Album der Woche: Ja, Panik – „Libertatia“

Ja, Panik - LibertatiaVÖ: 31.01.2014
Web: ja-panik.com
Label: Staatsakt

Momentan führt wahrscheinlich kein Weg an den Exil-Österreichern und Wahlberlinern von Ja, Panik vorbei. Auch wenn man noch so gekonnt rechts antäuschen vermag, um flink links vorbeizuhuschen – letztendlich läuft man mit Gewissheit auf das zu, wofür die gesamte Musikwelt seit Wochen versucht, die richtigen Worte zu finden: „Libertatia“.

Das letzte Album „DMD KIU LIDT“ von Andreas Spechtl und seiner Formation Ja, Panik erschien vor fast drei Jahren und galt bis zuletzt als die konsequenteste, vielleicht sogar beste deutschsprachige Veröffentlichung aus seiner Feder. Vervollständigt man die angeschlagenen Versalien, ergibt sich der etwas melancholische Titel „Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“ und darauf zu finden war problemgetriebene Ironie und viel Interpretationsfreiraum.

Jetzt aber wird sich der Nachfolger bereit machen, für mehr Eindeutigkeit zu sorgen: „LIBERTATIA“ rückt rein optisch, wie sein Vorgänger, ebenfalls mit prägnanten Großbuchstaben ins Bild, wenn auch auf den ersten Blick wesentlich weniger kryptisch. Was auf jeden Fall hörbar anders ist: Ja, Panik haben ihrem politischen Pop einen schillernden Tanzbeat hinzugefügt und so auch die entstandene Klang-Couleur auf ein noch komplexeres Level gehievt.

So unerwartet und überraschend, wie es zunächst allerdings erscheint, ist die hochtourige Diskussion über den Neuling aus dem Haus von Ja, Panik eigentlich gar nicht. Bekamen wir doch schon mit der Vorabveröffentlichung der gleichnamigen Single Anfang Dezember einen leinenlösenden Vorgeschmack auf das, was damals schon Kurs auf uns genommen hat. Und das Gesamtpaket des Titelsongs bot auch rein visuell etwas tragisch Schönes. Drei verbliebene Bandmitglieder in der Badewanne mit ausgereifter Choreo und Kerzenlichtromantik. Textlich wie melodisch waren die neuen Klänge befreit von jeglicher Schaumschlägerei.

Der Refrain „Wo wir sind, ist immer Libertatia, (…) denn wo wir stehen, könnt’ immer alles sein“ greift im Kern die Thematik des neuen Albums auf – „Libertatia“ ist der Name einer anarchistischen Kolonie, die gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Madagaskar von Seeräubern auf der vergeblichen Suche nach einer alternativen Lebensgemeinschaft gegründet worden sein soll. Die Idee von einer Welt, eine Utopie, die es so wahrscheinlich nie geben wird. Ja, Panik extrahieren aus diesem literarischen Input ein vertontes Pingpong-Spiel zwischen starrer Realität und immerwährender Fiktion. „Libertatia“ ist ein Album, das zeigt, wie leichtfüßige Protestsongs klingen können mit Rebellion im Kopf und Randale im Herzen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Ja, Panik“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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