Acid Pauli – „BLD“ (Rezension)

Cover des Albums BLD von Acid PauliAcid Pauli – „BLD“ (Ouïe)

Veröffentlichung: 24. März 2017
Web: acidpauli.de
Label: Ouïe

8,0

Nicht das Auflegen, nicht das Tracks-Basteln, nein, das Unbekannte scheint die Leidenschaft von Martin Gretschmann alias Acid Pauli zu sein. Mit jedem Projekt tastet sich der Exil-Bayer an etwas Neues heran. Einst brachte er der Band The Notwist den Zauber von elektronischer Tüftelei bei, machte als Console Tracks zwischen Electronica und Ambient. Später schrieb er Hörspiele und gründete Labels. Auf einem davon, Ouïe, veröffentlicht der DJ und Musiker nun „BLD“, sein zweites Album als Acid Pauli.

Unter diesem Alias widmet sich Martin Gretschmann seit über zehn Jahren der ekstatisch guten Laune. Der erste Acid-Pauli-Longplayer „mst“ ist nach seiner eigenen Aussage die hochkonzentrierte Essenz eines 20-stündigen DJ-Sets. „BLD“ zeigt in sehr spezieller Weise Überschneidungen, die sich aus dem Konzept der Platte ergeben. Denn für „BLD“ hat Acid Pauli ausschließlich die Breaks verarbeitet – jene Stellen in Club-Tracks, die die Spannung halten, die die Vorfreude auf den Moment steigern, in dem endlich der Bass einsetzt.

Und da Gretschmanns große Liebe die Samples sind – seine Festplatten fassen um die 4 Terrabyte an Soundschnipseln – bestehen die acht neuen Tracks fast ausschließlich aus solchen. Links flirrende Synthesizer-Signale, rechts eine zitternde Hi-Hat, dann ein kurzes Stück meditativer Gesang in einem Ohr und aufflackernde Stimmfetzen im anderen. Acid Pauli stellt das Einfangen und Loslassen von Stimmungen, das Verschachteln von Klang-Szenen in den Vordergrund.
„BLD“ öffnet viele Pfade in unbekannte Soundscapes, spielt mit dem Orientierungs- und Hörsinn, und liegt damit irgendwo zwischen Ambient, Hörspiel und dem Weg nach Hause von der Afterhour.

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