Album der Woche: Beirut – „No No No“

Cover des Albums No No No von BeirutVeröffentlichung: 11. September 2015
Web: beirutband.com
Label: 4AD
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Mit dem Ukulele- und Bläserintro von „Elephant Gun“ definierte Zach Condon vor beinahe zehn Jahren den Sound von Sehnsucht neu. Der damals gerade mal 20-Jährige fügte traditionelle Klänge aus den Balkanländern mit Indiepop-Formeln zusammen und schuf eingängige Lieder, die Fernweh evozierten. Ab dem Debüt „Gulag Orkestar“ aus dem Jahr 2006 ging es für Condon immer weiter nach oben. Seine Stücke, die er zu Hause zusammengezimmert hatte, übte er mit einer Band ein.

Doch so wie es mit großen Schritten nach oben ging, ging es für Zach Condon auch wieder herab. Im Dezember vor zwei Jahren fand sich der Musiker in einem australischen Krankenhaus wieder. Körperlich und psychisch erschöpft von den vielen Konzertreisen, zusätzlich belastet durch die Scheidung von seiner Frau, war er an einem Punkt angelangt, an dem es einfach nicht mehr weiterging. Es dauerte viele Monate, mehrere Proberaum- und Studiosessions und Aufnahmeversuche, ehe sich Condon musikalisch wieder auf dem richtigen Weg wähnte. Wie es so oft ist, half eine neue Liebe nach.

Die neun Tracks auf „No No No“ entstanden in den letzten Wochen vom letzten Jahr. Zach Condon werkelte daran zusammen mit Paul Collins am Bass und Nick Petree am Schlagzeug. Hinzu kamen Klavier, Bläser, Ukulele. „No No No“ klingt nach Verweigerung mit befreiendem Charakter. Nein sagen, um das zu machen, was man wirklich will. Beiruts viertes Album ist das bisher leichteste, fröhlichste. Die Melancholie und die Sehnsucht dürfen natürlich trotzdem nicht fehlen.

Ein lebhafter Rhythmus und eine muntere Klaviermelodie leiten den Opener „Gibraltar“ ein. Darüber Zach Condons Stimme in langen Tönen, die dem Track etwas Positiv-Meditatives gibt. Der Titeltrack „No No No“ hält ein Drum-Machine-Intro bereit und zieht etwas schunkelig, unterstützt von Bläsern, das Tempo weiter an. Die unbeschwerte Stimmung kulminiert im poppigen „Perth“. Ruhige und schwelgerische Momente werden dem Album durch Stücke wie dem Instrumental „As Needed“ und der Walzer-Ballade „So Allowed“ verpasst.

Die Helligkeit beginnt sich erst nach der dunkelsten Stunde auszubreiten. Der Spruch ist angestaubt, aber stimmt immer noch. Der beste Beweis dafür ist „No No No“. Ein Album, das unverkennbar den Stempel von Beirut trägt, aufgelockert, ohne Ernst und Strenge, voller guter Stimmung.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Beirut“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.


Beirut – No No No on MUZU.TV.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Dave
    Sep 15, 2015 Reply

    Ohrwurmalarm.

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