Album der Woche: Tobias Jesso Jr. – „Goon“

Tobias Jesso Jr. - GoonVÖ: 13. März 2015
Web: tobiasjessojr.com
Label: True Panther
Kaufen: artistxite-Shop

Sam Smith soll seinen Grammy-Hit „Stay With Me“ ganz unwissentlich auf einer Melodie aufgebaut haben, die Tom Petty 1988 ursprünglich für „I Won’t Back Down“ geschrieben hatte. Ähnlich mag es Tobias Jesso Jr. mit dem ersten Track auf seinem Debüt „Goon“ gegangen sein. Die Ähnlichkeit mancher Notenfolgen von „Can’t Stop Thinking About You“ und Elton Johns „Rocket Man“ ist kaum zu überhören. Doch der Klauerei möchte man Jesso nicht beschuldigen, allein wegen der Art, wie sein Album zustande gekommen ist.

Eigentlich waren Bass und Gitarre seine Instrumente. Nach einigen frustrierenden Jahren in Los Angeles, in denen der Kanadier daran scheiterte, seine Songs an aufstrebende Musikerinnen und Musiker zu verkaufen, kehrte er nach Vancouver zurück. In der Heimat begann er ganz von vorne, suchte sich einen Job bei einem Umzugsunternehmen und setzte sich in seiner Freizeit an das Klavier seiner Schwester. Obwohl ihm das Tasteninstrument zuvor fremd gewesen war, stellte es sich als der perfekte Partner für Jessos Songwriting heraus.

Während er sich das Spielen beibrachte, schrieb er schon Lied um Lied am Klavier und beschwörte damit den Sound der 70er-Jahre herauf. Den Sound von Musikern wie Harry Nilsson, Nick Drake und Colin Blunstone, die den Begriff „Singer-Songwriter“ mit persönlichen Texten und schlichter und dabei berührender Instrumentierung definiert haben. Bei Jesso ist auch die Prise Beatles herauszuhören, die die 70er-Jahre-Generation selbst beeinflusst hat. Zum Beispiel bei der Ballade „Without You“, die sich wie einige andere Stücke auf „Goon“ um Rückschläge im Liebesleben dreht. Die behutsame Folkgitarre bei „The Wait“ erinnert wiederum an Songs von Big Star oder den schon genannten Drake. Neben Amor nehmen klassische Themen wie Aufstieg versus Fall, Verzweiflung versus den Glaube an sich selbst Platz auf Jessos Debüt ein.

Tobias Jesso Jr. ist mit „Goon“ ein zeitloses Album gelungen, das jede Schuldzuweisung, bewusst „retro“ klingen zu wollen, leicht an sich abprallen lassen kann. „Goon“ ist das Ergebnis der direkten Verbindung von Musiker und Instrument, dem unmittelbaren Übertragen von Jessos Ideen auf sein Klavier und seine warme Stimme. Das Zutun von Produzenten wie Ex-Girls-Bassisten JR White und Jonathan Rado von Foxygen macht Jessos Debüt zu einer harmonisch arrangierten, ganz und gar runden Sache.

Unter allen Freunden von ByteFM verlosen wir einige Exemplare des Albums. Wer gewinnen möchte, schreibt eine E-Mail mit dem Betreff „Jesso“ und seiner/ihrer vollständigen Postanschrift an radio@byte.fm.

Das könnte Dich auch interessieren:

Chastity Belt – „Chastity Belt“ (Album der Woche) Die Best-Friends-Forever-Band Chastity Belt jongliert auf ihrer neuen Platte mit klammen Gefühlen und kleinen Erkenntnissen. Das nachdenkliche „Chastity Belt“ ist unser Album der Woche.
Twin Peaks – „Lookout Low“ (Rezension) Referenz-Pop mit Lounge-Appeal: Auf ihrem vierten Album „Lookout Low“ huldigen Twin Peaks aus Chicago abermals ihren Vorbildern ohne dabei zu Copycats zu verkommen, meint unser Autor Felix ten Thoren.
Fink kündigt neues Album an und veröffentlicht Titeltrack Den Plattentellern hat Fink schon lange den Rücken zugekehrt, um sich dem Schreiben souliger Folk-Songs zu widmen. „Bloom Innocent“, das neue Album seines Projekts Fink, erscheint im Oktober.


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.