Aphex Twin – „Syro“ (Album der Woche)

Aphex Twin – „Syro“ (Album der Woche)

Aphex Twin – „Syro“ (Warp Records)

Richard D. James alias Aphex Twin ist zweifellos das Enfant terrible der elektronischen Musikszene. Er provoziert und fasziniert seine Anhänger und zelebriert seine Auftritte wie kein Zweiter. Man weiß: Im Universum von Richard James herrschen eigene Regeln. Nicht zuletzt deshalb gilt der Ire als innovativster und einflussreichster Elektro-Künstler der letzten beiden Jahrzehnte.

„I’m just some irritating, lying, ginger kid from Cornwall who should have been locked up in some youth detention centre. I just managed to escape and blag it into music”, gibt sich der Künstler gewohnt selbstironisch in einem Interview mit dem Guardian. Aphex Twin meidet den Kontakt mit der Presse und der Öffentlichkeit. Zahlreiche Mythen und Gerüchte ranken sich als Folge um den introvertierten Musiker. Mit darunter sind bizarre Geschichten von einem DJ-Gig, bei dem Sandpapier als Tonträger fungierte; einem funktionstüchtigen Panzer als Garten-Vehikel und einem nie realisierten Remix für Madonna, bei dem die Sängerin diverse Tiergeräusche imitieren sollte. So groß die Anzahl der Mythen – so groß die Anzahl an Pseudonymen, unter welchen Richard James über die Jahre seine Meisterwerke veröffentlicht: Polygon Window, Caustic Window, Blue Calx, AFX, GAK, The Tuss. Sein Spiel mit Identitäten und Geheimnissen hat er offenbar nicht verloren: Im August 2014 schwebt ein grüner Zeppelin über London mit dem unverwechselbaren Aphex Twin-Logo, kurz darauf werden Graffitis in New York City mit demselben Zeichen entdeckt. Fans und Musikredakteure auf der ganzen Welt schnappen nach Luft: Darf man rund 13 Jahren nach dem letzten Studioalbum Drukqs auf ein völlig neues Werk hoffen?

Mit Syro, der sechsten Platte von Aphex Twin, haben sich diese Hoffnungen nun bewahrheitet, von denen Anfang des Jahres wohl noch keiner zu träumen gewagt hätte. Der exzentrische Soundkünstler hat mit Syro ein Album realisiert, das mehr denn je zu seinen Wurzeln zurückkehrt und ‚typisch‘ nach Aphex Twin klingt, wenn man dieses Wort in diesem Kontext überhaupt gebrauchen darf.
Im Universum von Richard James herrschen eigene Regeln: Jähe Rhythmuswechsel, schepperndes Bassrauschen, hektisch-flirrende Synthies, überraschende Melodieführungen, schmutzige Drum’n’Bass-Beats. Dazu jagt James seine Ideen durch 138 Gadgets wie Drummachines, Synthesizer, Samplers und Vocoders. Im Artwork der Platte werden diese beachtenswert visualisiert. Um den Effekt der Abstraktion zu verstärken gibt Aphex Twin den zwölf Stücken kryptisch-unaussprechliche Namen wie 4 bit 9d api+e+6 [126.26] oder CIRCLONT14 [152.97][shrymoming mix]. Dass die Platte ausgerechnet mit einer romantischen Klavier-Etüde inklusive Vogelgezwitscher endet, kommt nicht von ungefähr: Dieser Gegensatz macht die verwirrende Traumwelt von Syro in einer unergründlichen Art und Weise ‚rund‘ und offenbart das unermesslich vielfältige Talent von Aphex Twin. Man weiß: Im Universum von Richard James herrschen eigene Regeln. Mit Syro wird klar, dass man es anders ausdrücken muss: Im Universum von Richard James herrschen keine Regeln mehr.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Aphex Twin“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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