16.10.: Geschlechterkampf


„Wir leben in einer Pärchendiktatur“, findet Christiane Rösinger, die schon mit den Lassie Singers „Pärchen verpisst euch/keiner vermisst euch“ gesungen hatte. Momentan arbeitet die Musikerin an einer Persiflage über Beziehungsratgeber und ärgert sich im sonntaz-Gespräch über das „Mann-Frau-Kind-Unglücksdreigestirn“ namens Ehe. Die Liebe hält sie für eine Erfindung der Männer, die neben dem Kinderkriegen das große Instrument sei, um Frauen zu unterdrücken. Rösingers neues Album „Songs of L. And Hate“ erscheint am 22. Oktober.

Über einen Geschlechterkampf ganz anderer Art berichtet der österreichische Standard. Es geht um eine Kampagne des Bierherstellers Hirter, der für die Bewerbung seiner Biersorten, ganz nach dem Motto „Sex Sells“, drei nackte Frauen ablichtete. Nach zahlreichen Beschwerden und einer Ermahnung des Weberats änderte Hirter die Plakate – und zeigte drei nackte Männer. Dieser gleichberechtigte Sexismus führte jedoch nicht zur Abkühlung der Gemüter, weshalb nun eine dritte Version des Sujets mit angezogenen Jungs die Plakatwände Österreichs ziert.

Dass die Deutschen den Österreichern in Sachen Peinlichkeit um nichts nachstehen, beweist der Deutsche Comedypreis, der gestern Abend verliehen wurde. Über die Niveaulosigkeit der Veranstaltung mokiert sich Spiegel Online und setzt das Foto einer täuschend echten Parodie vom platinblonden Busenwunder Daniela Katzenberger als Titelbild über den Artikel. Doch gerade dieser Auftritt von Martina Hill, die das Publikum minutenlang zum Narren hielt, soll einer der Lichtblicke des Abends gewesen sein. Ansonsten habe es keine großen Überraschungen gegeben, immer wieder die selben Gesichter schienen beinah ununterbrochen auf der Bühne zu stehen. Doch vor allem sei zu kritisieren, dass man kaum mehr einen Hauch von politischer Auseinandersetzung führe, im Gegensatz zu den alten Zeiten, als Comedy noch Kabarett hieß und Themen wie Stuttgart 21 oder die Integrationsdebatte zu heißem Funkenflug geführt hätten.

Ein Dauerbrenner ist dafür David Bowie. Der Paradiesvogel des Pop hat sich schon seit Jahren zurückgezogen, um mit Frau und Kind den Vorruhestand in New York zu genießen. Wer ihn vermisst, kann sich mittels diverser „Bowie Ersatzprodukte“ wie der Spiegel Online diese nennt, an sein Idol erinnern. Da wäre zum Beispiel „We Were So Turned On: A Tribute to David Bowie“, eine Doppel-CD, auf der Künstler wie Duran Duran oder Carla Bruni Bowies Lieder wiederaufwärmen. Oder eine Biografie des US-Journalisten Mark Spitz, in der er beseelt, wenn auch ausschweifend, Bowies fabelhafte Karriere nachzeichnet. Mit dessen Rückkehr auf die Bühne rechnet er jedoch nicht. Das findet der Spiegel schade, da die Stars dieser Tage alle miteinander jämmerlich fade Figuren seien. Außer Lady Gaga, die Bowies Tradition fortführe. Liebhaber des Originals greifen da lieber zu Bowies Album „Station to Station“, das dieser Tage, pünktlich zur bald kommenden Weihnachtszeit, neu aufgelegt wurde, versehen mit einer Menge noch unveröffentlichtem Extra-Schnickschnack.

Dass man an die Ehrung eines Künstlers auch kreativ herangehen kann, beweist ein Projekt, das als „lebendes Denkmal“ an den 2003 verstorbenen Johnny Cash gedacht ist. Unzählige Fans der Country-Ikone haben bei der Initiative „The Johnny Cash Project“ mitgewirkt und mehr als 250 000 Zeichnungen zur Herstellung eines Online-Musikvideos beigetragen. Von dem Video zum Song „Ain’t No Grave“ hat Regisseur Chris Milk mehrere Versionen gefertigt. Alle Teilnehmer werden im Abspann namentlich genannt und konnten auch in der Einleitung über ihre Zeichnungen und Erinnerungen an Johnny Cash reden.

Nun zu zwei noch lebenden und aktiven Künstlern:

Prince geht wieder auf Tour, aber nicht alleine. Mit dabei im Gepäck hat er Künstler wie Janelle Monae, Mint Condition, Esperanza Spalding and Cassandra Wilson. Über die Pressekonferenz am Donnerstag berichtet der NME in Berufung auf Billboard.com. Prince wird der „Zeremonienmeister“ der Shows sein, von denen eine jede unterschiedlich sein soll. O-Ton Prince: „Kommt früh und kommt oft, ich habe eine Menge Hits. Bringt eure Freunde und Kinder mit. Und auch Fußspray, denn es wird funky!“

Ebenfalls eine Tour bereitet Tricky vor, um sein neues Album „Mixed Race“ zu promoten. In einem Interview mit dem BBC Radio Sender 6 Music sprach er über seine Einflüsse, Ruhm und Erfolg. Vor allem schürt er Gerüchte über eine Rückkehr zu seiner alten Band Massive Attack. Zumindest sei er mit seinen ehemaligen Bandkollegen „back in touch“.

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