Album der Woche: Stephen Malkmus & The Jicks – „Wig Out At Jagbags“

Stephen Malkmus & The Jicks - „Wig Out At Jagbags“

Stephen Malkmus & The Jicks – „Wig Out At Jagbags“ (Domino)

Stephen Malkmus gehört eigentlich zu den Künstlern, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen könnten. Der 47-jährige Kalifornier gehört zu den maßgebenden und einflussreichsten Musikern der alternativen Rockszene der letzten beiden Jahrzehnte. Zusammen mit Scott Kannberg, einem Freund aus Kindheitstagen, gründet er 1989 die Band Pavement, die der Rolling Stone als „the quintessential American independent rock band“ und deren Debütalbum „Slanted And Enchanted“ als „the quintessential indie rock album“ bezeichnet. Im Laufe eines Jahrzehnts veröffentlicht Stephen Malkmus zusammen mit Pavement fünf Alben und neun EPs. Der Kult um die fünf amerikanischen Jungs und deren intensiven und charakteristischen Sound hält bis heute an. 1999 löst sich die Band auf, die Mitglieder widmen sich anderen musikalischen Projekten. So auch Stephen Malkmus: Er sucht sich neue Bandmitglieder und 2000 geht daraus die Verschmelzung Stephen Malkmus & The Jicks hervor.

Inzwischen sind 13 Jahre vergangen – nicht allein durch das zeitliches Bestehen wird Pavement von Stephen Malkmus & The Jicks übertrumpft, sondern auch durch die Anzahl der veröffentlichten Studioalben: Mit ihrer aktuellen LP „Wig Out At Jagbags“, die am 3. Januar erschienen ist, gibt es inzwischen sechs Alben von Stephen Malkmus zusammen mit den Jicks.

Die Liste der Inspirationsquellen, die dem Musiker beim Entstehungsprozess dienten, ist verblüffend lang und vor allem bunt gemischt: So finden sich darunter der Autor Mark von Schlegell, die Künstlerin Rosemarie Trockel, ein chinesisches Restaurant in Charlottenburg, die Punkband Flipper und Pete Townsend von The Who. An erster Stelle nennt er jedoch Köln und Deutschland. Verwundert auch wenig, da Stephen Malkmus vor zwei Jahren die Bundesrepublik als Wahlheimat auserkor, inzwischen aber wieder in die USA zurückgekehrt ist. Die Rheinmetropole Köln und vor allem Kölner Musiker haben es ihm in den zwei Jahren besonders angetan: So covert er auf dem Week-End Fest 2012 zusammen mit Mitgliedern der Band Von Spar Cans Album „Ege Bamyasi“ aus dem Jahr 1972. Das Album habe er übrigens drei Jahre lang jeden Abend vor dem Einschlafen gehört. Diese musikalische Vorliebe kommt auch auf „Wig Out At Jagbags“ zum Vorschein – es ist hörbar beeinflusst von Krautrock. Schrammelnde, harte Gitarrenriffs dominieren auf den ersten Blick.

Der Album-Opener „Planetary Motion“ hat das Zeug zum echten Klassiker: Der stampfende Rhythmus, die zweistimmigen Gitarrensolos und die zweistimmigen Gesangsspuren machen sofort Lust auf mehr und beweisen, dass Malkmus keineswegs an Energie und Ausdrucksstärke verloren hat. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass die Platte viel mehr vereint als anfangs angenommen: Referenzen an die späten 60er finden sich in Hülle und Fülle, überraschend stimmig fügen sich auch Soul-Nummern wie „J Smoov“ mit Streichersynthies und einem Posaunensolo oder „Independence Street“ im Dreiviertel-Takt und mit einer Klavierbegeleitung in den Gesamtkontext ein. Die musikalische Bandbreite reicht von spaßigem Retro-Punkrock bis hin zu unbeschwertem, kalifornischen Indie-Rock wie auf der ersten Singleauskopplung „Lariat“. Angesichts solcher „sonniger“ Arrangements ist es kaum zu glauben, dass die zwölf Tracks in einem abgelegenen Studio in den Ardennen nahe Amsterdam aufgenommen wurden. Unterstützung bekamen die Musiker dabei von Remko Schouten, einem dänischen Soundspezialisten und langjährigem Kollegen von Malkmus.

Abschließend kann man es nicht besser ausdrücken als Stephen Malkmus höchstpersönlich: „And this is what you get: projected imaginings of rock and roll from the freezing north, rendered by west coast stalwarts and a dutch uncle.“

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Stephen Malkmus“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

VÖ: 3. Januar 2014
Web: stephenmalkmus.com
Label: Domino

Das könnte Dich auch interessieren:

Chastity Belt – „Chastity Belt“ (Album der Woche) Die Best-Friends-Forever-Band Chastity Belt jongliert auf ihrer neuen Platte mit klammen Gefühlen und kleinen Erkenntnissen. Das nachdenkliche „Chastity Belt“ ist unser Album der Woche.
İlgen-Nur – „Power Nap“ (Album der Woche) Für ihr Debütalbum hat sich İlgen-Nur auf ihr Gespür für Melodien fokussiert und von jedweder Slacker-Ästhetik Abstand genommen. Die Hamburgerin hievt mit ihrer Stimme Alltagsvignetten auf die große Power-Pop-Bühne.
Jay Som – „Anak Ko“ (Album der Woche) Im November 2015 stellte Jay Som aus einer Laune heraus ihre schrammeligen Bedroom-Pop-Demos ins Internet. Vier Jahre später hat sich die US-Amerikanerin zu einer wahren Pop-Zauberin entwickelt. Ihre dritte LP „Anak Ko“ ist unser ByteFM Album der Woche.


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.