Alabama Shakes – „Boys & Girls“ (Album der Woche)

Cover des Albums „Boys & Girls“ der US-Band Alabama Shakes

Alabama Shakes – „Boys & Girls“ (Rough Trade)

Die Geschichte besagt, die Alabama Shakes seien von der Sängerin Brittany Howard und dem Bassisten Zac Cockrell auf der High School gegründet worden. In der amerikanischen Provinz in Athens, Alabama, nachdem sie sich im Psychologie-Unterricht kennengelernt hatten und nach der Schule zum Song-Schreiben getroffen hatten. Mit zwei weiteren Typen aus der Nachbarschaft (Heath Fogg und Steve Johnson) bildeten sie dann eine Band, die zuerst noch Coversongs auf Schulfesten spielte. Und das erst 2009.

Aber nein, nach einer Schulband klingen Alabama Shakes nicht. Und ihr erstes Werk „Boys & Girls“ klingt so gar nicht nach einem Debütalbum, sondern als wäre die Band schon 20 Jahre dabei. Und das vor 30 Jahren.

Scheinbar hat sich ihre Qualität aber ziemlich schnell herumgesprochen. Die „Shakes“ spielten nach ihrem ersten Fernsehauftritt in den USA Anfang Februar einige US-Radiostationen ab, die Facebook-Zahlen sind hoch, die Tickets für ihre US-Konzerte ratzfatz ausverkauft. Beachtlich für eine Band, die vielen auf der anderen Seite des großen Teiches lange völlig unbekannt war und noch nicht einmal einen Langspieler oder ein offizielles Musikvideo veröffentlicht hat.

Die Musik der vierköpfigen Band kann man als verwirrend gut in die 70er-Jahre passend beschreiben, verbunden mit der schon erwähnten Professionalität und einem Selbstbewusstsein, das man von einer so jungen Band gar nicht erwartet. Eine englische Rezensentin beschrieb den Stil als „vintage rock ’n‘ roll workout“, was ganz gut passt. Dazu kommt noch reichlich Soul, der das Attribut „vintage“ auch nicht verschmähen würde. Die kratzige Stimme von Brittany Howard, sowohl in den schnelleren als auch in den dramatischeren, orgelbegleiteten Nummern, tut den Rest. Die Dame ist im Übrigen erst 23 Jahre alt, wonach sie auch nicht so richtig aussieht – genauso wenig wie nach Popstar. Es ist wirklich der Wahnsinn, was aus dieser Frau herauskommt (siehe Klang- und Bildbeispiel unten). Sie ist definitiv das Zentrum der Band.

In „Be Mine“ schreit sie so bewegend verrotzt „be my baby“ ins Mikrofon, wie man es eher von den frühen Stones erwartet hätte. Der Vergleich liegt übrigens gar nicht so fern, auch nicht der mit einem männlichen Timbre. Weitere Vergleiche hat auch Susie Reinhardt in ihrer letzten Rumble-Sendung hier auf ByteFM angestellt, und zwar zu James Brown und Otis Redding, aber besonders zu Creedence Clearwater Revival – das ist alles zeitlich schon ein bisschen her.

Von den leider nur elf Songs, von denen wiederum rund die Hälfte schon auf den bisherigen Veröffentlichungen enthalten waren, sei besonders „You Ain’t Alone“ ans Herz gelegt, dazu die Songs „I Found You“, „Goin‘ To The Party“ und – ach, das ganze Album. Und es sei wärmstens empfohlen, sich vielleicht schon mal ein Ticket für die Deutschlandtermine der Shakes Ende April (präsentiert von ByteFM) zu sichern.

Veröffentlichung: 6. April 2012
Label: Rough Trade

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