Album der Woche: Ghostpoet – „Shedding Skin“

Ghostpoet - Shedding SkinVÖ: 27. Februar 2015
Web: ghostpoet.co.uk
Label: Play It Again Sam
Kaufen: artistxite-Shop

Mit Raffinesse, Witz und lyrischer Kreativität überraschen Songtitel für gewöhnlich selten. Nicht so auf Obaro Ejimiwes drittem Studioalbum „Shedding Skin“. Tracks wie „That Ring Down The Drain Kind Of Feeling“ und „Sorry My Love, It’s You Not Me“ schüren bereits vor dem Hören große Erwartungen. Obaro Ejimiwe ist ohne Zweifel ein Wortkünstler: Sein Pseudonym Ghostpoet hat er mehr als treffend gewählt.

Vor vier Jahren veröffentlicht der Londoner Künstler mit nigerianischen und dominikanischen Wurzeln sein Debütalbum mit dem melodischen Titel „Peanut Butter Blues & Melancholy Jam“. Entstanden ist die LP in nächtlicher Eigenproduktion, während er tagsüber in einem Callcenter arbeitet. „Some Say I So I Say Light“ kommt 2013 als Nachfolger in die Plattenläden.

Dem charakteristischen, brüchigen Sprechgesang, bei dem er kontinuierlich die letzten Wortsilben verschluckt, bleibt Ghostpoet auch auf seinem dritten Album treu. Enorme Unterschiede gibt es dagegen bei der Instrumentierung. Den elektronischen Sound der beiden Vorgänger-Alben lässt er hinter sich, um stattdessen eine gitarrenlastige, organische Klangatmosphäre zu schaffen. Im Gegensatz zum bisherigen Soundbasteln am PC, spielen nun die Musiker seiner Tourband die Stücke live ein. Als logische Konsequenz ernennt Ghostpoet seinen Bassisten John Calvert zum Ko-Produzenten.

Nur vier Monate vergehen zwischen ersten Demo-Aufnahmen und dem finalen Mastering. Der Musiker folgt damit dem Rat seines Kollegen Brian Eno, der zu schnellen und intensiven Aufnahmeprozessen tendiert, um sich anschließend wieder neuen Projekten zu widmen. Ähnlich wie Hautschuppen, die tagtäglich verloren und wieder neu gebildet werden: Es ist kein Zufall, dass das Album „Shedding Skin“ betitelt wird und das Cover eine mikroskopische Zell-Aufnahme des Künstlers zeigt.

Außerordentlich an „Shedding Skin“ ist zudem die Zusammenarbeit mit zahlreichen Musikern, darunter die Soul-Sängerin Etta Bond und die britischen Singer-Songwriterinnen Nadine Shah und Lucy Rose. Den intensiven, hypnotischen Titeltrack inszeniert Ghostpoet mit der belgischen Jazz-Interpretin Melanie De Biasio; „Be Right Back, Moving House“ ist ein geradezu gespenstisch-schönes Duett mit Maxïmo-Park-Sänger Paul Smith.

Obwohl die Grundstimmung auf „Shedding Skin“ ziemlich dunkel, nachdenklich und schwer klingt, möchte Ghostpoet mit seiner Musik vor allem deutlich machen, nie die Hoffnung zu verlieren: „Regardless of your situation, there’s always hope. And I think that’s something that’s come through in everything I’ve made, because I believe it so much. It’s an eternal thing.“

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Ghostpoet“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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