Yukon Blonde – "Tiger Talk"

VÖ: 23.03.2012
Web: http://yukonblonde.com//
Label: Dine Alone Records

Man stelle sich vor: sich windende Flussläufe, wilde Wälder und weite Wiesenlandschaften, darin vier Männer mit Bärten in karierten Hemden, kein Haarschnitt ist kürzer als zum Kinn und ist sowieso schon mal gar kein Haarschnitt, sondern einfach so gewachsen, um beim Musikmachen vor dem Gesicht zu hängen. Diese Männer formen zusammen eine Band und nennen sich Yukon Blonde. Genau, Yukon wie der kanadische Fluss und Blonde wie, na, das ist ja eigentlich auch gar nicht so wichtig, denn aus Kanada kommen sie, wo sie auch schon relativ bekannt sind, genau wie in dessen südlichem Nachbarland. Früher hießen sie mal Alphababy, bis ihnen mitten auf einer Tour vor etwa drei Jahren auffiel, dass es sich dabei um den schrecklichsten Bandnamen aller Zeiten handelt. Seitdem veröffentlichten sie als Yukon Blonde eine EP, ein Album und noch eine EP, welche dann auch endlich mal in Deutschland vertrieben wurde. Nun erscheint ihr Album „Tiger Talk“ – und das auch hier bei uns im präriefernen Mitteleuropa.

Die vier Männer von Yukon Blonde sind genauer Brandon Scott, Graham Jones, John Jeffrey und Jeff Innes – Letzterer seines Zeichens Chef-Songwriter und irgendwie das Wiedererkennungsmerkmal der Band mit seinen langen Locken und dem dunkelblonden Bart. Er ist auch der Chef-Sänger der Vier, obwohl ihn alle Bandmitglieder gesanglich unterstützen und so die für die Band typische Chorstimmung erzeugen.

Auf dem neuen Album „Tiger Talk“ finden sich zehn stimmungsvolle Pop- oder Rock-Songs mit ebendiesen schon bekannten, vierstimmigen Refrains. Doch es hat den Anschein, dass Yukon Blonde ein bisschen aus der Natur zurückgekehrt sind, die Songs klingen nicht mehr so sehr nach In-die-Ferne-schauen, sondern konkreter, vielleicht auch etwas weniger folkig als bisher. Auch das Video zur Single „Stairway“ (siehe unten) – das übrigens sehr gut zu hören und anzusehen ist – bringt Yukon Blonde in einen optisch untypischen Raum. Wo sie sich früher besonders in den Videos als Naturburschen in den Weiten Nordamerikas stilisierten, versucht es Gitarrist Brandon jetzt als tanzender Putzmann in einer sterileren Umgebung und putzt seine Freunde weg. Man vermutet, sie hatten Spaß beim Dreh, auch wenn sie mal in der Nähe der Zivilisation geblieben sind. Ihre engen Jeans haben die Wald-Nummer eh von Anfang an als Tagesausflug entlarvt.

Sowieso haben die vier Kanadier immer Spaß an der Sache. Auf ihrer kleinen Europatournee, während derer sie im Februar auch Hamburg einen Besuch abstatteten, freuten sie sich trotz eines Pensums von vier Ländern in drei Tagen über ihr Gastspiel. Und obwohl das Konzert mit etwa 45 kopfnickenden Hamburgern alles andere als ausverkauft war, waren Yukon Blonde von der Stimmung enorm begeistert – behaupteten sie jedenfalls.

Das „Spaß-an-der-Sache-haben“ hört man den Songs von Yukon Blonde wirklich an und lässt uns für die ganz unhippiehaften Naturmenschen entflammen. „Tiger Talk“ ist ein begeisterndes, sehr schönes Pop-Rock-Album mit nicht allzu vielen Folk-Einschlägen und einigen Songs mit Ohrwurmverdacht.

Das ByteFM Album der Woche – mit freundlicher Unterstützung von Panasonic.

Jeden Tag von Montag bis Freitag spielen wir im ByteFM Magazin zwischen 10 und 12 Uhr einen Song aus unserem Album der Woche. Ebenso im ByteFM Magazin am Nachmittag von Montag bis Samstag zwischen 15 und 17 Uhr und im ByteFM Magazin am Abend, montags bis freitags ab 19 Uhr. Die ausführliche Hörprobe folgt am Freitag ab 13 Uhr in Neuland, der Sendung mit den neuen Platten.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Yukon“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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