14.01.: Hinterm Horizont Großbritannien

An diesem Freitag kommt keiner drum herum, die Feuilletons sind so voll, wie auch gerne mal der Mann, um dessen Person sich dieses Musical rankt. Die Rede ist von „Hinterm Horizont“, das Udo-Lindenberg-Musical, das gestern in Berlin seine Premiere feierte. Für die taz hat sich keine Geringere als Christiane Rösinger unter das Zuschauervolk im Theater am Potsdamer Platz gemischt und das Stück als durchaus gelungen bewertet, das eine Liebesgeschichte im geteilten Berlin der achtziger Jahre bis zur Wiedervereinigung erzählt. Rösinger lobt darüber hinaus die Bedeutung Lindenbergs für das deutsche Liedgut und seine Songwriterqualität, und steckt ob dieser die sie mal für mal befallende Fremdscham weg, wenn der Altrocker einfach nur er selber ist. „Lindenberg säuft wenigstens, vertritt als einziger deutscher Promi keine Familienwerte und wohnt lieber im Hotel.“ Realness? Realness!

Derweil wir unsere Popdinosaurier feiern, bringen die Briten ihre Küken in Position: Der Guardian gewährt uns einen kleinen Ausblick auf die Brit Awards, als dessen bestaufgestelltester Mann Tinie Tempah zu nennen ist. Gleich in vier Kategorien nominiert, hat der Rapper Chancen auf den Award für die beste Single und bestes Album. The xx folgen mit nicht zu verachtenden drei Nominierungen, ebendfalls für das beste britische Album, bester britischer Breakthrough Act und Gruppe. Weitere Anwärter auf die wichtigste englische Musikauszeichnung sind Mumford & Sons, Plan B und, siehe da, die wiedervereinten Take That.
Hoffnungen in der Kategorie bestes internationales Album können sich Arcade Fire, die Rapper Cee Lo Green und Eminem, kings of Leon und Katy Perry machen.

Wer sich über das immer wieder viel diskutierte Verhältnis von Pop und Klassik interessiert, geschmacksfatalistisch-intellektuell gerne als U und E Musik von einander akribisch segregiert, findet in der NZZ einen zum Nachdenken anregenden Abriss über den bisherigen Verlauf dieser sich aus musikwissenschaftlicher Sicht sich immer noch dychotomisch gegenbüberstehenden Sparten. Ueli Bernays beleuchtet dieses Tête-à-tête aus Hochkultur und Massenprodukt als gewinnbringend für sowohl junge Musiker als auch die kontemporäre Poplandschaft und zeichnet den Klassikeinfluss in aktuellen Popsongs, wie bei Janelle Monae nach. Darüber hinaus verrät er uns die Internetquellen zum Nachlesen welcher Popsong denn nun Anleihen beim großen Klassikbruder genommen hat. Die Rolle des Internets als Musikarchiv auch für klassische Musik könnte die weitere Zukunft der Popmusik nachhaltig beeinflussen oder eben zu Diebstahl und Ausweidung der großen Werke führen. Wir sind gespannt.

In der taz las Franz X.A. Zipperer zwei Neuveröffentlichungen zu Frank Zappa, dem egomanem Arbeitstier, das kurz vor Weihnachten seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte. Viele Weggefährten Zappas kommen zu Wort und auch dessen internationale Rezeption wird eingehender betrachtet.

Portishead, noch sehr lebendig, zeigen sich von ihrer trotzigen Seite, meldet Spiegel online. Auf Twitter (sic!) kommunizierten die Briten ihren Fans, bei allen gängigen Gimmicks der heutigen medialen Fütterungen hungriger Fanmäuler über allmöglichen Kanäle einfach mal nicht mitmachen zu wollen. Die Idee hinter der Verweigerung? Wir vermuten schwer: Purismus, es ging mal um so etwas wie Musik.

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