Owen Pallett – "Heartland"

Ich gebe zu, mit Computerspielen kenne ich mich nicht besonders aus. Für mich ist Final Fantasy das musikalische Projekt des Kanadiers Owen Pallett. Die gleichnamige Computerspiel-Serie mit über zwanzigjähriger Geschichte, nach der Pallett sein Projekt tatsächlich benannt hatte, war mir dagegen völlig unbekannt. Wegen dieser sah Owen Pallett sich aber nun im Einvernehmen mit deren Hersteller gezwungen, den Namen Final Fantasy nicht mehr zu verwenden. Die Pressemeldung der Plattenfirma hieß dementsprechend „Namensänderung von Final Fantasy in Owen Pallett“.

Und sonst ändert sich nix? Doch, denn zum ersten Mal hat Owen Pallett – einst vorübergehend Mitglied bei Arcade Fire und bei Picastro – für eines seiner Alben mit einem Symphonieorchester gearbeitet. Für den Violinisten (eigentlich Multi-Instrumentalisten) und studierten Komponisten, der in der Vergangenheit schon Streicher für so unterschiedliche Bands wie The Hidden Cameras, The Last Shadow Puppets oder die Pet Shop Boys arrangiert hat, ist eine solche Zusammenarbeit zwar grundsätzlich nicht neu. Auf seinen eigenen Alben („Has A Good Home“, 2005 und „He Poos Clouds“, 2006) arbeitete er bisher aber mit eher wenig Personal, und bei Live-Konzerten trat er oft gar nur mit einer Loop-Station auf.

Auf „Heartland“ kommt nun also das Tschechische Symphonieorchester ins Spiel. Zwar wohnte Owen Palletts bisherigen Alben bereits eine orchestrale Vision inne, aber ich habe den Eindruck, dass er dieser Vision durch den Einsatz eines Orchesters nun auch tatsächlich gerecht wird. Die Stücke sind laut Pallett immer noch so geschrieben, dass sie auch Solo mit Loops funktionieren sollen, aber die auf „Heartland“ erzielte Klangfülle tut den Songs gut. Dennoch geht nur wenig von der Intimität der vorherigen Veröffentlichungen verloren. „Midnight Directives“ und „Keep The Dog Quiet“ treffen gleich zu Beginn des Albums den richtigen Ton. Trotz der Möglichkeiten, die der Einsatz eines Orchesters bietet, ist Owen Pallett geschickt genug, sich nur selten zu Übertreibungen („Flare Gun“) hinreißen zu lassen. Bei der durchaus vorhandenen Melodramatik entpuppt es sich zudem als Vorteil, dass Pallett stimmlich nicht entsprechend nachlegt, sondern angenehm ungekünstelt singt.

Ohne eventuell eine falsche Fährte legen zu wollen, fühle ich mich zwar nicht unmittelbar musikalisch, aber doch von der Stimmung her ein wenig an die orchestraleren Songs auf Sufjan Stevens Album „…Illinoise“ erinnert. Ähnlich wie dort liegt zudem auch „Heartland“ ein Konzept zu Grunde. Die zwölf Songs handeln von der fiktionalen Welt Spectrum, in der sich ein Farmer namens Lewis gegen die herrschende Kaste zur Wehr setzt und seinem Schöpfer Owen (ja, tatsächlich) gegenüber tritt. Das Prinzip von Konzeptalben finde ich zwar ein wenig albern, aber wenn – wie bei „Heartland“ – die Musik im Vordergrund steht und dem Konzept nicht untergeordnet wird, ist es letztlich kein Problem.

Bei derart schönen Songs (von denen einige auch noch hübsche Titel tragen, beispielsweise „Oh Heartland, Up Yours!“ oder „Tryst With Mephistopheles“) macht es also nicht nur aus rechtlichen Gründen Sinn, dass sie unter Owen Palletts eigenem Namen veröffentlicht werden. Bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass es nicht auch noch eine Computerspiel-Serie mit diesem Namen gibt…

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