Album der Woche: Cheatahs – „Cheatahs“

Cheatahs - CheatahsVÖ: 7. Februar 2014
Web: cheatahs.net
Label: Wichita

Eine junge Band aus London, jedes der vier Mitglieder kommt aus einem anderen Land, zwei gefeierte EPs, und nun ein Debütalbum, welches sich keinem musikalischen Genre zuordnen lassen will – kurzum: Cheatahs.

Angefangen hat alles vor acht Jahren: Nathan Hewitt und James Wignall arbeiten beide im selben Pub im Londoner Stadtteil Camden und teilen neben der Arbeit auch eine unbändige Leidenschaft für Musik. Zwischenzeitlich spielt Nathan als zweiter Gitarrist bei der Indie-/Punkrock-Band Male Bonding, James Wignall ist als Gitarrist und Backing-Vocalist bei den Weird Dreams tätig. 2012 wird die ganze Sache ernst: Zusammen mit Dean Reid am Bass und Marc Raue am Schlagzeug nehmen die vier Musiker in Eigeninitiative ihre erste EP „Coared“ auf, die schließlich im Juni 2012 veröffentlicht wird. Vier Monate später erscheint bereits die zweite EP „Sans“, nun allerdings auf dem populären Label Wichita, dem auch Künstler wie Waxahatchee, Cloud Nothings und Best Coast angehören. Der erfrischende Lo-Fi-Alternative-Rock-Mix wird zum Aushängeschild der Band und bringt hervorragende Kritiken. 2013 spielen Cheatahs im Vorprogramm einiger bekannter Gruppen und auf mehreren Festivals. Währenddessen finden die vier Jungs auch noch Zeit, ihr Debütalbum aufzunehmen, welches schließlich Anfang Februar 2014 veröffentlicht wird.

Ganz in ihrer typischen DIY-Manier wurde das Album von der Band selbst produziert und wie auch schon die beiden EPs vom Bassisten Dean Reid gemixt. Dies ist vielleicht einer der Gründe, warum das Album so authentisch klingt – die vier Musiker bleiben sich selbst treu, lassen sich aber musikalisch in keine Schublade stecken. Psychedelic, New Wave, Nu-Gaze, Shoegaze, Grunge – dies sind nur einige der musikalischen Stilrichtungen, mit denen auf dem Debüt der Londoner experimentiert wird. Die Internationalität der Musiker spielt wohl eine wichtige Rolle für diesen Genre-Mix: Nathan Hewitt, der Leadsänger und Gitarrist kommt ursprünglich aus Kanada, Dean Reid von der Westküste der USA, James Wignall aus England und Marc Raue kommt gar aus Dresden in Deutschland.

Die Ausgeglichenheit von eingängigen Melodien und harten Gitarrenmauern ist Cheatahs sehr gut gelungen, was auch schon das instrumentale 42-Sekunden-Intro andeutet. Dieses geht nahtlos in „Geographic“ über, einem typischen Cheatahs-Song, wie man beinahe sagen möchte: Melodiöse und zugleich massive, kraftvolle Gitarrenparts wechseln sich ab, beides gespickt mit einer ordentlichen Portion an Effekten, Verzerrern und Hall. Darüber schweben die ebenfalls von Hall strotzenden, sanften Gesangsspuren, welche jedoch öfter in der Soundmauer aus hämmernden Drums und Gitarren unterzugehen scheinen. Das Nonplusultra in der Musik von Cheatahs sind eben die Gitarren, was auch die ersten Singles „Cut The Grass“ und „Kenworth“ zeigen, die bereits Mitte Oktober 2013 veröffentlicht wurden: Die gesamte zweite Songhälfte bei „Cut The Grass“ besteht aus Gitarrensoli ohne Gesang. „Kenworth“ folgt diesem Muster und gipfelt in einem träumerischen, halluzinogenen Outro von über drei Minuten. Und das doch sehr kraftvoll klingende Album hält auch noch eine andere Überraschung bereit: Cheatahs brillieren vor allem bei den ruhigen Songs wie „Mission Creep“ oder „Fall“ mit zurückhaltenden Beats und ruhigen, klug erdachten Harmoniefolgen.

Ob der Bandname nun eine Anlehnung an Geparden ist oder nicht („cheetah“ ist die englische Bezeichnung für die schnellste Raubkatze der Welt) sei mal dahingestellt. Dass sich der Erfolg der vier Jungs aber in einem ähnlich rasanten Tempo steigern könnte, ist angesichts dieses gelungenen Debütalbums absolut möglich.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Cheatahs“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Yazek
    Feb 5, 2014 Reply

    Liebe Leute,
    das könnt Ihr doch nicht wirklich ernst meinen: Eine Platte zum „Album der Woche“ küren und mit Phrasen wie „autenthisch“ oder „lassen sich aber musikalisch in keine Schublade stecken“ versehen, die wahrscheinlich zu den unverschämtesten rip-offs der letzte Jahre gehört. Das ganze Dinge ist so dermaßen klar in die Schublade „wir spielen Isn’t Anything von My Bloody Valentine nach“ zu stecken, dass sich die Band nicht wundern dürfte, wenn man sie in Handschellen vor Gericht zieht… Nu-gaze … was für ein Quatsch

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