Aldous Harding – „Party“ (Rezension)

Cover des Albums Aldous Harding – „Party“ (4AD)

Veröffentlichung: 19. Mai 2017
Web: www.aldousharding.com
Label: 4AD

6,8

Für Menschen, die Aldous Harding nicht kennen, ist der Titel ihres am 19. Mai 2017 erscheinenden Albums „Party“ vielleicht etwas irreführend. Der Nachfolger ihres selbstbetitelten Debütalbums hat mit Feiern nicht viel am Hut, denn Aldous Harding macht Folk – und zwar die ruhige, traurige Variante. „Party“ erscheint auf 4AD, dem bekannten Londoner Label, das musikalische Heimat von KünstlerInnen und Bands wie The National, Grimes, Daughter und Future Islands ist. Produziert wurde das Album unter Mitwirkung von John Parish, PJ Harvey und Sparklehorse. Sieht man dann noch das irritierend einfache und schöne Video zur fantastischen Single „Imagining My Man“, sorgt dies ohne Zweifel für eine gewisse Erwartungshaltung.

Glaubt man dem Pressetext der jungen Neuseeländerin, und das wollen wir gerne tun, hat sie eine Theatervergangenheit. Dies bestätigt sich nicht nur in Live-Videos, sondern auch auf „Party“. Aldous Hardings ohnehin schon imposante Stimme springt mit Inbrunst durch Tonlagen und Betonungen und exponiert die Sängerin derart, dass es eigentlich nicht nötig gewesen wäre, das Album so sparsam zu instrumentieren. Die musikalische Begleitung der neun Stücke ist recht leise, was bei Songs wie dem bereits erwähnten „Imagining My Man“ hervorragend funktioniert, beispielsweise wenn Snare-Drum und Background-Gesang „Call and Response“ spielen. Dabei ist das genannte Stück sogar dasjenige mit der „umfangreichsten“ Produktion auf „Party“.

Klanglich wie textlich kann man den Langspieler sicherlich düster nennen. „There is no end to the madness, I fear.“, singt Harding in “The World Is Looking For You”. Allerdings bezieht sich diese Düsterheit eher auf die „Problems of the Heart“ („Blend“). Aldous Harding beschreibt in klaren, einfachen Zeilen ihre Gefühle und ihre „Herzscheiße“, um es mit Funny Van Dannen zu sagen, auf eine Weise, in der sich geneigte HörerInnen leicht wiederfinden können. Manchmal bleibt einem die Bedeutung einzelner Worte aufgrund von Hardings gepflegter Nuschelei leider verborgen. Sie findet sehr schöne Bilder und verpackt sie in ein folkiges Gewand, durchsetzt mit sauber inszenierten instrumentalen und gesanglichen Einwürfen. „Party“ ist gut arrangiert. FreundInnen qualitativ hochwertiger Folk-Musik und (verzeihen Sie das Unwort) potenter Singer-SongwriterInnen, werden mit dem neuesten Werk von Aldous Harding ihre ruhige Freude haben. Mir fehlt leider inzwischen die Geduld für Akustikgitarren, deshalb fällt „Party“ bei mir unter den Tisch. „Imagining My Man“ bleibt jedoch ein absoluter Hit.

Das könnte Dich auch interessieren:

  • Cover des Albums Mach’s Besser: 25 Jahre Die Sterne
    Mit „Mach’s Besser“ schenken sich Die Sterne zum 25. Geburtstag Cover-Versionen ihrer eigenen Songs: unter anderem von Isolation Berlin, Stereo Total und Fehlfarben. Die neuen Versionen machen ungeheuer Spaß und gleichzeitig Lust auf eine Runde Die Sterne im Original....
  • Waxahatchee – „Out In The Storm“ (Rezension)
    Ihr viertes Album unter dem Namen Waxahatchee bezeichnet Katie Crutchfield selbst als eine sehr ehrliche Platte über eine Zeit, in der sie nicht ehrlich zu sich selbst war. Auf "Out In The Storm" sind die Traumata der Vergangenheit zwar noch nicht ganz überwunden, aber die Zeit des Selbstmitleids ist endgültig vorbei. ...
  • Cover des Albums FKA Twigs – „M3LL155X“
    Faszinierend, aber mit Vorsicht zu genießen ist die EP „M3LL155X“ von FKA twigs. Ihre unwirkliche, beschwörende Stimme kleidet die britische Künstlerin in komplexe Arrangements zwischen TripHop und R&B. Im zur EP gehörenden Video lenkt FKA twigs unsere Augen auf ein Spiel zwischen Objekt und Subjekt, bei dem sie die Oberhand behält....


Deine Meinung

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.