Industrial-Pionier Richard H. Kirk (Cabaret Voltaire) ist tot

Foto des britischen Musikers und Industrial-Pioniers Richard H. Kirk (Cabaret Voltaire), der im Alter von 65 Jahren gestorben ist.

Ist im Alter von 65 Jahren gestorben: der britische Musiker, Komponist und Musikproduzent Richard H. Kirk (Foto: Mute Records)

Der britische Musiker, Komponist und Musikproduzent Richard H. Kirk ist tot. Als Gründungsmitglied der Gruppe Cabaret Voltaire zählte er zu den einflussreichsten Figuren des Industrial-Genres und gilt als Pionier im Bereich der elektronischen Musik. Er wurde 65 Jahre alt.

Richard Harold Kirk wurde am 21. März 1956 im britischen Sheffield geboren. Zu seinen frühen Einflüssen zählte er neben dadaistischer Kunst unter anderem Roxy Music. Der Name seiner 1973 gemeinsam mit Stephen Mallinder und Chris Watson gegründeten Band Cabaret Voltaire hat hier seinen Ursprung. Denn der war eine Hommage an das gleichnamige Theater in Zürich, das als Wiege des Dadaismus gilt. Jener künstlerischen Bewegung, die sich gern parodistisch und ablehnend auf konventionelle Kunst bezog und sich revoltierend gegen bestehende Werte und Strukturen wandte.

Avantgardistisches Treiben

Der Ansatz der Gruppe hatte entsprechend stark explorativen Charakter und war zunächst gar nicht auf das Schreiben von Songs ausgerichtet. Vielmehr stand das experimentelle Erkunden von (elektronischen) Klangwelten und Geräuschen in Verbindung mit Theater im Vordergrund. Spielereien mit Bandmaschinen, frühen Synthesizern und extremen oder irritierenden Texten.

Für die damalige Zeit war das ein unkonventionelles, avantgardistisches Treiben. Kreative Ausbrüche, die nicht jede*n zu unterhalten vermochten – weshalb das Trio bei seiner ersten Darbietung die Wut des enttäuschten Publikums auch körperlich zu spüren bekam. Es sollte noch eine Weile dauern, bis Cabaret Voltaire ihr Publikum fanden und umgekehrt. Das Aufblühen des Punk mit seiner Rohheit und später des Post-Punk mit seiner Experimentierfreude dürften dabei eine wichtige Rolle gespielt haben. So kam es, dass Cabaret Voltaire mit ihrer Musik den Grundstein für das legten, was sich unter dem Namen Industrial zu einer eigenen musikalischen Schublade verfestigen sollte.

Industrial-Pioniere

Der ungemein sperrige und schroffe Sound wandelte sich ab Ende der 70er-Jahre zunehmend zu einer etwas massenkompatibleren Musik. Richard H. Kirk prägte die ab 1978 bei Rough Trade unter Vertrag stehende Band mit fremdartig verzerrtem Gitarrenspiel und rauem Gesang. Die Gruppe teilte sich die Bühne damals häufig mit Joy Division und gilt als wichtiger Einfluss für Gruppen wie New Order, Depeche Mode oder Bauhaus.

Ab Mitte der 90er zerfiel die Band und Kirk arbeitete verstärkt an eigenen Produktionen und Kollaborationen, bei denen er gern Pseudonyme verwendete: Sandoz, Chemical Agent, Agents With False Memories, Ubermenschlich oder Wicky Wacky sind nur einige der kuriosen Namen, die sich der Musiker im Laufe der Zeit zulegte.

Kirk war es auch, der Cabaret Voltaire 2014 als Live-Band reaktivierte. Wobei er fortan das einzige ursprüngliche Mitglied der Gruppe war. 2020 erschien mit „Shadow Of Fear“ ein weiteres Album, das er unter dem Namen solo herausbrachte. Zuletzt erschienen außerdem die Cabaret-Voltaire-Platten „Dekadrone“ und „BN9Drone“ auf Mute Records. „Richard war ein überragendes kreatives Genie, das während seines ganzen Lebens und seiner musikalischen Karriere einen einzigartigen und motivierten Weg eingeschlagen hat. Wir werden ihn sehr vermissen“, heißt es von Seiten des Labels.

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