ClickClickDecker – „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ (Album der Woche)

ClickClickDecker – „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ (Album der Woche)

ClickClickDecker – „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ (Audiolith)

Was wäre die Hamburger Musikszene nur ohne begnadete Singer-Songwriter wie Kevin Hamann? Zusammen mit seinem langjährigen Kollegen Oliver Stangl hat er mit „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ ein Werk auf die Beine gestellt, das es in sich hat. Nicht allein, dass ClickClickDecker auf Wunsch von Kevin Hamann nicht mehr als sein Soloprojekt gelten soll, sondern als Duo, bestehend aus ihm und Oliver Stangl. Die Harmonie und das Vertrauen, das die beiden Musiker zueinander haben, ist regelrecht auf dem 13 Track (plus Hidden Track) umfassenden Longplayer vertont.

Intim, akustisch, nachdenklich, ruhig – so klingen die Songs auf „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“. Aufgenommen wurde das inzwischen vierte Album von ClickClickDecker im nordfriesischen Watt’n-Sound-Studio bei Emmelsbüll-Horsbüll, einer ehemaligen Bauernschule, die bis in die 30er-Jahre in Benutzung war. Dieses Flair hat sich das Studio bewahrt und so fanden die Aufnahmen zwischen alten Tafeln und Bücherregalen, Pharaonenmasken und knarrenden Dielenböden statt. Für Kevin Hamann war das Studio laut eigener Aussage wie ein „Spielzeugladen“. Da er nie das Privileg eines richtigen Instrumentalunterrichts genossen hat, begegnet er den Instrumenten offener und mit einer experimentellen Neugier. Die Folge: Hamann setzt die Instrumente in einem völlig neuen Kontext ein und erschließt dadurch neue, ungewöhnliche Soundwelten.

Dominiert wird „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ dennoch von Gitarren, Schlagzeug, Bass. Klug arrangierte Ohrwurm-Pop-Nummern wie „Was Kommt Wenn Nichts Kommen Will“ und die erste Single „Tierpark Neumünster“, die bereits im November 2013 veröffentlicht wurde, finden sich viele. Einzig „Myoklonien“ (ein Fachausdruck für unwillkürliche Muskelzuckungen) bricht aus dem ruhigen, melodischen Gitarrenpop-Schema aus. Mit einer Länge von einer Minute und 46 Sekunden stellt der Song auch mehr ein kurzes Elektro-Intermezzo dar mit der ernüchternden Aussage: „Sag nicht ab, sag einfach gar nicht erst zu.“

Knarrende Dielen und blökende Schafe

Zwischen Juli 2012 und Mai 2013 haben Kevin Hamann und Oliver Stangl zusammen an den Songs gefeilt und sie geformt, oftmals auch über den „postalischen Weg“ via Smartphone. Viel Zeit haben sich die beiden Musiker genommen – vielleicht einer der Gründe, warum „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles“ so stimmig und harmonisch klingt. Der bis zu seinem vollständigen Verklingen ausgehaltene Klavierton am Ende von „Niemand Wird’s Gewesen Sein“ geht durch Mark und Bein und ist eines der vielen Indizien, mit wie viel Liebe zum Detail an diesem Album gearbeitet wurde. Oder auch das Blöken der Schafe vor dem Hidden Track „Brustschwimmen im Nebel (Unter Lämmern)“, das Hamann beim erstmaligen Hören an die Zeit im Studio erinnerte und beinahe zu Tränen rührte.

„Wenn man immer nur zurückschaut, ist irgendwann nichts mehr da …“ – an lyrischer Ausdrucksweise haben ClickClickDecker nicht verloren. Schon der (zugegeben sehr lange) Titel des Albums ist Programm: „Offensiv verletzlich und doch norddeutsch schnoddrig, geschmückt mit der charmanten Klugheit des Dahingesagten.“ So zu lesen auf der offiziellen Website. Kevin Hamann ist in der Tat ein wahrer Geschichtenerzähler, er lässt uns an seiner Vergangenheit, seinen Gedanken und Zweifeln teilhaben. Die Texte der Songs bestechen durch ihre Leichtigkeit und die lyrische Stärke, die ihnen innewohnt. „Wieso bedauerst du eigentlich dein Alter? Der Rahmen der dich erinnert, die Pfeiler die schon stehen“, singt Hamann in „Durch die Kastanienanlagen“. Die Sprache ist herrlich bildhaft und gerade in dieser „charmanten Klugheit des Dahingesagten“ liegt die Stärke des Albums.

Das Duo ist übrigens eng verbunden mit ByteFM: Hamann war bis Dezember 2013 Gastgeber der Sendung „Initiative ‚Herz statt Kommerz’“, Stangl leitet das Studio in Berlin und ist einer der Moderatoren des ByteFM Magazins. Umso mehr bleibt abschließend nur noch eines zu sagen: Danke, ClickClickDecker – für ein zeitlos schönes Werk. Die Hamburger Musikszene ohne euch ist unvorstellbar dank Alben wie „Ich Glaub Dir Gar Nichts Und Irgendwie Doch Alles.“

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „ClickClickDecker“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Label: Audiolith | Kaufen

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