18.01.: Make some noooise

Um viel Lärm bzw. einen Mangel an Ruhe geht es in der heutigen Presseschau.
Der erste, der keine Ruhe findet, ist Rio Reiser. „Das Grab des ‚Königs von Deutschland'“ wird vom nordfriesischen Fresenhagen nach Berlin verlegt, denn Reisers Erben „können den Hof, auf dem Reiser und die Band Ton Steine Scherben gelebt haben“ und in dessen Garten Rio Reiser 1996 beerdigt wurde, „nicht mehr halten“, schreibt ByteFM Moderator Christoph Twickel im Spiegel. Mit dem Hof verschwindet nicht nur Reisers Grab, sondern auch das Kulturzentrum „Rio Reiser Haus“ samt „Tonstudio, Café ‚Junimond‘, Gästezimmern, die nach Reiser-Songs benannt sind und […] Bühne, auf der auch schon Die Sterne und Kettcar aufgetreten sind.“ Die Memorabilia des Museums, u.a. handschriftlichen Notizen zu Songs oder die Axt, „mit der der Saxophonist und Manager Nikel Pallat 1971 auf den Talkshow-Tisch der WDR-Sendung ‚Ende offen‘ einhieb“, werden vorerst eingelagert.

Wenig Ruhe findet dieser Tage auch Silvio Berlusconi. Gegen den Staatschef wurde nämlich von der Mailänder Staatsanwaltschaft eine Ermittlung „wegen Prostitution mit Minderjährigen und Amtsmissbrauchs“ eingeleitet. „Die Justiz vermutet, dass Berlusconi sich eine Art Edel-Harem hielt: Junge Frauen, die umsonst in einst von ihm gebauten Wohnungen in Milano Due lebten und auf Abruf nach Arcore gebracht wurden. Bei einer Durchsuchung fanden Ermittler Schmuck, teure Kleider, erotisches Spielzeug und auch hohe Geldbeträge – ein Indiz für erbrachte sexuelle Dienstleistungen, so der Verdacht“, schreibt die FR. Berlusconi und Sex gegen Geld? Niemals, betont der italienische Ministerpräsident – das sei unter seiner Würde. „Vielmehr folgt bei ihm seit der Trennung von seiner zweiten Frau eine feste Beziehung auf die nächste. So möchte er das verstanden wissen.“

Besonders ruhig ging es bei den Chicks On Speed ja noch nie zu. Und schon immer waren die Chicks On Speed mehr als „nur“ eine Band. Die Musik ist nur „eine Facette von vielen. Die anderen: Mode, Performance und Kunst. Vor allem Kunst.“ Und deshalb gibt es zu einer zu einer Ausstellung im schottischen Museum für Contemporary Arts in Dundee diesen Sommer laut taz einen „knallbunten Katalog mit dem charakteristischen Titel ‚Dont Art Fashion Music‘, in dem der Status quo des Chicks-Gesamtkunstwerks präsentiert wird.“ Zu sehen gibt es dort u.a. „musizierende Nähmaschinen, Supersuits (Anzüge, deren Trägerin mithilfe eingenähter Sensoren durch Bewegung Audio- und Videosignale auslöst) und Teppiche, die von den digitalisierten Klängen eines Theremin gewebt werden.“ Das Herzstück des Katalogs ist aber ein stöckeliger Designerschuh mit drei Saiten und „in die Sohle eingebauter Mechanik, von der aus Signale an einen Rechner mit Sample-Datenbank geschickt werden“ – die Dekonstruktion der phallischen Rockgitarre. Mit dem Schuh wird „die Trägerin […] zu einer lebenden Gitarre, die von anderen gespielt werden kann, wenn der Fuß gehoben wird – und somit auch noch einen gewitzten Kommentar zur Verbindung Frau-Fetischobjekt abgibt.“

Relativ laut ging es wohl auch am Set des Kurzfilms der Beastie Boys zu, der dieses Wochenende beim Sundance Festival seine Premiere feiert. Zumindest stellen wir uns das so vor, wenn wir bei Pitchfork lesen, wer alles in dem Sequel zum Video des Beastie-Boys-Klassiker „(You Gotta) Fight for Your Right (To Party!)“ mitspielt. Tief Luft holen: Seth Rogen, Elijah Wood, Danny McBride, John C. Reilly, Will Ferrell, Jack Black, Susan Sarandon, Stanley Tucci, David Cross, Orlando Bloom, Jason Schwartzman, Kirsten Dunst, Chloë Sevigny, Will Arnett, Steve Buscemi, Amy Poehler, Rashida Jones, Rainn Wilson, Ted Danson und Alicia Silverstone – um nur ein paar zu nennen.

Beinahe so viel Prominenz war auch bei Kate Moss‘ 37. Geburtstag in Paris anwesend, wo das Model mit einer Drehtür zu kämpfen hatte. Auch das hat sicher ein wenig Lärm gemacht. Der Spiegel weiß mehr.

Und wenn jemand von Euch zufällig ungefähr 1.000.000 Euro übrig haben sollte: Bei eBay könnt Ihr Euch einen Zettel ersteigern, auf dem garantiert die wahre Identität von Street-Art-Künstler Banksy steht. Viel Lärm um nichts? Wir werden sehen.

Mehr über Rio Reisers Grab, den Gitarrenschuh der Chicks On Speed, die festen Beziehungen von Silvio Berlusconi, die Drehtür von Kate Moss und den Kurzfilm der Beastie Boys erfahrt Ihr ab 15 Uhr im ByteFM Magazin mit Klaus Walter.

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