Neue Platten: Trans Am – „Volume X“

Cover des Albums Volume X von Trans AmTrans Am – „Volume X“ (Thrill Jockey)

5,5

Sie waren einst Miterfinder von Postrock, diesem in den 90er-Jahren entstandenen Projekt, die alten, konservativen Strukturen von Rockmusik zu zerstören und sie mithilfe neuer Sounds zu revolutionieren. Als sie sich 1990 gründete, verschreckte die amerikanische Band Trans Am mit ihrer Mischung aus Synth Pop, New Wave und Heavy Metal womöglich noch einige Rockpuristen. Heute überrascht der Einsatz von elektronischen Samples, Synthesizern und synthetischen Drums im Kontext von Rock niemanden mehr. Und da beginnt auch die Schwierigkeit, ihrem neuen Album „Volume X“ etwas Interessantes abzugewinnen. Denn insgesamt klingen die zehn Songs wie ein zum zweiten Mal aufgebrühter Tee: leicht fad, aber zumindest mit Restgeschmack. Das volle Aroma jedoch ist nur eine Erinnerung an bessere Zeiten. Okay, ganz so schlimm ist es auch nicht.

Denn die Band bleibt ihrer Linie treu und bedient über die zehn Songs ganz unterschiedliche Stile. So wird der Powerrock von „Anthropocene“, dem ersten Stück des Albums, mit dem elektronisch-funkigen „Reevaluations“ konterkariert, auf dem ein treibender Wobblebass von funkigen Gitarren ergänzt wird. Das darauffolgende „Night Shift“ klingt dann aber wie der Soundtrack eines 80er-Jahre-Road-Movies, den zu drehen sich nicht lohnen würde. Wesentlich stärker klingt die Band, sobald sie ihre akustischen Instrumente hervorholt wie etwa auf „Failure“ mit dem knackigen Schlagzeugintro, das an Helmet erinnert. Dass das letzte Stück „Insufficiently Breathless“ mit der schönen Gitarrenmelodie, die ganz langsam von einem Synthesizerpattern erobert wird, dann der beste Song ist, lässt hoffen. Auf das nächste Album.

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