohl das Album mit mehr Keyboardeinsatz im Großen und Ganzen ein ganz kleines bisschen elektronischer wirkt als seine Vorgänger, der typische Reggae-Offbeat bleibt ein beständiger Begleiter auf „Dust And Dirt“. Und das auch, wenn „Loose Cartilage“ plötzlich rockiger und gitarrenlastiger daherkommt und somit für eine der stilistischen Überraschungen auf der Platte sorgt.

Vier Jahre haben sie sich nach „Solid Ground“ aus dem Jahr 2008 Zeit genommen und das merkt man: Die Grundatmosphäre auf der neuen Platte ist immer entspannt und nach Fillern sucht man vergeblich. Stattdessen zeigen sich die Black Seeds experimentier- und spielfreudig. Anders als bei den früheren Alben der Band sind die Lieder hier in enger Zusammenarbeit aller Bandmitglieder entstanden. Barnaby Weirs Gesang gliedert sich dementsprechend wie ein weiteres Instrument in das stimmige Soundgefüge der Platte ein. Im Video zur ersten Single-Auskopplung „Pippy Pip“ basteln Kinder eine bunte Pappband, die zwischen Palmen und exotischen Tieren fröhlich vor sich hin musiziert. In etwa so müssen sich die Black Seeds gefühlt haben, als sie in ihrem Studio in Wellington für „Dust And Dirt“ gejammed haben.

Die Vorfreude auf den Sommer steigt mit diesem Album auf jeden Fall gewaltig und wenn Weir im letzten Track doch noch fragt „Is this really what we’ve become now, nothing more and nothing less?”, denke ich mir: So schlimm ist das nicht.

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