Yeasayer – „Amen & Goodbye“

Von Luise Vörkel, 29. März 2016

Cover des Albums Amen & Goodbye von YeasayerYeasayer – „Amen & Goodbye“ (Mute)

4,5

Groß war die Aufregung, die 2007 „All Hour Cymbals“ begleitete, das Debüt von Yeasayer. Besonders der Song „2080“ hatte es der damals übereifrigen, anglofonen Musikblogszene angetan. Die Band aus Brooklyn wirbelte den amerikanischen Indierock mit polyfonen Rhythmen, spirituell anmutenden Gesängen und Klanggeflechten aus Sitar und allerhand anderen Saiteninstrumenten auf. Mit dem zweiten Album „Odd Blood“ entdeckten Yeasayer dann die mitreißende Wirkung von Synthpop. Dann wurde sich ein Stück mehr Richtung Dancefloor gelehnt und mit R&B geliebäugelt – so gelang 2012 das sehr lebendige Album „Fragrant World“. Yeasayer scheint viel daran gelegen, den gleichen Stil nicht zweimal großflächig zu beackern.

Die Arbeit an „Amen & Goodbye“ zog sich über zweieinhalb Jahre hin: erst auf einer Farm in den Catskill Mountains im US-Bundesstaat New York, dann doch wieder in der Stadt, weil ein Sturm, der fürs Album aufgenommen wurde, das Studio im Haus samt vielen Aufnahmen beschädigte. Rekonstruktion war angesagt, Joey Waronker – der u. a. schon als Sessiondrummer bei Beck, Leonard Cohen und R.E.M. spielte – wurde zur Hilfe herangezogen. Die Rhythmusgruppe, aufgebaut aus digitalen und organischen Sounds, ist auch das, was auf „Amen & Goodbye“ auffällt. Zum Beispiel, wenn sie sich auf hypnotische Weise in „Divine Simulacrum“ steigert. Sich beinahe im aus mehreren Akten bestehenden „I Am Chemistry“ überschlägt. Oder beharrlich und ungerührt den poppigen Melodien von „Cold Night“ trotzt.

Der Eindruck, den „Amen & Goodbye“ aber im Großen und Ganzen hinterlässt, ist ein fader. Yeasayer sind versierte Musiker, sie wissen ihren eklektischen Geschmack in ihren Songs zu zeigen, aber beim Viertling ist die Übertragung von Kopf zu Hand nicht wirklich geglückt. Die Aufregung fehlt, Popsongs wie „Silly Me“ und „Dead Sea Scrolls“ wirken wie schablonenhafte Fortsetzungen von dem, was Bands wie Phoenix und MGMT vor circa zehn Jahren gespielt haben. Die stilbrechenden Instrumentals („Child Prodigy“, „Computer Canticle 1“) lassen aufhorchen, aber die darin zu hörende Heterogenität setzt sich auf „Amen & Goodbye“ nicht fort.

Label: Mute

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