Album der Woche: Messer – "Die Unsichtbaren"

Messer - Die UnsichtbarenVÖ: 22. November 2013
Web: gruppemesser.blogspot.de
Label: This Charming Man

Im vergangenen Sommer tat sich einiges in der deutschen Musiklandschaft, denn Messer hatten ihren zweiten Langspieler mit dem Titel „Die Unsichtbaren“ angekündigt, für den die Band weiterhin mit dem kleinen Label This Charming Man zusammenarbeitete.

Bis zum Release ihres Zweitlingswerks im Herbst gab es insgesamt zwei Vorabveröffentlichungen plus dazugehörige Videos, Konzerte anlässlich der Singleveröffentlichungen in großen und kleinen Städten sowie eine Melting-Butter-Session (aufgenommen im Rama-Studio in Mannheim). Ein Jahr ist es her, da debütierte die Band aus Münster mit dem Album „Im Schwindel“ und man muss ihr neidlos anerkennen, sie hat die Wartenden vorbildlich bei Laune gehalten.

Anders als beim Vorgängeralbum waren die Münsteraner unter Anweisung des Hamburger Produzenten Tobias Levin dieses Mal während der gesamten Aufnahmen ausnahmslos gemeinsam in einem Raum – wie bei ihren Konzerten oder bei ihren Proben. Zwar analog eingespielt, hat jeder Song im Nachtrag trotzdem noch seinen kleinen digitalen Feinschliff erhalten. Da gibt es zum Beispiel einen heulenden Loop am Anfang von „Tollwut“ oder hier und da eingängige Percussion-Rhythmen. Als reines Live-Album kann „Die Unsichtbaren“ deshalb nicht angepriesen werden – soll es aber auch nicht. Die analoge Aufnahmetechnik als Grundgedanke, zusammen mit dem durchlässigen Einsatz charakteristischer Soundeffekte befreit das Album hörbar von allen Eitelkeiten und lässt es authentisch klingen. Was am Ende dabei herausgekommen ist, hört sich fast schon an, als sei es vielleicht die einzig angemessene musikalische Begleitung für eine neue Klaus-Kinski-Dokumentation.

Mit ihrem Opener „Angeschossen“ finden Messer auch gleich einen kompromisslosen Direkteinstieg – es wird deutlich, sie sind da und wollen spielen. Und dazu liefern sie in ihrem ersten Stück einen Sound, der vollgepackt ist mit klangstarken 80er- und 90er-Post-Punk-Gitarrenriffs, beginnend mit einem klirrenden Intro, das ein wenig Düsternis in sich trägt. Es wirkt sogar so, als wäre die Band zum Einspielen dieses Stücks in eine große leerstehende Fabrikhalle gefahren.

Den ersten Einblick in ihr neues Schaffen gab das Quartett allerdings mit der Vorabveröffentlichung von „Neonlicht“. Dieser ist der wahrscheinlich unüblichste und dabei kraftvollste Song des Albums. Inhaltlich mit ähnlich viel Pathos beladen wie die anderen Stücke, werden hier alle künstlerischen Freiheiten sichtbar, die sich Messer für ihr neues Werk herausgenommen haben. „Neonlicht“ klinkt sich deutlich aus der Reihe der insgesamt zehn Songs aus und zeigt auf, welches Potenzial die Band um Sänger Hendrik Otremba hat. Es sind nicht die schroffen, unmittelbaren Klänge, die hier dominieren, sondern eine fast schon sinfonieartige Leichtigkeit, die das Album (wenn nicht schon an einer anderen, dann an dieser Stelle) endgültig zugänglich macht.

In gewohnter Messer-Manier ist auch „Die Unsichtbaren“ textlich wahrscheinlich so schwer zu enträtseln wie sein Vorgänger, oder halt eben die freie Kunst. Eines wird auf jeden Fall erneut klar – mit ihrem zweiten Album haben die Münsteraner nun definitiv unter Beweis gestellt, dass sie können, was sie da machen. Was sie nun mit „Die Unsichtbaren“ abliefern, rollt definitiv seinen ganz eigenen roten Faden entlang. Die Perfektion war nicht das gesetzte Ziel, sie bedienten sich an vielen Stilelementen und haben trotzdem noch genug Platz für Stilbrüche gelassen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt mit dem Betreff „Messer“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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