Album der Woche: The Smiths – „Hatful Of Hollow“

The Smiths - Hatful Of HollowVÖ: November 1984
Web: officialsmiths.co.uk
Label: Rough Trade
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„In my life, why do I give time to people who don’t care if I live or die? In my life, why do I smile at people who I’d much rather kick in the eye?“

Ironie. Sarkasmus. Zynismus. Die Bandbreite der literarischen Stilmittel in den Songtexten von The Smiths ist groß. Mit Songs wie „Heaven Knows I’m Miserable Now“ treffen sie den Nerv einer Generation, die genug hat vom aufgesetzten Synthie-Pop der Jahre zuvor. Der schrammelige, dennoch melodische Gitarrensound und die melancholischen Songtexte von The Smiths kommen da gerade richtig. Nicht umsonst werden die Briten deshalb als erste Indie-Band überhaupt bezeichnet.

1982 gründen Gitarrist Johnny Marr und Sänger Morrissey in Manchester eine Band. Zusammen mit dem Bassisten Andy Rourke und Mike Joyce am Schlagzeug nennen sich die vier Musiker The Smiths. Was damals noch keiner ahnt: Nur fünf Jahre wird diese Formation bestehen, bevor Johnny Marr als erster die Truppe verlässt. Doch diese fünf Jahre reichen aus, um The Smiths unsterblich zu machen und die britische Musikszene umzukrempeln. In dieser kurzen Zeit werden vier Studioalben produziert sowie mehrere Compilations und Singles veröffentlicht. The Smiths sehen Singles stets als eigene Einheit und nicht unmittelbar zur Bewerbung eines Albums. So werden auch zahlreiche Stücke herausgebracht, die auf keinem der vier Studioalben vertreten sind.

Anfang 1983 unterschreiben die Musiker einen Vertrag mit Rough Trade Records, im Mai desselben Jahres folgt die Debütsingle: „Hand in glove, we can go wherever we please. And everything depends upon how near you stand to me. And if the people stare, then the people stare. Oh, I really don’t know, and I really don’t care.“ Texte wie diese und ein nackter Mann auf dem Singlecover führen unweigerlich zu Diskussionen über die sexuelle Orientierung des exzentrischen Songtexters Morrissey. Und das ist erst der Anfang: Die Texte polarisieren und provozieren. „Suffer Little Children“, das auf dem selbstbetitelten Debütalbum von 1984 enthalten ist, handelt beispielsweise von den britischen „Moor-Morden“, die in den 60er-Jahren das Land erschütterten. Das dritte Studioalbum „Meat Is Murder“ bewegt hingegen viele Hörer, den eigenen Fleischkonsum zu überdenken.

Vor 30 Jahren, im November 1984, erschien die erste Compilation „Hatful Of Hollow“. Sie beinhaltet drei Singles inklusive ihrer B-Seiten sowie Songs, die während BBC-Sessions mit der Band aufgezeichnet wurden. An vier Terminen zwischen Mai und September 1983 war die Band zu Gast bei den legendären Moderatoren John Peel beziehungsweise David Jensen. Diese aufgenommenen Versionen unterscheiden sich teils enorm von ihren später arrangierten Studiofassungen. Die BBC-Varianten sind sehr viel bassbetonter, rauer und „improvisierter“. Dies heißt bei Weitem nicht, dass die einen Versionen den anderen überlegen sind. Vielmehr soll betont werden, dass es sich bei den Songs auf „Hatful Of Hollow“ um die frühesten Zeugnisse dieser außergewöhnlichen Band handelt. Grund genug, um den Geburtstag eines der bedeutsamsten Alben der jüngeren Vergangenheit zu feiern. Deshalb machen wir „Hatful Of Hollow“, 30 Jahre nach dem Erscheinen, zu unserem Album der Woche.

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