30.09. The problem of leisure

…what to do for pleasure? Mit diesem Problem schlugen sich schon Gang of Four herum. Es ist nicht ganz einfach, seine knapp bemessene Freizeit sinnvoll zu verbringen. Wir gehen heute in der Presseschau mal ein paar Alternativen durch.

Ganz klassisch könnte man mit ein paar Freunden in eine Kneipe gehen und trinken. Aber da ist natürlich Alkohol im Spiel, das kann böse enden und später ist wegen einer Lapalie, sagen wir einer dummen Bemerkung auf der Männertoilette, tot. So geschehen in Südafrika, wo ein Streit um die Penislänge vier Männer das Leben kostete. Glaubt Ihr nicht? „Streit um Penislänge kostet vier Männer das Leben“, lautet die Überschrift zur Meldung bei Spiegel online. „Es begann mit einer pikanten Bemerkung auf einer Kneipentoilette. Ein Gast ließ sich dort über die Länge des Gemächts eines anderen aus. Die Situation eskalierte, am Ende waren vier Menschen tot.“

Kneipen sind also erst mal außen vor. Wie wäre es mit Kino? Man könnte sich „The Social Network“ anschauen. Wäre da nicht die Zeit. Also nicht physikalische Größe, sondern die Zeitung. Die rät nämlich in diesem Artikel davon ab, sich den Film über Facebook anzuschauen. „Diese eindimensionale Charakterstudie steckt im Leerlauf. Auch zu einem Justizdrama fehlt das Drama“. Eins findet sei dann aber doch „zumindest […] ein bisschen lustig“: dass Justin Timberlake den Napster-Erfinder Sean Parker spielt. „Einer der größten Popmusiker dieser Tage spielt den, der die Musikindustrie um Millionen gebracht hat“.

Kino muss also ausfallen. Der Film kommt sowieso erst am 07.10. in die deutschen Kinos. Wie wäre es stattdessen mit einem Musical? Billie Joe Armstrong gab am 28. September sein Broadway-Debüt. Der Frontmann von Green Day springt in insgesamt acht Shows des Musicals „American Idiot“ für den Schauspiel Tony Vincent ein und spielt „a spectral character who leads main character Johnny down a drug-addled path after moving from suburbia to the city“, berichtet der NME. Armstrong betritt damit aber nicht unbedingt Neuland, schließlich basiert das Musical „American Idiot“ auf dem gleichnamigen Album von Green Day und jeder Song des Albums kommt im Stück vor.

Aber extra nach New York zu fliegen, nur um Billie Joe Armstrong in einem Musical zu sehen? Wo man sich doch in London Gisli Orn Garoarssons neue Bühnenadaption von „Faust“ ansehen könnte. Da fehlt Euch im Gegensatz zu „American Idiot“ der popkulturelle Charakter? Nick Cave hat die Musik zum Stück geschrieben.
„Es war wirklich inspirierend, mit Nick Cave und seinem Violinisten Warren Ellis zu arbeiten und zu sehen, wie sie arbeiten. Sie sind das perfekte Rezept für dieses Stück, weil es so Rock’n’roll ist, und die Musik ist sehr theatralisch“, sagt Garoarsson über die Zusammenarbeit. Eine Zusammenarbeit, die übrigens schon öfter bestens funktioniert hat: schon zu Garoarssons Inszenierungen von „Metamorphosis“ und „Woyzeck“ schrieben Cave und Ellis die Musik. Auf prosieben.de findet Ihr das Ganze nochmal zum Nachlesen.

Da es nach London allerdings kein Katzensprung und der Flug nicht umsonst ist, könnte man doch auch einfach mal zu Hause bleiben und gemütlich fernsehen. Das kann allerdings auch mit einigen Ärgernissen verbunden sein. „Man schaut irgendeine Sendung auf – sagen wir mal – ProSieben, die Werbepause ist dran und plötzlich erscheint Thomas D. auf dem Schirm und bittet mit dem üblichen breiten Grinsen unter der üblichen Brille, man solle doch bitteschön dranbleiben, es ginge gleich weiter mit dem tollen Programm, hier beim tollen ProSieben“. „Haben die es echt so nötig?“, fragt sich da Jörg Augsburg im Freitag und schreibt über die Vereinnahmung der Popmusik durch den Boulevard.

Die Fantastischen Vier für ProSieben, Sido für RTL2, Samy Deluxe für GEZ, Lena für Opel. Fernsehen nervt also auch. Um den Glauben an die Popmusik wieder zurückzugewinnen, kann man den Abend ja mal wieder damit verbringen, die Kopfhörer aufzusetzen und sich treiben zu lassen. Zum Beispiel zu den 13 Lieblingssongs von Morrissey, die der kürzlich über Facebook veröffentlicht hat. Ganz oben auf der Liste steht die Band, deren britischem Fanclub Morrissey als Jugendlicher vorstand und über die er sogar ein Buch veröffentliht hat: die New York Dolls mit dem Song Jet Boy. Hier findet Ihr die „13 favourite singles of all time“ des ehemaligen Sängers der Smiths.

Mehr über Morrisseys Lieblingssongs, Nick Caves Arbeit an der Inszenierung von „Faust“ und Tote aufgrund von Streits über Penislängen gibt es heute im ByteFM Magazin ab 15 Uhr mit Klaus Walter.

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