Arbeitsteilung im Akkord: Eddie Holland wird 70

Vor 70 Jahren wurde Edward Holland Jr. – auch kurz Eddie Holland genannt – in Detroit, Michigan, geboren. Soul-Fans dürfte sein Name ein Begriff sein und andere haben sicher schon Songs von ihm gehört – zumindest wenn sie gelegentlich Popmusik hören.

Eddie Holland erlangte Ruhm und Anerkennung als Bestandteil eines der erfolgreichsten Komponisten-Teams der 1960er Jahre: Holland / Dozier / Holland. Neben Eddie zählten noch sein Bruder Brian Holland und Lamont Dozier zum Trio. Ihre große Zeit hatten sie beim Soul-Label Motown Records in Detroit.

Eddie Holland begann aber 1958 seine Karriere nicht als Songwriter, sondern als Interpret bei Motown. Seine eigenen Platten hatten jedoch nur mäßigen Erfolg, nur die Single „Jamie“ aus dem Oktober 1961 schaffte es bis in die amerikanischen R&B Top 10. Der nur bescheidene Erfolg seiner Platten lag zum einen daran, dass das Motown-Label seinen spezifischen Sound noch nicht gefunden hatte und auch Eddie selbst nur auf den vorgefertigten Pfaden eines Jackie Wilson wandelte, und wahrscheinlich auch daran, dass Eddie kein Entertainer war und seine Bühnenangst nicht überwinden konnte.

Aber schon bei den Songs seiner ersten und einzigen LP für Motown („Eddie Holland“, 1962) betätigte er sich als Komponist und auch sein Bruder Brian und Lamont Dozier steuerten Ideen bei. Zumindest eine ihrer ganz frühen gemeinsamen Kompositionen „Leaving here“ – zwar für Eddie ein Flop – wurde aber später von Rockbands gerne gecovert. So gibt es u. a. Versionen von The Birds, Motörhead, The Who und Pearl Jam.

Arbeitgeber des Komponistenteams Holland-Dozier-Holland wurde der Musikverlag Jobete Music Publishing, der wie das Plattenlabel Motown Records Berry Gordy gehörte. Nach einigen weniger erfolgreichen Jahren kam es dann zu ersten kleineren Erfolgen, etwa für Martha & the Vandellas („Come And Get These Memories“ , „Heatwave, Quicksand“), für Smokey Robinson & The Miracles („I Gotta Dance To Keep from Crying“, „Mickey’s Monkey“) Oder für Marvin Gaye („Can I Get A Witness, Baby Don’t You Do It“).

Durch diese kleineren Erfolge empfahlen sich Holland-Dozier-Holland aber für den neuen aufsteigenden Stern am Motown-Himmel: die Supremes. Für das Gesangs-Trio schrieben sie eine Vielzahl von Hits und sie entwickelten den typischen Motown-Sound: ein harter Beat, verstärkt durch die „Rimshot-Technik“ am Schlagzeug, leichte Orchestrierung und der Call-And-Response-Gesangsstil.

Bei den Dreien hatte sich inzwischen eine Arbeitsteilung eingestellt: Eddie Holland schrieb meist die Texte und arrangierte die Stimmen, Lamont Dozier und Brian Holland komponierten die Musik und produzierten den Song. Natürlich betätigte sich auch Eddie als Produzent und stand häufig mit den anderen in den Credits. Aber auch seine Zusammenarbeit mit anderen Komponisten außerhalb der Trio-Struktur war von Erfolg gekrönt: So schrieb er beispielsweise mit Norman Whitfield für die Temptations „Ain’t Too Proud To Beg“ oder „I Know I’m Losing You“. Und natürlich war er auch bei vielen Produktionen alleine für Melodie, Text und Arrangement zuständig.

Nach einem Rechtsstreit des Trios mit Jobete Music –, natürlich ging es dabei um Geld und Tantiemen – der sich von 1968 bis 1972 hinzog und mit einem Vergleich endete, war
das Vertrauen zwischen Holland-Dozier-Holland und dem Motown-Konzern zerstört und die Drei gründeten noch im Mai 1969 das eigene Plattenlabel Invictus / Hot Wax Records. Sie blieben aber vertraglich bezüglich neuer Kompositionen noch eine Zeitlang an Jobete Music gebunden. Wenn sie auch an die Erfolge bei Motown nicht anknüpfen konnten, hatten sie doch einige erfolgreiche Produktionen am Start und Stars wie Chairmen Of The Board, Laura Lee, Freda Payne oder The Honey Cone unter Vertrag.

Aber auch für Künstler anderer Labels, etwa Aretha Franklin oder Dionne Warwick, betätigten sie sich als Produzenten und Komponisten. So ging etwa die 73er LP „Just Being Myself“ von Dionne Warwick komplett auf ihr Konto. 1975 kam es noch einmal zu einer Annäherung an Motown, als sie für Platten von Michael Jackson Songs beisteuerten und auch für den Sound der Jackson Five LP „Moving Violation“ verantwortlich zeichneten. 1976 produzierten sie für die Supremes gleich zwei Alben: „Merry, Scherrie And Susaye“ (Februar 1976) und „High Energy“ (Juni 1976).

Neben zahlreichen Awards wurden sie 1988 in die New Yorker Songwriters Hall of Fame aufgenommen und im Januar 1990 wurde dem Team für seine Verdienste in der Rock and Roll Hall Of Fame ein Denkmal gesetzt.. Auch im neuen Jahrtausend ist Eddie Holland noch als Produzent aktiv, zum Beispiel produzierte er 2003 die LP „Dream A little“ von Ronnie Laws.

ByteFM gratuliert Eddie Holland herzlich zum 70sten.

Unser Autor Heinz-Jürgen Maaßen präsentiert an jedem Dienstag ab 18 Uhr die Sendung Rock-Ola. Anlässlich des runden Geburtstags hat er einen Beitrag über Eddie Holland zusammengestellt, der im heutigen TourKalender ab 16 Uhr zu hören ist.

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