Album der Woche: Sam Amidon – „Lily-O“

Sam Amidon - Lily-OVÖ: 7. November 2014
Web: samamidon.com
Label: Nonesuch
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Ein eisiger Oktobermorgen in Reykjavík. Der frische Wind zieht durch die Straßen der isländischen Hauptstadt. Vorbei auch an einem Studio in einer Straße namens Vogasel. Im Inneren des Greenhouse Studios haben sich fünf Männer versammelt. Im hellen und warmen „Live Room“ spürt man nichts von den bitterkalten Morgenstunden. Gitarren und Banjos werden gestimmt, die Männer spielen zusammen verschiedene musikalische Varianten durch und starten die Aufnahmen zu „Walkin’ Boss“, einem traditionellen Folksong, der vor allem durch Doc Watson berühmt wurde. Ein paar Takes später ist der Song im Kasten. Vier Tage lang sind die Musiker versammelt, dann sind die zehn Stücke von „Lily-O“ eingespielt. Sam Amidons fünftes Studioalbum ist geboren.

Der Musiker aus Vermont zählt zu den interessantesten Folk-Künstlern der letzten Jahre. 2001 veröffentlicht er das selbstaufgenommene „Solo Fiddle“, auf dem er alte, irische Instrumentalstücke auf seiner Geige darbietet. Sechs Jahre später folgt sein Studio-Debütalbum „But This Chicken Proved False Hearted“. Über die Jahre knüpft Amidon viele Kontakte zu Musikerkollegen: Auf den jüngsten Alben von tUnE-yArDs, Aoife O’Donovan und den Blind Boys Of Alabama taucht er als Gastmusiker auf.

„Lily-O“ besteht zum größten Teil aus traditionellen Folksongs, die von Amidon bemerkenswert neu interpretiert werden. Es ist das zweite Album, das auf dem Label Nonesuch erscheint. Und es gibt weitere alte Bekannte: Valgeir Sigurðsson, Besitzer des Greenhouse Studios, wird als Produzent engagiert. Damit ist „Lily-O“ bereits das dritte Album, das in Kooperation von Amidon und Sigurðsson entsteht. Zusätzlich wird der Jazz-Gitarrist und Komponist Bill Frisell nach Reykjavík eingeladen. Mit dem Bassisten Shahzad Ismaily und dem Schlagzeuger Chris Vatalaro ist die Mannschaft schließlich komplett.

Die Chemie zwischen den Musikern ist hörbar. Amidons zärtlich-trauriger Gesang bettet sich in stimmungsvolle Gitarren- und Bassarrangements, wie beispielsweise im sehnsuchtsvollen „Won’t Turn Back“. Eindrückliche Violinsoli, ein rhythmisch fesselnder Beat und lichte Gitarrenklänge machen „Blue Mountains“ zu einem der intimsten und intensivsten Songs auf „Lily-O“. Auf Overdubbing wird fast vollständig verzichtet: Das Album klingt „echt“, direkt, ungekünstelt. Fast so, als säße man persönlich mit den fünf Musikern im „Live Room“ des Greenhouse Studios an jenem eisigen Oktobermorgen.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Sam Amidon“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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