Album der Woche: Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“

Cover des Albums Sufjan Stevens – „Carrie & Lowell“

VÖ: 30. März 2015
Web: music.sufjan.com
Label: Asthmatic Kitty
Kaufen: artistxite-Shop

„I forgive you, mother, I can hear you
And I long to be near you
But every road leads to an end
Yes every road leads to an end“

„Death With Dignity“, das Anfangsstück auf Sufjan Stevens siebtem Album „Carrie & Lowell“, klingt nach Versöhnung. Was darauf folgt sind Lieder, die sich mit einer Palette bleierner Gefühle beschäftigen. „Carrie & Lowell“ ist schwere Kost, instrumentiert mit einer beeindruckenden Leichtigkeit. Dunkelheit und Hoffnung stehen hier nah beieinander.

Der Albumtitel ist der Schlüssel zu den Texten von Stevens. In denen verknüpft er persönliche Erinnerungen mit biblischen Metaphern. Zum Beispiel im Stück „John My Beloved“, bei dem er die Liebe, die er für jemand anderen empfindet, mittels Anspielungen auf die Beziehung von Jesus und dem Apostel Johannes zum Ausdruck bringt.

„Carrie & Lowell“ handelt von seiner Mutter Carrie und Lowell Brams. Carrie war für Stevens meist unerreichbar. Sie verließ die Familie, als er gerade ein Jahr alt war. Sie litt an Depressionen, an Schizophrenie, fühlte sich dem Muttersein nicht gewachsen. In den Jahren, in denen sie mit Lowell verheiratet war, sah Stevens seine Mutter jedoch öfter als sonst. Er war damals zwischen 5 und 8 Jahren alt. Die Erinnerungen an diese Zeit, das Miterleben von Carries Tod und die Selbstzerfleischung, die darauf folgte, verarbeitet Sufjan Stevens auf seinem neuen Album.

Sein Gesang wirkt meist ruhig, während der Musiker Schmerz, Trauer und Wehmut freien Lauf lässt. Gibt man nicht viel Acht auf die Texte, klingt „Carrie & Lowell“ wie Balsam, einlullend gar. So zum Beispiel der Song „Fourth Of July“, der in der Zeile „we’re all going to die“ mündet. Hier wie bei jedem Lied auf dem Album ist Stevens sanfte Stimme das prominenteste Instrument. Der Musiker webt aus mehreren Gesangsspuren angenehme Klanggefüge. Dazu setzt er behutsam gezupfte Akustikgitarre, Banjo, manchmal Klavier, wie im melancholisch-düsteren „No Shade In The Shadow Of The Cross“.

Sufjan Stevens besinnt sich hier auf den Kern von Folkmusik, ähnlich wie es auch Nick Drake und Elliott Smith taten. Einfache Arrangements stehen im Hinter-, die Erzählung im Vordergrund.
Mit „Carrie & Lowell“ ist Stevens eine sehr eindringliche Platte gelungen, die bei aller Simplizität mit ihrer fesselnden Bandbreite an Klängen und Emotionen berührt.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Sufjan“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

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Diskussionen

1 Kommentar
  1. posted by
    Ursula Maurer
    Apr 1, 2015 Reply

    `Fourth of july` hat mich mit all der Reduziertheit berührt. Die Effekte auf dem Klavier erzälen das, was keiner spielen Kann.

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