100 Jahre John Lee Hooker

100 Jahre John Lee Hooker (Foto: Masahiro Sumori)Der legendäre Blues-Musiker John Lee Hooker bei einem Auftritt im Jahr 1997. (Foto: Masahiro Sumori)

Er schrieb hunderte Songs, obwohl er nicht lesen konnte, und transportierte mit seiner unverkennbar rauen Stimme und der Kraft seines rechten Fußes den Blues in den Mainstream: John Lee Hooker. Heute wäre der US-amerikanische Musiker 100 Jahre alt geworden.

Hooker wurde am 22. August 1917 in Tutwiler, Mississippi, als jüngstes von elf Geschwistern geboren. Da sein Vater William Hooker als Priester tätig war, wurde der junge Lohn Lee mit den Spirituals der Baptistischen Kirche sozialisiert – andere Musik war im Hause Hooker strikt verboten. Erst nachdem seine Eltern sich trennten und seine Mutter Minnie Ramsey den Musiker Will Moore heiratete, lernte John Lee den Blues kennen. Moore war es, der ihm seine erste Gitarre schenkte. Hooker sprach im Interview mit dem Magazin Living Blues (1997) in hohen Tönen über seinen Stiefvater: „Alles was ich jetzt spiele, hat Will Moore mir beigebracht“.

Doch das 3000-Seelen-Städtchen Tutwiler war zu klein für den jungen Musiker: Mit 14 Jahren brach er allen Kontakt zu seinen Eltern ab und floh nach Memphis, wo er in diversen kleinen Clubs zum ersten Mal vor Publikum auftrat. Ein Fabrik-Job für die Automobil-Firma Ford brachte Hooker in den 40er-Jahren nach Detroit. Hier nahm er 1948 eine Single namens „Boogie Chillen“ für das Label Modern Records aus Los Angeles auf. Sie sollte seine Karriere definieren: Der Song wurde zu einem die US-amerikanischen Charts toppenden Hit.

In „Boogie Chillen“ lassen sich bereits so früh in seiner Karriere alle seine typischen, musikalischen Charakteristika finden: Hookers minimalistisches, elektrisches Gitarrenspiel, sein roher, direkter Gesang und das stetige, deutlich hörbare Stampfen seines Fußes. Speziell Letzteres gab seiner Musik einen sehr organischen Sound: Seine Songs waren nicht an ein Metronom gefesselt, das Tempo wechselte stets im Einklang mit Hookers rechtem Fuß.

Der riesige Erfolg von „Boogie Chillen“ legte den Grundstein für Hookers fünf Dekaden umspannende Karriere. Seine Alben und Singles blieben dabei lange dem minimalen Sound von „Boogie Chillen“ treu – Hookers Gitarre, Fuß und Stimme, live aufgenommen in einem kleinen, hölzernem Raum. Erst in den 60er-Jahren fand er Session-Musiker, die mit seinem eigenwilligen Stil mithalten konnten. Mit Eddie Kirkland fand er einen Mitstreiter und Freund, mit dem er von 1949 bis 1962 ausgiebige Touren veranstaltete.

Ein erfolgreiches Kollaborationsalbum mit der Blues-Rock-Band Canned Heat zementierte 1971 Hookers Relevanz in der weißen Popmusik. 1980 hatte er einen Gastauftritt in John Landis’ Kultfilm „Blues Brothers“, in dem er als Straßenmusiker in Chicago einen seiner größten Hits „Boom Boom“ spielte. Es folgten gemeinsame Aufnahmen mit Van Morrison, The Rolling Stones und Carlos Santana.

Am 21. Juni 2001 starb John Lee Hooker im Schlaf im Alter von 83 Jahren – kurz vor einer ausgiebigen Europa-Tournee. Er hinterließ drei Ex-Frauen, acht Kinder und 19 Enkelkinder. Als er von Living Blues vier Jahre vor seinem Tod gefragt wurde, ob der Blues ihn glücklich machen würde, antwortete er: „Ja, die ganze Zeit. Manchmal macht er mich so glücklich, dass ich weinen muss. Das sind keine Schmerztränen – das sind Glückstränen!“

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