Prinzhorn Dance School – "Clay Class"

VÖ: 03.02.2012
Web: http://www.prinzhorn-dance-school.com/prinzhorn
Label: DFA Records

„Woke up, woke up! You won’t cheat the seasons!“ Kontrolliert schreien Tobin Prinz und Suzi Horn mehrmals hintereinander auf dem Track „Seed, Crop, Harvest“ im Duett ins Mikrofon und sind sich bewusst, dass alles seine Zeit braucht. Tatsächlich sind seit ihrem selbstbetitelten Debütalbum beinahe fünf Jahre vergangen. In der Zwischenzeit haben The XX mit einem ganz ähnlichen Hang zu düster-reduzierter Monotonie dem Post-Punk Gegenwärtigkeit eingehaucht. Für Prinzhorn Dance School ist jetzt auch die Zeit gekommen, die Ernte einzufahren – um an die abgewetzte Metapher von vorhin anzuschließen – und die fällt üppig aus.

„Clay Class“ begeistert vielleicht nicht beim ersten, aber beim zweiten Hinhören, weil es um die Details geht. Auch wenn die Reduktion und das ständige Wiederholen derselben Tonabfolgen zum Leitspruch ernannt werden und dadurch der Eindruck von Langeweile erweckt werden könnte: Die brüchige Schönheit der ansatzweise vorhandenen Melodien und die Bedeutungsvielfalt der assoziativen Texte entfalten sich, wenn man sich auf die Platte einlässt.

Stilistisch schließen Prinzhorn Dance School an ihr Debüt an. Das Prinzip ist denkbar einfach: Loopartiges Wiederholen einer Bassline, darüber tobt sich eine leicht verstimmte Gitarre aus, Call-and-Response Gesang und präzise formulierte kurze Phrasen vollgepackt mit Alliteration. Dazwischen immer wieder Pausen, wodurch die manchmal willkürlich aneinandergereihten, einzelnen Wörter gerade richtig zur Geltung kommen. Nicht alles ergibt Sinn, aber es entstehen Bilder, die für einen Moment vor dem inneren Auge aufblitzen. Manche davon bleiben hängen, wie das absurde „a tin of mixed fruit on a special occasion“, oder „skinny trees, naked in winter, britain in bloom“.

Die Tonart ist vielleicht nicht mehr ganz so düster wie beim Debüt und wechselt von direkt anklagend („Usurper“), über lakonisch-ironisch („Flora And Fauna…“, „Crisis Team“) zu einem fast schon fröhlichen „Happy In Bits“. Prinz und Horn sagten selbst, sie wollten auf „Clay Class“ etwas mehr „Colour“ und „Tenderness“ in ihre Songs bringen. Am besten gelungen ist ihnen das beim herzzerreißenden, bittersüßen „I Want You“, dem absoluten Highlight der Platte.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

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Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Prinzhorn“ und seiner vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm

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